Novo Nordisk-Aktie: Kaufchance oder Warnsignal?

Kurse geben nach

Die Novo Nordisk-Aktie gerät aktuell wieder etwas stärker unter Abgabedruck. Am Donnerstag verzeichnet der Kurs ein Minus von -3,45% auf 365,20 DKK. Was steckt hinter dem Abverkauf und müssen sich Anleger nun Sorgen machen?

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Nachrichtenlage bleibt hervorragend

Der dänische Pharmariese hat sich in den letzten Wochen deutlich von seinen Tiefständen lösen können und so an den Märkten die Hoffnung auf einen erfolgreichen Turnaround geweckt. Doch nun fällt der Kurs wieder etwas zurück. Hat es etwa negative Nachrichten gegeben?

Nein, ganz im Gegenteil: Die Nachrichtenlage bleibt für den Insulin-Weltmarktführer weiterhin hervorragend. So hat die US-Arzneimittelbehörde FDA entschieden, dass Hersteller von GLP-1-Abnehmmedikamenten Hinweise zu einem potenziellen Risiko für suizidale Gedanken von den Produktetiketten entfernen sollen.

Studien haben ergeben, dass das Risiko für suizidale Gedanken und ein entsprechendes Verhalten in der Testgruppe nicht erhöht war. Auch andere potenzielle Nebenwirkungen wie Depression, Angst oder Reizbarkeit seien demnach nicht häufiger aufgetreten als in der Placebo-Gruppe.

Wird der First-Mover-Vorteil verlängert?

Von der Regelung betroffen sind auch die beiden Blockbuster-Medikamente Zepbound vom US-Konzern Eli Lilly und Wegovy aus dem Hause Novo Nordisk. Es ist sehr wahrscheinlich, dass durch den Wegfall der Warnhinweise eine noch stärkere Marktdurchdringung gelingt, was das Potenzial im Geschäft mit GLP-1-Produkten nochmals erhöht.

Gerade vor dem Hintergrund, dass Novo mit der Wegovy-Pille das erste oral einzunehmende Abnehmprodukt auf den Markt gebracht hat. In den USA ist die Tablette bereits in über 70.000 Apotheken erhältlich.

Und der First-Mover-Vorteil von Novo könnte länger andauern als bislang gedacht, denn es verdichten sich die Anzeichen, dass Hauptkonkurrent Eli Lilly für seine Abnehm-Pille Orfoglipron frühestens im zweiten Quartal eine Zulassung von der FDA erhalten könnte. Die Entscheidung, ob das Produkt zugelassen wird, soll nun am 10. April fallen.

Was bedeutet das für die Aktie?

Sehr gute Aussichten also für Novo Nordisk, um weiter an der Erholung zu arbeiten. Die Schweizer Großbank UBS hat in einer aktuellen Studie das Kursziel von 295 auf 390 DKK angehoben. Im Durchschnitt sehen die Analysten die Aktie mit 388,50 DKK fair bewertet, was kein großes Upside gegenüber dem aktuellen Niveau suggeriert.

Ich bin da jedoch ganz anderer Meinung und sehe den fairen Wert der Aktie eher im Bereich 500 oder sogar 600 DKK. Novo ist im boomenden GLP-1-Markt bestens positioniert und im Vergleich zu Eli Lilly nach wie vor sehr attraktiv bewertet – mit einem Forward-KGV von 12,5, wohingegen das der Amerikaner bei über 30 liegt. Hinzu kommt, dass Novo eine Top-Dividende  von rund 4% bietet, während die von Eli Lilly nur bei mickrigen 0,6% liegt.

Warum der US-Konzern eine derartige Bewertungsprämie erfährt, erschließt sich mir nicht so ganz. Und ich gehe davon aus, dass die Bewertungsdiskrepanz in Zukunft auch kleiner wird und sich wieder annähert.

Aus charttechnischer Sicht ist die Aktie zunächst einmal von der 200-Tage-Linie (SMA200) und der Abwärtstrendlinie ab dem Rekordhoch von 2024 nach unten abgeprallt. Das war so auch zu erwarten gewesen – gerade nach der starken Erholung zuletzt.

Ich bin jedoch zuversichtlich, dass der Aktie nach einer Verschnaufpause im zweiten Anlauf ein erfolgreicher Ausbruch gelingt. Und dann könnte die Erholung erst so richtig Fahrt aufnehmen.

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ℹ️ Novo Nordisk in Kürze

  • Novo Nordisk mit Sitz in Bagsværd bei Kopenhagen produziert und vermarktet pharmazeutische Produkte und Dienstleistungen.
  • Der Konzern ist der weltweit führende Hersteller von Insulin. Fast jedes dritte Diabetes-Präparat weltweit stammt vom dänischen Pharmakonzern. Außerdem ist Novo Nordisk in den Bereichen Blutgerinnungsmedikamente und Hormonersatztherapien aktiv.
  • Darüber hinaus ist Novo Nordisk eines der weltweit führenden Unternehmen in der Herstellung von Adipositas-Medikamenten (Mittel zur Gewichtsabnahme).
  • Das Unternehmen wird aktuell mit 170 Milliarden € bewertet.
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