Lufthansa-Aktie: Wie stark wirkt sich der Iran aus?
Nachdem die Lufthansa-Aktie bereits am vergangenen Freitag um -3,5% nachgegeben hat, ist sie auch am Montagmorgen mit einem Minus von über -6% einer der schwächsten Werte auf dem deutschen Aktienmarkt. Ist die deutsche Airline so massiv vom Angriff auf den Iran betroffen?
Drei Belastungsfaktoren
Die Antwort auf die eingangs gestellte Frage ist ein klares Ja. Der amerikanisch-israelische Angriff auf den Iran trifft die Lufthansa gleich auf dreifache Weise:
Zum Ersten musste die Fluggesellschaft zahlreiche Verbindungen in den Nahen Osten streichen. Bis zum 8. März werden keine Flüge von Deutschlands aus Richtung Amman, Beirut, Damman, Erbil, Teheran und Tel Aviv starten.
Offenbar wurde auch ein britischer Luftwaffenstützpunkt auf Zypern angegriffen. Das könnte zudem zu einer Beeinträchtigung des Flugverkehrs nach Ägypten und in die Türkei führen.
Zum Zweiten ist der Luftraum über weiten Teilen des Nahen Ostens derzeit gesperrt. Wann er wieder für den zivilen Luftverkehr geöffnet wird, ist unklar. Für die Lufthansa bedeutet das, dass ihre Maschinen auf dem Weg in den Fernen Osten massive Umwege in Kauf nehmen müssen. Das erhöht die Treibstoffkosten.
A propos Treibstoffkosten. Die dritte Auswirkung der Eskalation im Iran-Konflikt ist die wahrscheinlich gefährlichste für die Lufthansa-Aktie.
Der Ölpreis schoss als Reaktion auf die Sperrung der Straße von Hormus, über die rund 20% der weltweiten Öltransporte erfolgen, um gut 10% in die Höhe. Für die Lufthansa bedeutet das steigende Treibstoffkosten, die sie möglicherweise nicht 1:1 an ihre Fluggäste weitergeben kann.
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Und auch noch ein interner Konflikt
Neben dieser externen Krise hat die Lufthansa zu allem Überfluss auch noch mit einem internen Konflikt zu kämpfen. Erst am vergangenen Donnerstag stimmten die Piloten der Tochter Cityline für mögliche Streikmaßnahmen.
Zudem hat die Gewerkschaft Verdi mit Warnstreiks des Bodenpersonals gedroht, da die Friedenspflicht in den Tarifverhandlungen gerade abgelaufen ist. Die Börse befürchtet nun zusätzliche Flugausfälle durch Streiks von Piloten und Bodenpersonal.
Rasanter Sinkflug
Erst am vergangenen Donnerstag kletterte die Lufthansa-Aktie fast auf ein neues 2-Jahreshoch. Doch nun scheint sich eine Trendwende anzukündigen.
Die Airline nimmt in rasantem Tempo Kurs auf ihr 3-Monatstief bei 8 €. Sollte diese Unterstützung nicht halten, könnte der Sinkflug sogar bis auf 7 € runtergehen.
Besser die Füße stillhalten
Wie in meiner letzten Analyse Mitte Februar dargestellt, bin ich grundsätzlich ein Freund der Lufthansa-Aktie und empfehle sie zum Kauf. Aber in der aktuellen Situation rate ich Anlegern, erstmal die Füße stillzuhalten.
Die Lage im Nahen Osten ist aktuell sehr unübersichtlich. Israel und die USA verfolgen diesmal nicht nur das Ziel, das Atom- und Raketenprogramm des Irans auszuschalten, sondern einen Regimewechsel herbeizuführen. Die Führungsspitze des Mullah-Regime kam zwar bei Luftangriffen am Wochenende ums Leben. Ob die neue Staatsführung des Irans allerdings einen neuen politischen Kurs einschlagen wird, ist alles andere als ausgemacht.
Vor diesem Hintergrund lässt sich gegenwärtig überhaupt nicht einschätzen, wie lange sich die militärische Auseinandersetzung hinziehen wird. US-Präsident Trump und Israels Ministerpräsident Netanyahu stimmten ihre Bevölkerungen bereits auf einen längeren Kampf ein.
Auch der Iran scheint diesmal besser auf einen Angriff vorbereitet zu sein. Die Gegenangriffe auf mit den USA verbündete Nachbarstaaten zeigen, dass das Land keineswegs schnell kapitulieren wird.
Besonders gefährlich könnte die Blockade der Seewege im Persischen Golf sein. Ein Zusammenbruch der Öltransporte aus den Golfstaaten dürfte den Ölpreis über Wochen, vielleicht sogar Monate hoch halten. Das könnte die Lufthansa-Aktie noch stark belasten.
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ℹ️ Lufthansa in Kürze
- Mit einer Flottengröße von über 700 Flugzeugen und mehr als 200 Flugzielen in der ganzen Welt zählt die Lufthansa zu den zehn größten Fluggesellschaften der Welt.
- Zur Lufthansa-Gruppe gehören auch die Fluggesellschaften Austrian, Brussels Airlines, Air Dolomiti, Eurowings und Swiss.
- Seit Januar 2025 hält die Lufthansa auch eine 41%-Beteiligung an ITA Airways. Eine vollständige Übernahme der italienischen Staatsfluglinie ist geplant.
- Die Lufthansa (WKN: 823212) ist Mitglied im deutschen Nebenwerteindex MDAX und etwa 10,9 Milliarden € wert.