Mercedes-Benz-Aktie: Geht das Grauen weiter?
Die Mercedes-Benz-Aktie konnte sich zuletzt wieder etwas berappeln, und liegt wieder auf dem Niveau von Anfang letzten Jahres. Am Mittwoch verliert sie aktuell leicht und steht bei rund 59 €. Was ist hier zu erwarten?
Verfehlte Modellpolitik
Die Konzernaufteilung in Nutzfahrzeuge und PKW erfolgte unter dem Aspekt, dass beide Konzernteile sich separat besser entwickeln als in der Kombination. Das Management unter dem CEO Ola Källenius verfolgte nach der Aufteilung eine neue Strategie bei den Modellen. Die größten Gewinnspannen lagen im Premiumbereich. Der Fokus lag somit auf Luxusmodellen mit hohen Verkaufspreisen.
Die Folge war, dass die Einstiegsmodelle, wie beispielsweise die A- und B-Klasse ausliefen. Im Nachhinein zeigte sich diese Strategie als Fehlschuss.
Dieses Vorhaben funktionierte so lange, als der globale Absatz, insbesondere in China und den USA, florierte. Mittlerweile ist das jedoch nicht mehr der Fall. China setzt zunehmend auf E-Mobilität. Hier sind E-Fahrzeuge von BYD oder anderen chinesischen Anbietern momentan gefragter.
In den USA laufen die Geschäfte auch nicht mehr rund, besonders die neuen Zölle machen dem Konzern zu schaffen. Zudem ist die Kaufkraft in den USA auch gesunken.
Was dem Konzern fehlt, sind günstige Einstiegsmodelle. Zwar ist der Gewinn pro Fahrzeug nicht so hoch, hier macht sich jedoch der Volumeneffekt positiv bemerkbar. Für viele Autokäufer mit mittlerem Einkommen war ein Mercedes ein Statussymbol. Diese Klientel kann sich heute kein Premiumauto mehr leisten. Auch die Umstellung auf E-Fahrzeuge läuft nicht wie erwartet.
Insgesamt ist festzustellen, dass die bisherige Strategie fehlgeschlagen ist. Mittlerweile überdenkt der Konzern die bisherige Strategie und baut die Modelle der A-Klasse bis 2028 weiter; allerdings wird die Produktion komplett nach Ungarn ausgelagert. Das geschieht aus Gründen der Kostenoptimierung.
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Gewinn eingebrochen
Die verfehlte Produktpolitik hinterließ bei dem Konzernergebnis deutliche Spuren. Aufgrund eingeleiteter Sparmaßnahmen, insbesondere durch den Stellenabbau, fielen hierfür hohe Kosten an. Neben diesen Kosten machte sich auch der Umsatzrückgang bemerkbar.
Der Umsatz sank gegenüber dem Vorjahr um 9,2% auf 132,2 Milliarden €. Der Konzernumsatz reduzierte sich fast um die Hälfte auf 5,3 Milliarden €.
Für das laufende Geschäftsjahr wird ein Umsatz auf Vorjahresniveau erwartet. Das Konzernergebnis soll deutlich besser ausfallen, die Sonderkosten reduzieren sich erheblich.
Was bedeutet das für die Aktie?
Generell ist die Performance von deutschen Autoherstellern nicht besonders. Die Mercedes-Benz-Aktie konnte zwar den Einbruch, hervorgerufen durch die US-Zölle, wieder wettmachen, Kursgewinne gegenüber dem Vorjahr gibt es jedoch keine.
Meiner Meinung nach ist das Kurspotenzial vorerst begrenzt. Der Kurs dürfte in eine Seitwärtsbewegung übergehen. Was weiterhin für die Aktie spricht, ist die hohe Dividendenrendite. Die auf 3,50 € reduzierte Dividende entspricht aktuell einer Rendite von 5,8%.
Die meisten Analysten halten die Aktie ebenfalls für fair bewertet, deren Zielkurse liegen zwischen 56 und 60 €. Die Deutsche Bank mit 74 € und JP Morgan mit 70 € sind jedoch zuversichtlich.
Mein Fazit: Momentan spricht wenig für einen Einstieg. Für renditeorientierte Anleger ist die Aktie weiterhin attraktiv.
Hier sei angemerkt: Während sich viele auf Tech-Aktien konzentrieren, übersehen sie solide Dividendenzahler mit Aufwärtspotenzial. Diese Analyse beleuchtet zehn unterschätzte Kandidaten für das neue Jahr.
Interessenkonflikt: Der Autor hält Aktien des besprochenen Unternehmens Mercedes-Benz. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Der Autor beabsichtigt, die Aktien – je nach Marktsituation auch kurzfristig – zu kaufen oder zu veräußern und könnte dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren.
ℹ️ Mercedes-Benz in Kürze
- Mercedes-Benz (WKN: 710000) ist einer der traditionsreichsten Autohersteller der Welt. Mit einem Absatz von rund 2,5 Millionen Fahrzeugen (Pkw und Vans) gehört der Konzern mit Sitz in Stuttgart zu den drei wichtigsten Autobauern Deutschlands.
- Gemessen am Umsatz zählt die Mercedes-Benz-Gruppe sogar zu den größten Autoherstellern der Welt.
- An der Börse wird das im DAX gelistete Unternehmen mit 56,7 Milliarden € bewertet.