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LPKF: Dividende weg, Aktie stürzt ab – jetzt zuschlagen?

Simon / 23.03.22 / 13:48

Probleme bei der globalen Logistik und bei Kundenprojekten haben bei LPKF Laser & Electronics (WKN: 645000) zu einem Ergebniseinbruch geführt. Der Vorstand will die Dividende für 2021 streichen, um die verfügbaren Mittel ins Unternehmen zu investieren. Die Börse reagiert entsetzt auf den Vorschlag: Die Aktie rutscht bis zum Mittag um fast -19% ab. Sind die mittelfristigen Ziele der High-Tech-Schmiede nun auch in Gefahr?

Seit 1976 fertigt LPKF Lasersysteme für die industrielle Produktion. Die Hannoveraner sind inzwischen für besonders kleine und präzise Bauteile bekannt, die etwa bei der Herstellung von Solarmodulen, Mikrochips, Leiterplatten oder Automobilteilen zum Einsatz kommen.

Als im August 2020 die insolvente Wirecard aus den TecDAX geflogen ist, hat der Laser-Spezialist den freien Platz ergattert. Spätestens seitdem haben viele Anleger den Titel auf dem Radar. Dem Unternehmen wurde damals schon von einigen Analysten ein 70-prozentiges Kurspotenzial zugesprochen. Der Börsenwert der High-Tech-Schmiede liegt aktuell bei 321 Millionen €.

Ergebniseinbruch und gestrichene Dividende

Logistikpässe insbesondere im vierten Quartal haben bei LPKF im vergangenen Jahr jedoch zu einem Ergebniseinbruch geführt. Das geht aus den Geschäftszahlen für 2021 hervor, die der Laser-Spezialist am Mittwoch vorgelegt hat.

Für das Schlussquartal geplante Umsätze in Höhe von rund 8 Millionen € haben sich demnach in das neue Geschäftsjahr verschoben. Damit schrumpfte der Konzernumsatz um 2,7% auf 93,6 Millionen €. Letztlich erzielte das Unternehmen mit 0,1 Millionen € gerade noch ein positives Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) – deutlich weniger als der Vorjahrswert von 7,5 Millionen €. Damit lagen die Hannoveraner noch am unteren Rand der im Dezember nach unten angepassten Prognose.

Vor dem Hintergrund des aktuell schwierigen politischen und wirtschaftlichen Umfelds betonen Vorstand und Aufsichtsrat im Abschlussbericht die Wichtigkeit von weiteren Investitionen für das Tech-Unternehmen. Um in den kommenden Jahren nachhaltiges und profitables Wachstum zu ermöglichen, will die Unternehmensleitung für 2021 keine Dividende ausschütten und die Mittel lieber für die Entwicklung und Kommerzialisierung ihrer Produkte verwenden.

Auf diese Meldung haben Investoren am Morgen mit Entsetzen reagiert: In den ersten Handelsminuten brach die LPKF-Aktie in der Spitze um -17% ein. Am Mittag stand der Titel mit einem Minus von 19,1% bei 13,07 €.

Auftragslage und Jahresausblick stabil

An den präsentierten Auftragszahlen wird jedoch deutlich, dass das Kundeninteresse an den Lösungen der Hannoveraner stetig weiterwächst. So lagen die Auftragseingänge 2021 mit 117,9 Millionen € um 15,2% über dem Vorjahresniveau. Der Auftragsbestand zum Jahresende wuchs damit auf 62,6 Millionen € – fast zwei Drittel mehr als 12 Monate zuvor.

Laut Finanzvorstand Christian Witt sei LPKF damit gut aufgestellt, um im laufenden Geschäftsjahr ein deutliches Wachstum zu erzielen. So erwartet das Management im derzeit unsicheren Umfeld für 2022 einen Konzernumsatz von 110 bis 130 Millionen € und eine EBIT-Marge zwischen 2 und 7%.

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Starke Nachfrage für LIDE-Technologie

Auch wenn die gestrichene Dividende die Anleger sichtlich verärgert, spricht diese Entscheidung aus meiner Sicht für das LPKF-Management. Statt kurzsichtiges Investor-Pleasing zu betreiben, konzentriert die Unternehmensleitung in einem schwierigen Marktumfeld ihre Energien und Mittel auf die Weiterentwicklung des Unternehmens.

Bereits vor Monaten war schließlich auch klar, dass der High-Tech-Hersteller einen erheblichen Teil der bestellten Ware nicht planmäßig bis Jahresende 2021 ausliefern würde. Neben den globalen Logistikproblemen führte auch die Verzögerung wichtiger Kundenprojekte zu den Rückständen.

Die gute Nachricht ist jedoch, dass bereits ein bedeutender Teil der verschobenen Lieferungen im neuen Geschäftsjahr umsatzwirksam geworden ist. Der mittelfristige Ausblick sollte von den jüngsten Verzögerungen unberührt bleiben, da sich die Auftragslage weiterhin sehr positiv entwickelt.

Was den Vorstand des High-Tech-Herstellers besonders zuversichtlich macht, ist der Folgeauftrag aus der Halbleiterbranche für ein System namens LIDE (Laser Induced Deep Etching). Mit der patentierten Technologie könne Dünnglas schnell, exakt und ohne Mikrorisse geschnitten werden. Bisher sei dieser Prozess äußerst aufwendig und kostspielig gewesen. Mit dem Verfahren ließen sich beispielsweise klappbare Smartphone-Displays aus Glas herstellen.

Auf Basis dieses Auftrags wird im laufenden Geschäftsjahr die Serienproduktion von Halbleiterkomponenten in großer Stückzahl beginnen. Ein weitere wichtiger Meilenstein für das geplante Wachstums in dem Bereich war, dass LPKF im Dezember eine Entwicklungsvereinbarung zur Glasbearbeitung unterschrieben hat mit einem der weltweit größten Display-Unternehmen. Anfang des Monats haben die Hannoveraner zudem eine Rahmenvereinbarung abgeschlossen mit einem führenden Kunden aus der Halbleiterindustrie.

Weitsicht wird sich auszahlen

Auch über das gesamte Jahr 2022 hinweg erwartet der LPKF-Vorstand, dass Störungen in den globalen Lieferketten die volle Aufmerksamkeit erfordern werden. Dennoch sehe ich den Laser-Spezialisten für die Zukunft auf einem guten Weg – insbesondere dank des hohen Kundeninteresses am LIDE-System.

Bis sich der Erfolg der Dünnglas-Technologie in den Büchern niederschlägt, wird es allerdings noch dauern, denn die Massenproduktion ist erst ab 2023 geplant. Hinzu kommt: Kunden werden im Laufe des Jahres weiterhin von Materialengpässen betroffen sein und Investitionen verzögern.

Wer aktuell in LPKF-Aktien investiert ist, sollte also die bittere Pille der gestrichenen Dividende schlucken und dem Vorstand vertrauen. Die Geduld dürfte sich für Anleger in einigen Jahren auszahlen.

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