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Deutsche Industrie: Mehr Aufträge im Mai – kommt jetzt der Aufschwung?

Konjunktur erholt sich

Überraschend gute Zahlen aus der deutschen Industrie. Im Mai sind die Aufträge um 1,9 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen, wie das Statistische Bundesamt heute meldete. Ökonomen, die Reuters zuvor befragt hatte, rechneten lediglich mit einem Plus von 1,5 Prozent. Im April lag das Minus noch bei revidierten -3,2 Prozent.

Riesige Sprünge im sonstigen Fahrzeugbau

Der eigentliche Treiber hinter den Zahlen ist der sonstige Fahrzeugbau, also Flugzeuge, Schiffe, Züge und Militärfahrzeuge. Dort schossen die Bestellungen um 85,0 Prozent nach oben, angetrieben von mehreren Großaufträgen. Staatsinvestitionen in Infrastruktur und Rüstung spielten dabei eine wesentliche Rolle. Klammert man Großaufträge heraus, lag das Gesamtwachstum nur noch bei 1,0 Prozent. Ein deutlicher Unterschied.

Auch der Maschinenbau legte um 3,7 Prozent zu, elektrische Ausrüstungen sogar um 5,7 Prozent. Dagegen meldete die Automobilindustrie ein Minus von 3,8 Prozent, Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten und optischen Erzeugnissen sogar ein Minus von 7,8 Prozent.

Ausland zieht an, Dreimonatsschnitt bleibt schwach

Die Auslandsaufträge wuchsen insgesamt um 2,2 Prozent. Aus der Euro-Zone kamen sogar 11,2 Prozent mehr Bestellungen, während das übrige Ausland 3,2 Prozent weniger bestellte. Im Inland betrug das Plus 1,3 Prozent. Über drei Monate betrachtet, also von März bis Mai, lagen die Aufträge aber noch 0,2 Prozent unter dem vorherigen Dreimonatszeitraum. Der Zick-Zack-Kurs hält also an, wie ABN-Amro-Chefvolkswirt Alexander Krüger treffend kommentierte. Schwierige Standortbedingungen und Planungsunsicherheiten trüben den Ausblick. Der Nahost-Krieg sowie hohe Energie- und Gaspreise hatten die Nachfrage zuletzt stark belastet.

Das Ifo-Institut stellte im Juni zwar eine verbesserte Stimmung im verarbeitenden Gewerbe fest, allerdings gingen laut Ifo-Präsident Clemens Fuest die Neuaufträge erneut zurück.

Was bedeutet das für die Börse

Für den deutschen Industriesektor sind die Zahlen ein vorsichtiges positives Signal, aber kein Grund zur Euphorie. Aktien aus dem Rüstungs- und Aerospace-Bereich, etwa Rheinmetall oder MTU Aero Engines, könnten vom außergewöhnlich starken Anstieg im sonstigen Fahrzeugbau profitieren. Maschinenbaukonzerne wie Siemens oder KION dürften die soliden Zuwächse in ihrem Segment ebenfalls positiv aufnehmen. Automobilwerte hingegen stehen weiter unter Druck. Der insgesamt fragile Trend mahnt Anleger zur Vorsicht, denn der Dreimonatsvergleich zeigt, dass von einer nachhaltigen Erholung noch keine Rede sein kann.

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