Infineon-Aktie: Besitzt sie noch weitere Kursfantasie?

Nach den Zahlen

Die Infineon-Aktie reagiert auf die Zahlenvorlage sehr volatil. Nach anfänglichen Gewinnen rutscht der DAX-Titel ins Minus und handelt zur Stunde -1,14% tiefer bei 40,61 €. Was ist von den Ergebnissen zu halten und wie sollten sich Anleger nun verhalten?

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Erwartungen leicht übertroffen

Um es vorwegzunehmen: Das Unternehmen hat die Erwartungen leicht übertroffen und profitierte dabei vom anhaltenden KI-Boom. Konkret meldete der größte deutsche Halbleiterhersteller für das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres ein Umsatzwachstum von 7% auf 3,662 Milliarden €. Analysten hatten im Vorfeld mit 3,63 Milliarden € gerechnet.

Der Gewinn je Aktie legte auf GAAP-Basis leicht auf 0,19 € zu, der bereinigte Gewinn betrug 0,35 € pro Aktie. Im Jahresvergleich entsprach dies einem Plus von 6%, die Markterwartungen lagen zuvor bei 0,335 €.

Die von Anlegern so viel beachtete Segmentergebnis-Marge lag bei 17,9%. Im Jahresvergleich bedeutete dies eine leichte Verbesserung um 0,6 Prozentpunkte, während sich gegenüber dem starken Vorquartal (21,2%) ein deutlicher Rückgang  zeigte. Infineon begründete dies mit einem weiteren herausfordernden Umfeld in den Bereichen Automotive und Industrial sowie mit saisonalen Effekten.

Eine deutliche Verbesserung gab es dagegen bei der bereinigten Bruttomarge, die zum Vorquartal von 40,7 auf 43,0% anstieg, was ein starkes Signal für die operative Effizienz ist.

KI-Geschäft als Wachstumsmotor

Klarer Wachstumstreiber bleibt der KI-Boom und die damit verbundene Nachfrage nach Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren. CEO Jochen Hanebeck bezeichnete dies als starken Rückenwind in einem ansonsten eher verhaltenen Marktumfeld.

Vor diesem Hintergrund kündigte der Konzern an seine Investitionen im KI-Geschäft um rund 500 Millionen € auszuweiten.

Gleichzeitig wurde die Prognose für das laufende Geschäftsjahr bekräftigt. Sie sieht ein moderates Umsatzwachstum vor. Im zweiten Quartal rechnet Infineon mit Erlösen von rund 3,8 Milliarden €.

Analysten von Warburg Research reagierten positiv auf das Zahlenwerk und bekräftigen ihre Kaufempfehlung für die Aktie mit einem Kursziel von 42 €. Frische Kaufempfehlungen gibt es darüber hinaus von Barclays und Jefferies, sie sehen den fairen Wert bei 44 bzw. 52 €.

Das Rekordhoch wird verkauft

Die Aktie hatte Mitte letzter Woche den Sprung auf ein neues Rekordhoch geschafft und damit ein starkes Kaufsignal generiert. Dennoch wird dieser Anstieg nun erst einmal verkauft im Sinne von „Sell the News“. Auf der Unterseite stellen die 50-Tage-Linie (SMA50) bei 38,515 € und die überwundene Abwärtstrendlinie im Bereich 37,80 € wichtige Unterstützungen dar, die nicht unterschritten werden sollten.

Jetzt bei Infineon einsteigen?

Infineon hat durchaus solide Zahlen vorgelegt und seine Prognosen bekräftigt. Allerdings kann der KI-Boom nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in anderen Bereichen wie dem Automobilsektor – dem wichtigsten Standbein des Konzerns – weiterhin nicht rundläuft. Dazu kommt, dass die Aktie mit einem Forward-KGV von 33 nicht wirklich günstig bewertet ist und die Analysten-Kursziele nur noch wenig Upside bieten.

Daher drängt sich ein Einstieg meiner Meinung nach aktuell nicht unbedingt auf. Möglicherweise sollten Anleger auf einen günstigeren Einstiegspunkt warten. Für langfristige Anleger bleibt der deutsche Chipriese aber durchaus einen Blick wert – vor allem dann, wenn die Elektromobilität nach der Konjunkturdelle wieder Fahrt aufnehmen kann.

Im Übrigen: Wer nach den besten KI-Investments Ausschau hält, findet in unserem Report „KI-Gewinner 2026“ eine Auswahl an Aktien mit dem Potenzial für überdurchschnittliche Renditen.

ℹ️ Infineon in Kürze

  • Infineon (WKN: 623100) gehört zu den führenden internationalen Herstellern von Halbleitern. Die Schwerpunkte dabei liegt bei der Energieeffizienz, der Mobilität sowie der Sicherheit. Die Chips von Infineon finden sich in fast allen Geräten des modernen Lebens.
  • Hauptsitz des Unternehmens ist in Neubiberg bei München, daneben unterhält der Konzern weltweit Niederlassungen.
  • Die im DAX gelistete Aktie wird aktuell mit 53 Milliarden € bewertet.
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