KNDS-IPO: Wackelt der Börsengang plötzlich?
Streit um die Bewertung
Zuletzt strebte KNDS eine IPO-Bewertung zwischen 12 und 15 Milliarden € an. Dieser Wert liegt bereits deutlich unter den ursprünglich von Banken erhofften 18 bis 20 Milliarden €.
Doch nun scheint selbst dieser geringere Wert in Gefahr zu sein. Medienberichten zufolge sträuben sich institutionelle Anleger, diese IPO-Bewertung mitzutragen.
Das ist insofern kritisch, als dass es beim KNDS-Börsengang kein öffentliches Angebot für Privatanleger geben wird. Der Börsengang wird ausschließlich als Privatplatzierung für institutionelle Großinvestoren durchgeführt. Zudem fließen durch den IPO keine frischen Gelder in das Unternehmen selbst – es handelt sich um einen reinen Verkauf von Anteilen der Altaktionäre.
Die deutsche Eigentümerfamilie Wegmann hat offenbar hinter den Kulissen klargestellt, dass sie keine Bewertung unter 12,5 Milliarden € akzeptieren wird. Sie ist bereit, in diesem Fall den Börsengang zu verschieben oder sogar abzublasen. Ob das IPO im Juli also tatsächlich noch über die Bühne geht, entscheidet sich in den finalen Investorengesprächen in der nächsten Woche.
Das Pikante an der ganzen Angelegenheit ist, dass die Bundesrepublik Deutschland zuletzt einen wesentlich höheren Preis für die Übernahme von KNDS-Anteilen in Aussicht gestellt hat. Erst Ende letzter Woche gab der Haushaltsausschuss des Bundestags grünes Licht für den Kauf eines 40%-Anteils von der Familie Wegmann für bis zu 7,2 Milliarden €. Das würde einer maximalen Unternehmensbewertung von 18 Milliarden € entsprechen.
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Das sollten IPO-Interessenten wissen
Man darf gespannt sein, auf welche Bewertung sich die Eigentümer und die Investoren in den kommenden Tagen einigen werden. Eine Verschiebung oder gar Absage des Börsengangs von KNDS halte ich für fast ausgeschlossen. Das wirtschaftspolitische Signal wäre fatal.
Wer damit liebäugelt, beim IPO des deutsch-französischen Rüstungskonzerns dabei zu sein, sollte unbedingt zwei Dinge im Auge behalten:
Erstens: Die KNDS-Aktien werden Papiere ohne Mitspracherechte sein. Das Kontrollgefüge zwischen Berlin und Paris ist eisern. Beide Staaten halten wechselseitige Vetorechte. Kein Land darf seinen Anteil in den nächsten zehn Jahren unter 30% senken. Wichtige strategische Entscheidungen im Aufsichtsrat erfordern zwingend die Zustimmung beider Staatsdelegationen.
Das macht KNDS zu einem hochpolitischen Konzern, bei dem die Politik immer die Oberhand gegenüber der Wirtschaft haben wird. Das halte ich immer für einen fundamentalen Nachteil bei einem Unternehmen.
Zweitens: Das Marktsentiment für Rüstungsaktien hat sich zuletzt spürbar abgekühlt. Zwar pumpen die europäischen NATO-Staaten immer noch Rekordbeträge in den Ausbau und die Modernisierung ihrer Streitkräfte. Aber offenbar traut die Börse dem Braten nicht mehr.
Sollte der Konflikt im Nahen Osten zwischen dem Iran und den USA sowie Israel beigelegt werden und der Ukraine-Kriege irgendwann ein Ende finden, dürften Europas Regierungen stark unter Druck geraten, ihre Rüstungsbudgets zu kürzen. Der Widerstand in den Bevölkerungen vieler Länder wird angesichts knapper Kassen und Kürzungen in fast allen Bereichen wachsen.
Operativ steht KNDS hervorragend da. Der Rüstungskonzern sitzt auf einem Rekordauftragsbestand von über 33 Milliarden € und peilt für das laufende Jahr ein sattes Umsatzwachstum von 30% an.
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ℹ️ KNDS in Kürze
- KNDS gehört zu den führenden europäischen Herstellern von Landverteidigungssystemen. Zu den bekanntesten Produkten zählen der Kampfpanzer Leopard 2 sowie die Panzerhaubitze 2000.
Darüber hinaus entwickelt und produziert das Unternehmen gepanzerte Fahrzeuge, Mannschaftstransporter, militärische Brückensysteme, Robotiklösungen und Munition. - KNDS entstand 2015 durch die Fusion des deutschen Rüstungskonzerns Krauss-Maffei Wegmann mit dem französischen Staatsunternehmen Nexter.
- Der rechtliche Sitz befindet sich in Amsterdam, die operative Zentrale liegt in München. Weltweit ist der Konzern mit 34 Standorten vertreten.
- Die Aktie soll nach aktuellem Stand sowohl in Paris als auch in Frankfurt notiert werden. Der Unternehmenswert wird von Marktbeobachtern derzeit auf rund 15 bis 18 Milliarden € geschätzt.
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Fazit
Ob eine Teilnahme am IPO allerdings empfehlenswert ist, hängt in erster Linie von der Bewertung und in zweiter Linie von der weiteren Stimmungslage der Börse in Bezug auf die Rüstungsbranche ab. Die KNDS-Aktie könnte sich zu einer sehr spannenden Alternative zu Rheinmetall entwickeln. Sharedeals wird am Ball bleiben.