Microsoft-Aktie: Eine Mega-Kaufchance?

25% Kursverlust vom Hoch

Die Aktie von Microsoft geriet nach der Veröffentlichung der Zahlen zum zweiten Quartal spürbar unter Druck, obwohl der Konzern operativ überzeugte. Die heftige Marktreaktion wirft Fragen auf, ob Investoren die strategische Entwicklung des Unternehmens – insbesondere im Bereich Künstliche Intelligenz – korrekt einpreisen.

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Microsoft legte in der vergangenen Woche die Ergebnisse für das zweite Geschäftsquartal vor und lieferte erneut ein solides Zahlenwerk ab. Dennoch setzte die Aktie ihre Abwärtsbewegung fort. Der folgende Überblick beleuchtet die Ursachen dieser Diskrepanz zwischen operativer Stärke und negativer Börsenreaktion und ordnet die aktuelle KI-Strategie des Konzerns ein.

Solide operative Entwicklung mit leichten Schönheitsfehlern

Der Software- und Cloudkonzern übertraf im zweiten Quartal sowohl auf Umsatz- als auch auf Ergebnisebene die Erwartungen des Marktes deutlich. Der Umsatz stieg auf 81,3 Milliarden US-Dollar und lag damit 16,7 Prozent über dem Vorjahreswert. Analystenschätzungen wurden um knapp eine Milliarde US-Dollar übertroffen. Der bereinigte Gewinn je Aktie erhöhte sich währungsbereinigt um 21 Prozent auf 4,14 US-Dollar und lag ebenfalls über den Prognosen.

Die operative Marge blieb mit 47,1 Prozent auf hohem Niveau und verbesserte sich im Jahresvergleich um 160 Basispunkte. Gegenüber dem Vorquartal war jedoch ein Rückgang um 190 Basispunkte zu verzeichnen, was erste Hinweise auf den zunehmenden Kostendruck durch hohe Investitionen liefert.

Zurückhaltender Ausblick dämpft die Erwartungen

Der Ausblick auf das dritte Quartal fiel vorsichtiger aus als noch zuvor. Microsoft rechnet mit einem Umsatzwachstum zwischen 15 und 17 Prozent, während die operative Marge im Jahresvergleich leicht sinken dürfte. Auch die Bruttomarge soll aufgrund fortgesetzter Investitionen in den KI-Bereich unter Druck stehen. Für das Cloudgeschäft Azure wird sequentiell ein stagnierendes bis leicht rückläufiges Wachstum in Aussicht gestellt.

Azure im Zentrum der Kritik – andere Fortschritte bleiben unbeachtet

Der Hauptauslöser für den Kursrückgang war die Wahrnehmung eines nachlassenden Wachstums bei Azure. Die Wachstumsrate sank währungsbereinigt von 39 Prozent im ersten Quartal auf 38 Prozent im zweiten Quartal. Obwohl damit die eigene Prognose übertroffen wurde, sorgte das Verfehlen der symbolisch wichtigen 40-Prozent-Marke für Enttäuschung.

Diese Fixierung auf Azure blendet jedoch wesentliche Teile des KI-Geschäfts aus. Neben der Cloudplattform verzeichneten andere KI-Produkte eine deutliche Beschleunigung. Die Zahl der zahlenden Nutzer von Microsoft 365 Copilot überschritt im zweiten Quartal die Marke von 15 Millionen, was einem Anstieg von 160 Prozent entspricht und einem jährlichen Umsatzvolumen von rund 5,4 Milliarden US-Dollar gleichkommt. GitHub Copilot erreichte 4,7 Millionen Abonnenten und nähert sich damit einer Milliarde US-Dollar an wiederkehrenden Erlösen. Auch Fabric und Foundry entwickelten sich dynamisch, mit steigenden Umsätzen und einer wachsenden Zahl von Großkunden.

Auftragsbestand wird vom Markt unterschätzt

Ein weiterer Aspekt, der kaum Anerkennung fand, ist der starke Anstieg der verbleibenden Leistungsverpflichtungen. Diese wuchsen um 110 Prozent auf 625 Milliarden US-Dollar. Skepsis entstand vor allem wegen des hohen Anteils, der auf OpenAI entfällt. Übersehen wird dabei, dass mehr als die Hälfte dieses Volumens auf eine breite Kundenbasis zurückgeht und dieser Teil immer noch um 28 Prozent zulegte. Im Unterschied zu anderen Marktteilnehmern ist Microsofts Auftragsbestand damit deutlich diversifizierter, als es die Börse derzeit honoriert.

