Marvell Technology-Aktie: Mehr Chance oder Risiko?

Die stille Macht hinter dem KI-Boom
Redaktion

Die Aktie von Marvell Technology steht exemplarisch für die zweite Phase des KI-Booms, in der nicht mehr allein Rechenleistung, sondern die effiziente Bewegung von Daten über den wirtschaftlichen Erfolg entscheidet. Trotz eines anspruchsvollen Marktumfelds bietet das Papier ein relatives Bewertungsargument, das es von vielen anderen Halbleiterwerten abhebt.

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Marvell ist denselben zyklischen makroökonomischen Bewertungsrisiken ausgesetzt wie andere KI- und Halbleiterunternehmen. Im Vergleich zu Wettbewerbern fällt die Bewertung jedoch moderater aus, was selbst in einem teuren Gesamtmarkt eine positive Einstufung rechtfertigt. Voraussetzung bleibt eine disziplinierte Gewichtung im Portfolio, da die Aktie nicht als Absicherung gegen eine mögliche Konsolidierung im Sektor taugt.

Der strukturelle Wandel bei Beschleunigerchips

Nach Einschätzung des Unternehmens werden derzeit fast doppelt so viele GPUs wie kundenspezifische XPUs für vergleichbare Aufgaben produziert. Bis 2028 dürfte sich dieses Verhältnis umkehren, wobei spezialisierte Beschleuniger nicht nur aufholen, sondern mengenmäßig dominieren. Dieser Trend unterstreicht die strategische Bedeutung maßgeschneiderter Lösungen im Rechenzentrumsmarkt.

Abhängigkeit vom Rechenzentrumsgeschäft

Im dritten Quartal entfielen rund 73 Prozent von Marvells Konzernumsatz auf das Rechenzentrumsgeschäft. Die Wachstumsstory basiert damit auf einer hohen Konzentration in einem dynamischen, aber auch anfälligen Segment. Sollte die Investitionsbereitschaft der großen Cloud-Anbieter nachlassen, würde genau dieser Hebel zur Schwachstelle der positiven Markterwartungen.

Netzwerke als Engpass der KI-Infrastruktur

Aus technischer Sicht scheitern große KI-Cluster eher an Bandbreite, Latenz und Energieverbrauch als an reiner Rechenleistung. Sobald die Rechenkapazität installiert ist, verlagern sich die Investitionen zwangsläufig auf die effiziente Datenübertragung. Dieser Effekt ist bereits sichtbar, da Betreiber zunehmend alternative Architekturen und spezialisierte Lösungen einsetzen. Netzwerke und optische Verbindungen werden häufig erst nachgelagert ausgebaut, wenn Engpässe identifiziert und bestehende Kapazitäten besser ausgelastet werden sollen. Individuell entwickelte Netzwerkcontroller machen inzwischen einen erheblichen Anteil der eingesetzten Komponenten in großen Rechenzentren aus.

Effizienzgewinne durch kundenspezifisches Design

Unabhängig von konjunkturellen Schwankungen gewinnen die Produkte von Marvell an Bedeutung. Durch die Anpassung zentraler Siliziumkomponenten lässt sich der Platzbedarf für Hochleistungs-Speicher deutlich reduzieren, der Energieverbrauch der Schnittstellen senken und Raum für zusätzliche Recheneinheiten schaffen. In einem Umfeld, in dem GPU-Investitionen vorübergehend verarbeitet werden müssen, könnte die Nachfrage nach solchen Effizienzlösungen sogar steigen. Auch die Individualisierung schneller integrierter Speicher verspricht massive Leistungssteigerungen und verbessert die Kapitalrendite der gesamten Infrastruktur.

Während führende Grafikchipanbieter primär die Rechenplattform monetarisieren, profitiert Marvell von der Datenverbindung, die diese Rechenleistung erst nutzbar macht. Eine Umschichtung der Investitionen von reiner Rechenleistung hin zu Interconnect-Technologien kann dem Unternehmen daher selbst in einer Phase geringerer GPU-Nachfrage zugutekommen.

Ausblick auf Chancen und Risiken

Positive Überraschungen ergeben sich, wenn mit zunehmender Skalierung der Rechenzentren optische Verbindungen unverzichtbar werden und zusätzliche Nachfrage generieren. Zudem könnte eine breitere Kundenbasis die Abhängigkeit von einzelnen Großprojekten verringern und die Qualität des Wachstums erhöhen. Auf der anderen Seite drohen Rückschläge, falls sich die Investitionszyklen stärker abkühlen oder bedeutende Aufträge verzögert werden. Besonders sensibel bleibt die Aktie gegenüber geopolitischen Spannungen, da ein erheblicher Teil der Auslieferungen nach China geht und handelspolitische Maßnahmen Nachfrage und Bewertung gleichzeitig treffen können.

Bewertung und Kursziel

Für das Geschäftsjahr 2028 wird mit einem vorsichtig angesetzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22,5 gerechnet, leicht unter dem aktuellen Niveau. Diese Annahme spiegelt die Erwartung wider, dass sich die Stimmung gegenüber KI-Aktien ab der zweiten Jahreshälfte 2026 konsolidiert und eine Phase der Investitionsoptimierung einsetzt. Bei einem prognostizierten Gewinn je Aktie von fünf Dollar ergibt sich ein Kursziel von 112,50 Dollar. Ausgehend vom aktuellen Kursniveau entspricht dies einem Aufwärtspotenzial von rund 25 Prozent.

Fazit: Für risikoaffine Anleger

Marvell bleibt ein Investment mit erhöhtem Risiko, da das Unternehmen tief im KI-Zyklus positioniert ist. Gleichzeitig bietet die Ausrichtung auf kundenspezifische Beschleuniger und Dateninfrastruktur eine strukturelle Widerstandsfähigkeit und attraktive mittelfristige Wachstumsperspektiven. In einem zunehmend gesättigten und hoch bewerteten Markt stellt die Aktie damit eine interessante Alternative dar, die den Übergang von GPU-lastigen Strategien hin zu effizienteren, spezialisierten Lösungen widerspiegelt.

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ℹ️ Marvell in Kürze

  • Marvell Technology (WKN: A3CNLD) ist ein Hersteller von Netzwerk-, Speicher- und Computerchips sowie Konnektivitätslösungen für verschiedene Branchen wie Rechenzentren, die Automobilindustrie, Carrier-Infrastruktur und Unternehmensnetzwerke.
  • Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Santa Clara im US-Bundesstaat Kalifornien, betreibt jedoch auch Entwicklungszentren in Asien und Europa.
  • Marvell Technology ist an der Nasdaq gelistet und kommt derzeit auf eine Marktkapitalisierung von 77,8 Milliarden US$.
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