Johnson & Johnson-Aktie: Neue Milliarden-Phantasie
Die Aktie des Gesundheitskonzerns Johnson & Johnson steht nach mehreren neuen Unternehmensmeldungen erneut im Blickfeld. Eine weiter steigende Dividende und Fortschritte in der Medikamentenentwicklung könnten die Perspektiven für Anleger neu definieren.
Unsere letzte Analyse der Johnson & Johnson-Aktie erfolgte Ende Januar im Anschluss an die Ergebnisse des vierten Quartals sowie die damals angekündigte Dividendenerhöhung. Seitdem haben sich jedoch mehrere relevante Veränderungen ergeben, die eine erneute Bewertung sinnvoll erscheinen lassen.
Besonders hervorzuheben ist die Mitte März erteilte Zulassung für das Medikament Icotyde, auch als Ico oder orales IL23 bekannt, zur Behandlung von Schuppenflechte. Die Genehmigung durch die US-Arzneimittelbehörde erfolgte rund vier Monate früher als von vielen Marktbeobachtern erwartet. Analysten gehen davon aus, dass das Präparat langfristig ein jährliches Umsatzpotenzial von mehr als acht Milliarden Dollar erreichen könnte, wobei der Großteil aus der Behandlung von Plaque-Psoriasis stammen dürfte.
Vor dem Hintergrund eines Konzernumsatzes von knapp unter 100 Milliarden Dollar im Jahr 2025 hätte allein dieses Produkt das Potenzial, die jährliche Wachstumsrate des Unternehmens um etwa acht Prozentpunkte zu steigern.
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Beschleunigtes Gewinnwachstum bis zum Ende des Jahrzehnts
Ein Blick auf die historische Dividendenentwicklung liefert zusätzlichen Kontext für die Wachstumsperspektiven. Johnson & Johnson gehört zu den sogenannten Dividendenkönigen und hat seine Ausschüttung seit 63 Jahren in Folge erhöht. Die Entwicklung der Dividende gilt daher als verlässlicher Indikator für das langfristige Gewinnwachstum.
In den vergangenen zehn Jahren lag das durchschnittliche jährliche Wachstum der Dividende bei rund 5,65 Prozent. In jüngerer Zeit hat sich dieses Tempo jedoch etwas verlangsamt. Über einen Zeitraum von fünf Jahren lag die durchschnittliche Steigerung bei etwa 5,18 Prozent und über drei Jahre bei rund 4,78 Prozent. Beide Werte liegen damit unter dem eigenen Zehnjahresdurchschnitt sowie unter dem Median der Branche.
Die jüngsten Entwicklungen im Medikamentenportfolio könnten diese Dynamik jedoch wieder beschleunigen. Konsensschätzungen gehen davon aus, dass der Gewinn je Aktie bis zum Ende des Jahrzehnts deutlich stärker zulegen wird. Zwischen dem Geschäftsjahr 2026 und 2030 wird ein durchschnittliches jährliches Wachstum von rund 8,9 Prozent erwartet.
Der Gewinn je Aktie könnte demnach im Jahr 2026 etwa 11,54 Dollar erreichen und bis 2030 auf rund 16,27 Dollar steigen. Mit zunehmenden Gewinnen dürfte zugleich das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis sinken. Während es auf Basis der nächsten zwölf Monate derzeit bei etwa 20,83 liegt, könnte es bis 2030 auf rund 14,78 zurückgehen. Diese Kombination aus steigenden Gewinnen und sinkender Bewertung spricht aus Sicht vieler Analysten für ein attraktives Verhältnis von Wachstum und Bewertung.
Bewertung der Aktie anhand der Dividendenentwicklung
Zur Einschätzung des fairen Wertes lässt sich ein zweistufiges Dividendenabzinsungsmodell heranziehen. Dieses Modell basiert im Wesentlichen auf drei zentralen Faktoren: dem Diskontierungssatz, der Wachstumsrate in der ersten Phase und der langfristigen Wachstumsrate.
Als Diskontierungssatz dient die gewichtete durchschnittliche Kapitalkostenrate. Für Johnson & Johnson lag dieser Wert in den vergangenen Jahren im Schnitt bei rund 9,27 Prozent.
Für die erste Wachstumsphase wird eine Rate von 8,9 Prozent angenommen, entsprechend den prognostizierten Gewinnsteigerungen. Dabei wird unterstellt, dass die Dividende im gleichen Tempo wie der Gewinn wächst. Für die langfristige Wachstumsphase ergibt sich auf Basis der Kapitalrendite und der Reinvestitionsquote eine nachhaltige Wachstumsrate von etwa 7,01 Prozent.
