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Micron-Aktie nach der Korrektur: Angriff auf 1.750 US$?

Geht die Rallye jetzt weiter?
Redaktion
Vor wenigen Tagen stand bei der Micron-Aktie noch die Frage im Raum, ob der deutliche Rücksetzer nach den Rekordzahlen eine attraktive Kaufchance eröffnet. Die jüngsten Entwicklungen stützen diese These und lassen neue Kursziele in den Fokus rücken. Die Aktie springt heute vorbörslich wieder über die Marke von 1.000 US-Dollar.

Rekordergebnisse verändern Ausgangslage

Micron Technology hat mit den Zahlen für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 die stärksten Ergebnisse seiner Unternehmensgeschichte vorgelegt. Die Börse reagierte zunächst mit einem Kurssprung von fast 16 Prozent auf ein neues Rekordhoch, bevor ein Teil der Gewinne wieder abgegeben wurde. Dennoch steht die Aktie seit Jahresbeginn weiterhin deutlich im Plus und hat sich innerhalb der vergangenen zwölf Monate etwa versiebenfacht.

Während eine derart starke Kursentwicklung häufig das Ende einer Wachstumsphase signalisiert, sprechen die aktuellen Fundamentaldaten für eine andere Entwicklung. Der Markt bleibt zwar angesichts der enormen Investitionen in neue Produktionskapazitäten nervös, doch die operative Dynamik des Unternehmens hat sich grundlegend verändert.

Der Quartalsumsatz erreichte mit 41,5 Milliarden US-Dollar einen neuen Höchstwert und lag rund 346 Prozent über dem Vorjahresniveau. Gegenüber dem Vorquartal betrug das Wachstum 74 Prozent. Damit übertraf Micron die Markterwartungen deutlich. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg auf 25,11 US-Dollar und fiel ebenfalls klar höher aus als prognostiziert. Besonders beeindruckend entwickelte sich die Bruttomarge, die auf 84,9 Prozent kletterte. Ein Jahr zuvor hatte sie noch bei 39 Prozent gelegen.

Diese Entwicklung zeigt, dass es sich nicht lediglich um eine zyklische Erholung handelt. Das Unternehmen hat seine Ertragskraft innerhalb kurzer Zeit massiv verbessert und präsentiert sich heute in einer völlig anderen wirtschaftlichen Verfassung als noch während des Abschwungs im Jahr 2023.

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KI-Rechenzentren treiben Nachfrage nach Speichermodulen

Der weltweite Ausbau von KI-Rechenzentren bleibt der zentrale Wachstumsmotor für Micron. Gleichzeitig sorgt die zunehmende Verbreitung autonom agierender KI-Systeme für einen stark steigenden Bedarf an leistungsfähigen Speicherchips.

Der Umsatz im Rechenzentrumssegment vervielfachte sich auf 11,5 Milliarden US-Dollar, während der Cloud-Speicherbereich auf 13,8 Milliarden US-Dollar anwuchs. Zusätzlich setzte Micron SSDs für Rechenzentren im Wert von rund fünf Milliarden US-Dollar ab.

Selbst traditionell eher stabile Bereiche wie Industrieanwendungen oder die Automobilbranche profitierten von der hohen Nachfrage und den gestiegenen Speicherpreisen. Die angespannten Lieferketten dürften sich künftig auch in höheren Preisen für Smartphones, Tablets, Notebooks und moderne Fahrzeuge widerspiegeln.

Für das laufende Quartal stellte das Management einen Umsatz von rund 50 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Analysten hatten zuvor lediglich mit 43,6 Milliarden US-Dollar gerechnet.

Langfristige Verträge verändern Charakter des Speichermarktes

Über Jahrzehnte galt der Markt für Speicherchips als klassisches Rohstoffgeschäft. Sobald die Nachfrage das Angebot überstieg, explodierten die Preise. Anschließend bauten sämtliche Hersteller neue Kapazitäten auf, was regelmäßig zu Überangeboten, massiven Preisrückgängen und hohen Verlusten führte.

Genau dieses Muster könnte sich nun erstmals grundlegend verändern.

Im vergangenen Quartal schloss Micron insgesamt 16 strategische Liefervereinbarungen ab. Vierzehn dieser Verträge besitzen zusammen ein Volumen von mehr als 100 Milliarden US-Dollar und basieren auf verbindlichen Abnahmevereinbarungen. Kunden verpflichten sich dabei entweder zur vereinbarten Abnahme der Speicherchips oder müssen die vereinbarten Beträge dennoch bezahlen.

Dadurch entsteht eine deutlich stabilere Umsatzbasis. Nach Angaben des Unternehmens sollen künftig rund die Hälfte der Erlöse über diese langfristigen Verträge abgesichert werden. Hinzu kommen Anzahlungen und verbindliche Zusagen im Umfang von 22 Milliarden US-Dollar.

Diese Struktur reduziert die bislang extremen Schwankungen des Geschäftsmodells erheblich und verschafft Micron eine deutlich bessere Planbarkeit als in früheren Marktzyklen.

Zusätzlich vereinbarte das Unternehmen zuletzt eine Zusammenarbeit mit General Motors und Anthropic, um die langfristige Versorgung mit Speicherlösungen sicherzustellen und gemeinsame Innovationen voranzutreiben.

Ein anderer Zyklus als in der Vergangenheit

Auch das Verhalten der Branche unterscheidet sich inzwischen deutlich von früheren Aufschwungphasen.

Während überschüssige Produktionskapazitäten in der Vergangenheit häufig über den freien Markt verkauft wurden und dadurch massive Preisrückgänge auslösten, fließt ein großer Teil der künftigen Produktion nun bereits über langfristige Lieferverträge an die Kunden.