Eigener KI-Chip als strategischer Hebel

Zusätzlich bleibt der strategische Wert des neuen Maia-200-Beschleunigerchips weitgehend unbeachtet. Der Chip soll Azure-Kunden für Inferenzanwendungen zur Verfügung stehen und eröffnet neue Erlösquellen. Gleichzeitig bietet er eine um 30 Prozent bessere Leistung pro investiertem Dollar als bisher eingesetzte Chips, was angesichts erwarteter Kapazitätsengpässe von hoher Bedeutung ist. Das Potenzial dieses Bausteins für das langfristige Wachstum wird bislang kaum eingepreist.

Bestehende Risiken dürfen nicht ausgeblendet werden

Trotz der positiven operativen Entwicklung ist das Quartal nicht frei von Risiken. Der Margendruck dürfte anhalten, solange Microsoft seine gesamte KI-Infrastruktur skaliert. Die Durchdringung von Microsoft 365 Copilot bleibt im Verhältnis zur Gesamtzahl der Office-365-Kunden noch gering. Auch das Azure-Wachstum dürfte kurzfristig unter Kapazitätsgrenzen und der breiten Aufstellung im KI-Portfolio leiden. Diese Punkte erklären die Skepsis vieler Investoren, rechtfertigen jedoch kaum die Schärfe der Kursreaktion.

Langfristige Wachstumstreiber sprechen für ein anderes Bild

Die aktuelle Marktbewertung spiegelt nur einen Teil der Realität wider. Azure wächst weiterhin robust, andere KI-Produkte gewinnen deutlich an Bedeutung, und der eigene Chip könnte sich als wichtiger Wachstumstreiber erweisen. Die Annahme, Microsoft sei im KI-Bereich nahezu vollständig von Azure abhängig, greift zu kurz und verzerrt die Wahrnehmung der strategischen Position.

Bewertung signalisiert erhebliches Aufwärtspotenzial

Auf Basis einer Prognose für den Gewinn je Aktie im Geschäftsjahr 2027 von 20,07 US-Dollar ergibt sich bei einem vorsichtig angesetzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 28 ein Kursziel von 562 US-Dollar. Selbst im pessimistischen Szenario liegt die Bewertung über dem aktuellen Kursniveau, während im optimistischen Fall ein deutlich höheres Potenzial besteht. Der Bewertungsabschlag ist vor allem auf die zunehmende Skepsis gegenüber der KI-Strategie und die pauschale Schwäche im Softwaresektor zurückzuführen.

Risiken bleiben präsent

Neben dem Margendruck und der Entwicklung bei Azure stellt auch der zunehmende Wettbewerb im KI-Umfeld ein Risiko dar. Diese Faktoren könnten das Wachstumstempo beeinflussen und müssen bei jeder Bewertung berücksichtigt werden.

Marktreaktion steht im Widerspruch zur operativen Realität

Microsoft lieferte im zweiten Quartal starke Zahlen und zweistelliges Gewinnwachstum, wurde an der Börse jedoch abgestraft. Der Rückgang der Azure-Wachstumsrate um einen Prozentpunkt überlagerte die Fortschritte in anderen KI-Segmenten und das langfristige Potenzial neuer Technologien. Die aktuelle Bewertung deutet weniger auf eine fundamentale Schwäche hin als auf eine deutliche Diskrepanz zwischen Marktstimmung und Unternehmensrealität.

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ℹ️ Microsoft in Kürze

  • Die Microsoft Corporation (WKN: 870747) ist einer der wichtigsten IT-Konzerne der Welt und der weltweit größte Softwarehersteller.
  • Zu den wesentlichen Produkten des Unternehmens mit Hauptsitz in Redmond im US-Bundesstaat Washington gehören das Betriebssystem Windows, das Büro-Softwarepaket Office, die Tablet-PC-Familie Surface und die Spielekonsole Xbox. Darüber hinaus ist Microsoft der zweitgrößte Cloud-Anbieter der Welt.
  • Die Microsoft-Aktie ist Mitglied im US-Leitindex Dow Jones Industrial und im Technologieindex Nasdaq 100. Mit einem Börsenwert von 3,58 Billionen US$ ist Microsoft aktuell das drittwertvollste Unternehmen der Welt.
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