Die Kapitalrendite liegt nach Schätzungen bei rund 68,7 Prozent, während die durchschnittliche Reinvestitionsquote etwa 10,2 Prozent beträgt. Multipliziert ergeben diese Werte eine langfristige Wachstumsrate von rund sieben Prozent.
Unter Berücksichtigung der aktuellen jährlichen Dividende von etwa 5,20 Dollar ergibt das Modell einen fairen Wert von rund 273 Dollar je Aktie. Im Vergleich zum aktuellen Kursniveau von etwa 242,50 Dollar ergibt sich damit ein spürbarer Bewertungspuffer.
Zwar erscheint die Dividende mit gut 2,1 Prozent eher niedrig, sie muss aber auch im Kontext eines über das letzte Jahr bereits um rund 50 Prozent gestiegenen Kurses betrachtet werden.
Fortschritte in der Forschung und mögliche Risiken
Neben Icotyde wurden zuletzt auch bei anderen Entwicklungsprojekten Fortschritte gemeldet. Anfang März berichtete das Unternehmen beispielsweise über das Erreichen eines wichtigen Sicherheitsziels in einer Phase-1-Studie zu einem neuen Wirkstoffverabreichungssystem für das Blasenkrebsmedikament Erdafitinib. Positive Ergebnisse in diesem frühen Stadium könnten die laufenden Phase-2- und Phase-3-Studien zur Technologie Erda iDRS unterstützen.
Gleichzeitig bestehen weiterhin Wettbewerbsrisiken. Im Bereich der Psoriasis-Therapien konkurriert Icotyde unter anderem mit Skyrizi von AbbVie sowie mit weiteren oralen Behandlungsoptionen wie Otezla. Skyrizi gilt aufgrund seiner starken Wirksamkeit und der vierteljährlichen Injektion als besonders konkurrenzfähig. Dennoch erwarten Branchenanalysten, dass zusätzliche orale Therapien den Gesamtmarkt erweitern könnten, indem sie mehr Patienten Zugang zur Behandlung ermöglichen.
Auch die Bewertung der Aktie wird teilweise kritisch betrachtet. Das aktuelle bereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der vergangenen zwölf Monate liegt bei etwa 22 und damit deutlich über dem Branchenmedian von rund 16. Auch im Vergleich zum eigenen Fünfjahresdurchschnitt von knapp 17 erscheint die Bewertung höher.
Diese Gegenüberstellung kann jedoch verzerrt sein. In den vergangenen Jahren wurde die Bewertung des Unternehmens unter anderem durch die Abspaltung eines Geschäftsbereichs sowie durch politische Unsicherheiten rund um Medikamentenpreise belastet. Ein Teil dieser Risiken hat sich inzwischen abgeschwächt, was die aktuelle Bewertung in einem anderen Licht erscheinen lässt.
Neue Impulse für die Investmentstory
Die jüngsten Entwicklungen bei Johnson & Johnson drehen sich im Kern um zwei Faktoren. Zum einen schreitet die Entwicklung neuer Medikamente voran, zum anderen hat sich die Bewertung der Aktie im Zuge der allgemeinen Marktvolatilität angepasst.
Diese Kombination könnte sowohl zu einer Beschleunigung des Gewinnwachstums als auch zu einer Neubewertung der Aktie führen. Vor diesem Hintergrund bleibt unsere Einschätzung positiv und die Aktie wird weiterhin als kaufenswert eingestuft.
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ℹ️ Johnson & Johnson in Kürze
- Johnson & Johnson (WKN: 853260) mit Sitz in New Brunswick im US-Bundesstaat New Jersey ist einer der größten Medtech- und Pharmakonzerne der Welt.
- Der Konzern operiert in den beiden Geschäftsbereichen Innovative Medicine (Pharma) und MedTech (Medizintechnik).
- J & J ist einer der weltweit führenden Anbieter von Therapien in der Onkologie und Immunologie. Das MedTech-Segment umfasst vor allem Produkte und Leistungen in den Bereichen Chirurgie und Orthopädie.
- Johnson & Johnson ist Mitglied im Dow Jones Industrial-Index. Mit einer Marktkapitalisierung von 584 Milliarden US$ gehört J & J zu den 20 wertvollsten Unternehmen der Welt.