Unternehmen, die keine langfristigen Vereinbarungen abschließen, könnten künftig Schwierigkeiten haben, ausreichende Mengen an Hochleistungsspeichern zu erhalten.

Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung im Markt für High Bandwidth Memory. Die gesamte Produktion für das Jahr 2026 ist bereits langfristig vergeben, einschließlich fest vereinbarter Preise und Liefermengen. Gleichzeitig erwartet Micron, dass das Marktvolumen dieses Segments bis 2028 auf rund 100 Milliarden US-Dollar anwachsen wird. Derzeit liegt es bei etwa 32 Milliarden US-Dollar.

Hohe Investitionen bleiben größtes Risiko

Trotz der beeindruckenden Entwicklung sehen viele Investoren weiterhin erhebliche Risiken. Der häufigste Kritikpunkt betrifft die enormen Investitionen in neue Produktionskapazitäten. Skeptiker befürchten, dass nach dem aktuellen Boom erneut Überkapazitäten entstehen könnten.

Allerdings unterscheidet sich die heutige Situation deutlich von früheren Zyklen.

Mit Bruttomargen von über 80 Prozent generiert Micron inzwischen enorme Mittelzuflüsse. Für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 erwartet das Unternehmen allein einen freien Cashflow von rund 30 Milliarden US-Dollar.

Die Investitionen steigen zwar kräftig an. Nach 8,1 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2024 und 14 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 sollen sie im laufenden Jahr auf rund 27 Milliarden US-Dollar anwachsen. Dennoch könnte bereits der freie Cashflow eines einzigen Quartals ausreichen, um die gesamten Investitionen des Geschäftsjahres zu finanzieren.

Während frühere Investitionszyklen häufig die Bilanz belasteten, werden die aktuellen Ausgaben überwiegend durch bereits vertraglich gesicherte Zahlungsströme getragen. Diese finanzielle Stabilität verschafft dem Unternehmen deutlich mehr Flexibilität als in früheren Marktphasen.

Bewertung erscheint weiterhin moderat

Angesichts des massiven Kursanstiegs stellt sich zwangsläufig die Frage nach der Bewertung.

Das aktuelle durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der vergangenen und erwarteten Gewinne liegt bei rund 16,6. Auf Basis der erwarteten Gewinne der kommenden zwölf Monate ergibt sich sogar lediglich ein vorausschauendes Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 9.

Marktbeobachter rechnen für das Geschäftsjahr 2026 mit einem Gewinn je Aktie von 73,12 US-Dollar. Für 2027 werden bereits 154,66 US-Dollar erwartet. Im Jahr 2028 soll der Gewinn nochmals leicht auf 166,34 US-Dollar steigen.

Diese Schätzungen wurden nach den starken Quartalszahlen nochmals deutlich angehoben. Gleichzeitig erwarten viele Analysten inzwischen keinen ausgeprägten Gewinnrückgang mehr zum Ende des aktuellen Zyklus.

Historisch bewegte sich Microns Bewertung je nach Marktphase zwischen einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 3 und 50. In ausgeglichenen Marktphasen lag die Bewertung meist im Bereich zwischen 14 und 20. Vor diesem Hintergrund erscheint das aktuelle Bewertungsniveau trotz der starken Kursentwicklung keineswegs überzogen.

Unter der Annahme eines Gewinns je Aktie von rund 115 US-Dollar innerhalb der kommenden zwölf Monate und eines Kurs-Gewinn-Verhältnisses von 15 ergäbe sich ein theoretischer Aktienkurs von etwa 1.725 US-Dollar bis Juli 2027. Sollte der Markt bereit sein, eine höhere Bewertung zwischen 17 und 20 zu akzeptieren, wären sogar Kurse zwischen knapp 2.000 und rund 2.300 US-Dollar denkbar.

Strukturelle Veränderungen sprechen für anhaltendes Wachstum

Immer mehr Anzeichen deuten darauf hin, dass sich das Geschäftsmodell der Speicherhersteller nachhaltig verändert. Langfristige Lieferverträge sorgen für besser planbare Umsätze und reduzieren die extremen Schwankungen, die den Markt jahrzehntelang geprägt haben.

Die anhaltend hohe Nachfrage nach KI-Infrastruktur, begrenzte Produktionskapazitäten und langfristig abgesicherte Liefervereinbarungen verschaffen Micron derzeit eine außergewöhnlich starke Verhandlungsposition. Zwar dürfte der zyklische Charakter des Speichermarktes nicht vollständig verschwinden, doch eine deutliche Abschwächung der bisherigen Ausschläge erscheint zunehmend wahrscheinlich. Größere Überkapazitäten werden nach aktuellem Stand frühestens gegen Ende des Jahrzehnts erwartet.

ℹ️ Micron in Kürze

  • Micron Technology Inc. (WKN: 869020) mit Sitz in Boise im US-Bundesstaat Idaho ist ein weltweit führender Anbieter von Computerspeichern, die in einer Vielzahl von Anwendungen zum Einsatz kommen.
  • Hauptprodukte des Technologiekonzerns sind dynamische Random-access Memories (RAM), Flash-Speicher und USB-Flash-Laufwerke.
  • Das Unternehmen ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500 und an der Börse ca. 1,1 Billionen US$ wert.

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Redaktion

Fazit

Micron profitiert derzeit von einer außergewöhnlich günstigen Kombination aus starkem Nachfragewachstum, hoher Profitabilität und langfristig abgesicherten Umsätzen. Bleibt die Dynamik im KI-Markt erhalten, könnte die Aktie trotz ihrer beeindruckenden Kursentwicklung weiteres Potenzial besitzen.

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