Palantir: Nimmt die Wachstums-Story weiter an Fahrt auf?
Seit nunmehr zwei Jahren redet die Welt von künstlicher Intelligenz, inzwischen hat sich der Hype aber deutlich verschoben. Anfangs waren Chip-Firmen die Stars, später kamen Rechenzentren groß raus und jetzt stellt sich eine viel wichtigere Frage: Welche Unternehmen schaffen es wirklich, mit KI Geld zu verdienen? Nicht nur Milliarden in Infrastruktur zu pumpen, sondern Anwendungen zu bauen, die funktionieren, im Alltag eingesetzt werden, messbaren Nutzen liefern und am Ende auch Marge bringen.
Die drei Phasen der KI
Wenn ich den KI-Markt verstehen will, muss ich erst einmal die aktuelle Phase verstehen, in der wir uns gerade befinden. Aus meiner Sicht gibt es drei Phasen. In Phase 1 ging es schlicht um Rechenpower. NVIDIA dominierte diese Phase komplett. Jeder wollte GPUs haben, die Knappheit war enorm. Ohne diese Chips lief in der Branche einfach gar nichts, weil jede ernstzunehmende KI-Entwicklung zunächst Rechenleistung frisst.
Danach verschob sich der Fokus in Phase 2 auf Infrastruktur. Plötzlich zählte nicht mehr nur der Chip, sondern das gesamte Rechenzentrum, Strom, Kühlung, Integration, Betrieb, Skalierung. Nebius zählte zu den Top-Performern in diesem Segment, doch wie üblich lockt Erfolg neue Konkurrenten an. Und vor allem Bitcoin-Miner mit bereits vorhandenen Rechenkapazitäten entdeckten den Markt für sich. Dieser wurde voller, die Bewertungen stiegen stark an, und damit wurde es automatisch schwieriger, große Überraschungen zu finden.
Jetzt landen wir in Phase 3, der Software-Phase. Hier entscheidet sich, wer wirklich profitiert. Die Parallele zum Internet liegt für mich auf der Hand. Google, Facebook und Co wurden nicht durch Hardware reich, sondern durch Anwendungen, die das Leben und Arbeiten verändert haben. Genau diese Dynamik wiederholt sich gerade. KI wird zum Betriebssystem für Entscheidungen, Prozesse, Automatisierung und Produktivität. Gewinner werden die Firmen sein, die es schaffen KI-Anwendungen zu bauen, die flächendeckend zum Einsatz kommen.
Palantir mit großem Potential
Und genau hier sehe ich Palantir gut positioniert. Nach meiner Einschätzung markiert 2026 den Übergang von Phase zwei zu Phase drei, und Palantir steht dafür sehr gut da. Die AIP-Plattform verbindet Daten, Modelle und Entscheidungsprozesse zu einem operativen System. Besonders interessant ist die Ontologie, weil sie reale Assets und Abläufe in digitale Abbilder übersetzt. Das klingt technisch, ist aber der Kern der Sache, weil damit eine Brücke zwischen Theorie und Praxis entsteht, die vielen KI-Ansätzen fehlt. KI ist dann nicht nur Chatbot, sondern wird zur Maschine, die im Unternehmen Dinge wirklich steuert.
Ein weiterer Punkt: Palantir kennt große Organisationen. Die Arbeit für Verteidigung und Geheimdienste hat das Unternehmen gezwungen, unter höchsten Sicherheitsstandards zu operieren. Diese Erfahrung zahlt sich aus, weil kommerzielle Kunden genau diese Robustheit verlangen. Sobald Palantir einmal implementiert ist, bleiben die Wechselkosten hoch. Und das System wird mit der Zeit besser, weil mehr Daten reinkommen, mehr Prozesse abgebildet werden und mehr Nutzer damit arbeiten.
Und was sagen die Zahlen
Spannend wird es auch bilanziell. Palantir hat angekündigt, die Zahlen für das vierte Quartal und das Geschäftsjahr 2025 am 2. Februar nach US-Börsenschluss zu veröffentlichen. Analysten erwarten einen Gewinnsprung, im Schnitt 0,23 US$ EPS nach 0,03 US$ im Vorjahr. Beim Umsatz liegt die mittlere Schätzung bei 1,32 Milliarden US$ nach 828 Millionen US$ im Vorjahresquartal.
Im Vorfeld hat Citi das Kursziel von 190 auf 235 US$ angehoben und den Fokus klar auf einen möglichen KI-Superzyklus gelegt, getrieben durch steigende Budgets im kommerziellen Bereich und bei Behörden. Im Best Case steht sogar die These im Raum, dass das Umsatzwachstum 2026 auf 70 bis 80 Prozent springen könnte. Gleichzeitig bleibt das Analystenbild geteilt, es gibt Kauf-, Halte- und auch Verkaufsempfehlungen, und das zeigt: Die Story ist groß, aber nicht unumstritten.
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Meine Einordnung
Natürlich ist Palantir extrem teuer, mit einem KGV jenseits von Gut und Böse. Die Aktie hat stark performt und die Bewertung wirkt im Vergleich zu klassischer Software äußerst ambitioniert. Gleichzeitig muss man aber anerkennen: In der Nische, in der Palantir agiert, gibt es nicht viele echte Konkurrenten, die Datenintegration, Sicherheit, operative Umsetzung und Skalierung auf diesem Level gleichzeitig liefern können.
Besonders im Regierungs- beziehungsweise öffentlichen Bereich ist die Position sehr gut geschützt, wir reden hier von einem klassischen Burggraben. Im kommerziellen Markt wird Konkurrenz kommen, sobald die Margen locken, das ist eine ganz normale Entwicklung und die wird es auch in diesem Fall geben. Trotzdem bleibt das fundamentale Argument bestehen: ein riesiger Markt, ein spürbarer Burgraben und Einnahmen, die sich mit hohen Margen in Gewinne verwandeln lassen.
KI befindet sich aktuell in der entscheidenden Phase. Auch wenn wir hier eine Blase entwickeln werden, sind wir noch eher am Anfang dieser Bewegung, was im gesamten KI-Bereich grundsätzlich noch hohe Kurssprünge möglich macht. Die Phase der reinen Infrastrukturinvestments läuft aus, jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen. Wer baut echte Anwendungen und echte Businessmodelle, die produktiv laufen und sich sauber monetarisieren lassen?
Palantir gehört hier potenziell zu den Unternehmen, die trotz aller Risiken, die diese Überbewertung bereits mit sich bringt, eine so starke Story haben, dass sie auch 2026 weiter wachsen könnten.
ℹ️ Palantir in Kürze
- Palantir Technologies (PLTR) ist ein Softwareunternehmen, das mit Plattformen wie Foundry und Gotham Datenanalysen für kommerzielle und staatliche Kunden anbietet, mit Fokus auf KI-gestützte Lösungen.
- Der aktuelle Aktienkurs liegt bei 175,47 US$ (Stand 14.01.2026), mit einer Marktkapitalisierung von rund 418 Milliarden US$ und einem KGV von 304x für 2025.
- In den letzten Tagen wurde die Aktie von Analysten wie Citigroup hochgestuft, dank starkem KI-Wachstum; wöchentliche Performance -3,36%.