IREN-Aktie: Vom Krypto-Miner zum KI-Champion?

Strom als Schlüsselressource

Mit der IREN-Aktie hatten wir zuletzt im Januar einen Volltreffer-Trade gefeiert. Das Unternehmen steht nun an einem strategisch entscheidenden Punkt. Während der Markt das Geschäft noch zwischen klassischem Bitcoin-Mining und moderner KI-Infrastruktur verortet, verdichten sich die Hinweise auf einen strukturellen Wandel mit erheblichen Wachstumsperspektiven.

stock.adobe.com/JovialFox

Geschäftszahlen bestätigen strategischen Umbau

Bereits in unseren letzten Artikeln wurde dargelegt, weshalb die kommenden Monate maßgeblich für die Kursentwicklung von IREN sein dürften und weshalb das Unternehmen zunehmend als Anbieter von KI-Infrastruktur bewertet werden sollte. Das Management hatte ein potenzielles Umsatzwachstum von mindestens neunzig Prozent in Aussicht gestellt.

Der jüngste Quartalsbericht untermauert diese Ambitionen. Die erwarteten wiederkehrenden Umsätze stiegen von 1,9 Milliarden US-Dollar im ersten Quartal 2026 auf 3,4 Milliarden US-Dollar im zweiten Quartal 2026. Damit nähert sich das Unternehmen seinem mittelfristigen Ziel deutlich schneller als zuvor angenommen.

Die entscheidende Frage lautet nun, ob der strategische Übergang vom Mining-Anbieter hin zu einem KI-Infrastrukturunternehmen effizient umgesetzt wird. Die starke Absicherung des Großauftrags mit Microsoft reduziert operative Risiken erheblich, während finanzielle Belastungen weiterhin bestehen. Bewertungsseitig bewegt sich IREN nach wie vor im Spannungsfeld zwischen Mining-Geschäft und Infrastruktur-Play.

Das Geschäftsmodell basiert weniger auf dem Verkauf reiner Rechenleistung als auf der Bereitstellung gesicherter KI-Kapazitäten. Vor diesem Hintergrund bleibt die Einstufung der Aktie positiv.

Mining bleibt Umsatzbasis, KI wächst dynamisch

Im zweiten Geschäftsquartal 2026 generierte das Bitcoin-Mining-Geschäft Umsätze in Höhe von 167 Millionen US-Dollar, was einem Anstieg von 47,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die KI-Services erreichten rund 17,3 Millionen US-Dollar und wuchsen damit um beeindruckende 550 Prozent im Jahresvergleich.

Die Bruttomarge im Mining lag bei 62 Prozent, während das KI-Geschäft eine Marge von 86 Prozent erzielte. Insgesamt betrug die Bruttomarge 64 Prozent, nach 72 Prozent im Vorjahresquartal. Hauptursache für den Rückgang war der niedrigere Bitcoin-Preis.

Trotz der starken operativen Entwicklung bleibt die Profitabilität volatil. Höhere Verwaltungs- und Vertriebskosten, gestiegene Abschreibungen sowie einmalige Aufwendungen im Zusammenhang mit der Schuldenumwandlung führten zu einer negativen Nettomarge von 19 Prozent. Positiv hervorzuheben ist hingegen die Entwicklung der EBITDA-Marge, die von 41 Prozent im Vorjahresquartal auf 59 Prozent anstieg.

Investitionsoffensive erhöht finanzielle Sensitivität

Zum Ende des zweiten Quartals 2026 wies IREN eine Nettoverschuldung von 582 Millionen US-Dollar aus, nachdem im ersten Quartal 2026 noch eine Netto-Cash-Position bestand. Diese Entwicklung reflektiert die massiven Investitionen in KI-Infrastruktur. Die Investitionsausgaben beliefen sich auf 539,7 Millionen US-Dollar für Sachanlagen sowie auf 179,4 Millionen US-Dollar für Computerhardware.

Die Finanzlage bleibt damit äußerst sensibel. Anhaltend negative freie Cashflows sowie Schwankungen bei operativem Ergebnis und Nettogewinn erhöhen den Finanzierungsbedarf. Investoren sollten dieses Risiko bei einer Positionsaufnahme berücksichtigen.

Finanzierung nahezu vollständig gesichert

Ein zentrales Risiko betraf bislang die Kapitalbeschaffung. Hier meldet das Unternehmen substanzielle Fortschritte. Rund 95 Prozent der für das 9,7 Milliarden US-Dollar schwere KI-Projekt mit Microsoft erforderlichen Mittel sind abgesichert.

Die Finanzierung setzt sich aus Vorabzahlungen von Microsoft in Höhe von 1,9 Milliarden US-Dollar sowie aus 3,6 Milliarden US-Dollar an zugesagten Bankkrediten zusammen, die zu Zinssätzen von unter sechs Prozent bereitgestellt werden. Daraus ergibt sich unter Einbeziehung der Vorabzahlungen ein durchschnittlicher Zinssatz von etwa drei Prozent. Die Kreditfazilitäten wurden unter anderem von Goldman Sachs und JPMorgan strukturiert und sind durch die zugrunde liegenden GPUs sowie die vertraglich gesicherten Cashflows aus dem Microsoft-Auftrag besichert.

