Jungheinrich-Aktie: Schnäppchen machen oder Finger weg?

Am 3-Jahrestief

Die Jungheinrich-Aktie crashte am Freitag um -14% und sackte fast auf ihr 3-Jahrestief bei 24 € ab. Ist der Hersteller von Gabelstaplern und Lagertechnik auf diesem Niveau ein Schnäppchen oder sollten Anleger besser die Finger von der Aktie lassen?

Jungheinrich
stock.adobe.com/Björn Wylezich

Massive Probleme im ersten Quartal

Der Kurssturz der Jungheinrich-Aktie zum Wochenschluss kam aus heiterem Himmel. Das Unternehmen überraschte die Börse mit der Veröffentlichung vorläufiger Zahlen für das erste Quartal — und diese lesen sich überhaupt nicht gut.

Jungheinrich berichtete einen massiven Rückgang des operativen Ergebnisses in den ersten drei Monaten des Jahres. Der EBIT halbierte sich im Auftaktquartal 2026 gegenüber dem Vorjahr auf nur noch 56,5 Millionen €. Die EBIT-Marge sank demnach von 8,0% im Vorjahr auf 4,4%.

Zwei Faktoren belasteten das Ergebnis besonders: Zum einen der im Februar abgeschlossene Verkauf der russischen Tochtergesellschaft. Die Entkonsolidierung der Tochter kostete Jungheinrich rund 20 Millionen €. Zum anderen war es ein Streik am Produktionsstandort Lüneburg, der zu erheblichen Produktionsstörungen und Mehrkosten führte.

Bleibe auf dem Laufenden über die neuesten Entwicklungen in der Logistikbranche und abonniere gleich hier unseren kostenlosen SD Insider Newsletter!

Aber auch positive Nachrichten

Positiv zu vermerken ist jedoch, dass trotz aller Probleme im ersten Quartal der Umsatz von Jungheinrich nur minimal von 1,30 auf 1,27 Milliarden € zurückging. Auch der Auftragseingang entwickelte sich gut. Er stieg von 1,40 auf 1,50 Milliarden €. Die zusätzlichen Order sind aber wahrscheinlich auf vorgezogene Bestellungen von Kunden wegen angekündigter Preiserhöhungen zurückzuführen.

Ebenso positiv: Das Jungheinrich-Management bestätigte die Jahresprognose. Die operative Marge soll 2026 zwischen 7,2 und 8,0% liegen.

Hält das 3-Jahrestief?

Bei der Jungheinrich-Aktie herrscht aktuell charttechnische Hochspannung. Der Kurs kämpft mit dem 3-Jahrestief bei 24 €. Zum Wochenbeginn kann sich die Aktie am Montagmorgen leicht erholen und steigt über 25 €. Ob der Support tatsächlich hält, wird sich aber erst in den kommenden Tagen zeigen.

Immer noch nicht günstig genug

Die Jungheinrich-Aktie mag auf den ersten Blick günstig erscheinen. Auf den zweiten Blick hat das allerdings einen guten Grund.

Der deutsche Hersteller von Flürförderzeug-, Lager- und Materialflusstechnik steht unter massivem Wettbewerbsdruck. Chinesische Hersteller dringen verstärkt in den europäischen Markt und sorgen für spürbar mehr Wettbewerb, vor allem im Einstiegssegment. Das belastet die Margen von Jungheinrich spürbar. Ich bin deshalb skeptisch, der das Unternehmen seine Jahresgewinnprognose halten kann.

Jungheinrich hat sowohl ein Wachstums- als auch ein Profitabilitätsproblem. Der Gabelstaplerhersteller kann seit 2023 nicht mehr wachsen. Gleichzeitig ist der operative Gewinn im vergangenen Jahr massiv eingebrochen. Die Fortsetzung des Gewinneinbruchs im ersten Quartal ist zwar primär außerordentlichen Effekten geschuldet, aber angesichts des Preisdrucks in der Branche dürfte es in den kommenden Quartalen nicht viel einfacher werden, die Margen wieder zu erhöhen.

Vor diesem Hintergrund ist mit ein Forward-KGV von 9 immer noch zu hoch. Ich glaube, dass das 3-Jahrestief der Jungheinrich-Aktie nicht halten wird. Anleger müssen sich meiner Meinung nach auf weitere Kursrückgänge einstellen.

Abschließend: Aktien, denen wir mehr zutrauen als Jungheinrich, findest Du in unserem kostenlosen Report Top-Picks 2026.

ℹ️ Jungheinrich in Kürze

  • Jungheinrich (WKN: 621993) zählt zu den international führenden Anbietern von Geräten in den Bereichen Flürförderzeug-, Lager- und Materialflusstechnik. Eines der Hauptprodukte sind Gabelstapler. Bei allen Unternehmen mit einem Lager sind diese Produkte und Systeme sehr wichtig. Das Unternehmen ist international auf Rang 3, und in Europa auf Rang 2.
  • Neben dem Hauptsitz in Hamburg ist der Konzern in rund 120 Ländern mit Niederlassungen oder Vertragspartnern vertreten.
  • Die Aktie ist im MDAX gelistet und wird aktuell mit knapp 1,2 Milliarden € bewertet.
Zugehörige Kategorien: Industrie-Aktien