Diese Struktur stärkt das Kreditprofil erheblich und reduziert das Ausführungsrisiko deutlich.

Gesicherte Kapazitäten als strategischer Vorteil

Neben dem Kapital bildet die verfügbare Kapazität die zweite tragende Säule der Strategie. IREN verfügt über mehr als 4,5 Gigawatt vollständig gesicherter Kapazität. Dazu zählen gesicherte Grundstücke, Netzanschlüsse, Hardware-Komponenten und sämtliche infrastrukturellen Voraussetzungen für den Bau und Betrieb von Rechenzentren.

Besondere Bedeutung kommt luftgekühlten Systemen zu. Diese ermöglichen eine schnellere Implementierung bei vergleichsweise geringem zusätzlichem Kapitaleinsatz. Am Standort Prince George sind die Rechenzentrumsanpassungen für NVIDIA-B200- und B300-GPUs bereits abgeschlossen. Die bestehende luftgekühlte Infrastruktur mit 810 Megawatt operativer Leistung verschafft dem Unternehmen einen erheblichen Zeitvorteil.

Allerdings spiegelt das Umsatzziel von 3,4 Milliarden US-Dollar lediglich eine Auslastung von rund zehn Prozent der gesicherten Kapazität wider. Das unterstreicht das Wachstumspotenzial, birgt jedoch das Risiko, dass nicht sämtliche Kapazitäten vertraglich gebunden werden können. Eine Abschwächung des KI-Marktes würde angesichts des kapitalintensiven Geschäftsmodells direkte Auswirkungen haben.

Strom als Engpassfaktor im KI-Markt

Ein struktureller Engpass bleibt die Energieversorgung. In der Branche gilt verfügbare Stromkapazität als limitierender Faktor für weiteres Wachstum. Analysten erwarten in den kommenden Jahren einen deutlichen Anstieg des Energiebedarfs von Rechenzentren.

Vertikal integrierte Lösungen, gesicherte Stromkapazitäten und schnelle Implementierungsfähigkeit stärken die Wettbewerbsposition von IREN. Das Unternehmen befindet sich zudem in fortgeschrittenen Verhandlungen mit weiteren Hyperscalern und großen KI-Unternehmen. Die Kombination aus gesicherter Leistung und beschleunigter Markteinführung verschafft Preissetzungsspielraum.

Derzeit sind 2,3 Milliarden US-Dollar an wiederkehrenden Umsätzen vertraglich fixiert. Das Ziel von 3,4 Milliarden US-Dollar im Kalenderjahr 2026 erscheint vor diesem Hintergrund realistisch. Die zuvor skizzierte Umsatzsteigerung von mindestens neunzig Prozent bleibt damit im Rahmen der Unternehmensprognosen plausibel.

Bewertung zwischen Substanz und Zukunftsfantasie

Bewertungskennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis und Verhältnis von Unternehmenswert zu Umsatz deuten im Branchenvergleich auf eine ambitionierte Bewertung hin. Gleichzeitig sprechen die erwarteten Wachstumsraten für eine attraktive Forward-Umsatzbewertung.

Der Markt scheint die Nachricht über den Microsoft-Vertrag bereits weitgehend eingepreist zu haben. Dennoch reflektiert der aktuelle Kurs nicht vollständig das reduzierte Ausführungsrisiko und die strategische Positionierung als Anbieter gesicherter KI-Kapazitäten mit schlüsselfertigen Lösungen.

Finanzielle Risiken sowie ein verbleibendes, wenn auch reduziertes Umsetzungsrisiko bleiben bestehen. Angesichts der konsequent umgesetzten Strategie entlang der Dimensionen Kapital, Kapazität und Kundenbasis überwiegen jedoch die Chancen. Die Aktie eignet sich vor allem für risikobereite Anleger und sollte innerhalb eines Portfolios entsprechend gewichtet werden.

Tipp: Melde Dich für unseren kostenlosen SD Insider Newsletter an, um keine spannenden Entwicklungen und außergewöhnlichen Chancen zu verpassen!

ℹ️ IREN in Kürze

  • IREN (ehemals Iris Energy) (WKN: 591767) ist ein australisches Technologieunternehmen mit Sitz in Sydney.
  • Das Unternehmen betreibt KI-Rechenzentren mit erneuerbarer Energie und ist zudem im Bereich des Bitcoin-Minings aktiv.
  • Die Rechenzentren von IREN befinden sich in Kanada und den USA.
  • IREN notiert an der US-Technologiebörse Nasdaq und ist aktuell ca. 13,3 Milliarden US$ wert.
Zugehörige Kategorien: Krypto News Tech-Aktien