Halozyme Therapeutics: Die bessere Evotec?
Halozyme Therapeutics ist den meisten Anlegern hierzulande vermutlich durch den Übernahmeversuch Evotecs vorletztes Jahr bekannt. Eine Akquisition zu 11 € je Aktie scheiterte jedoch, da die Deutschen das Angebot für zu niedrig erachtet. Seitdem lief die Halozyme-Aktie 50% nach oben, während das Evotec-Papier die andere Richtung einschlug. Fakt ist: Halozyme hält an seiner Übernahmestrategie fest und schlägt andernorts konsequent zu. Ist die Aktie die bessere Evotec?
Ein Biotech-Unternehmen mit klarem Geschäftsmodell
Halozyme Therapeutics ist ein Biotechnologieunternehmen mit einer Marktkapitalisierung von rund 8,75 Milliarden US-Dollar. Der Schwerpunkt liegt auf Technologien zur subkutanen Verabreichung injizierbarer Biologika. Grundlage des Geschäfts ist ein patentiertes rekombinantes menschliches Hyaluronidase-Enzym, das die effiziente Verabreichung von monoklonalen Antikörpern und anderen therapeutischen Molekülen ermöglicht.
Kern der technologischen Plattform ist die firmeneigene ENHANZE-Technologie, die auf dem Enzym rHuPH20 basiert. Sie erlaubt eine schnelle subkutane Verabreichung großer Wirkstoffmengen und reduziert den Behandlungsaufwand für Patienten. Halozyme vergibt Lizenzen für diese Technologie an Pharma- und Biotechnologieunternehmen und kombiniert sie mit den jeweiligen Partnerprodukten.
Darüber hinaus entwickelt das Unternehmen eigene sowie gemeinsam mit Partnern konzipierte Arzneimittel-Geräte-Kombinationen, die auf modernen Autoinjektor-Technologien beruhen. Ziel ist eine höhere Anwenderfreundlichkeit, bessere Verträglichkeit und eine gesteigerte Therapietreue.
Am Markt verfügt Halozyme über zwei von der US-Arzneimittelbehörde zugelassene Produkte. Hylenex erleichtert die subkutane Injektion von Arzneimitteln durch verbesserte Verteilung und Aufnahme im Gewebe. XYOSTED dient der subkutanen Testosteronersatztherapie. Ergänzt wird das Portfolio durch zahlreiche zugelassene Partnerprodukte, die auf der ENHANZE-Technologie basieren.
Strategische Zukäufe stärken die Perspektiven
Die Telefonkonferenz zu den Verkaufs- und Handelszahlen des vierten Quartals 2025 lieferte wichtige Hinweise zur weiteren Entwicklung. In diesem Zeitraum tätigte Halozyme zwei Übernahmen. Im November wurde Elektrofi übernommen, im Dezember folgte Surf Bio. Beide Unternehmen verfügen über innovative Technologien zur langwirksamen subkutanen Wirkstoffverabreichung.
Elektrofi bringt das Hypercon-System ein, das auf einer Mikropartikel-Suspensionstechnologie basiert. Diese ermöglicht hochkonzentrierte Formulierungen nahezu aller Proteintherapeutika und überwindet Volumen- und Formulierungsgrenzen herkömmlicher intravenöser Biologika. Mit Konzentrationen von bis zu 500 Milligramm pro Milliliter lassen sich deutlich höhere Dosierungen als bei Standardformulierungen erreichen. Der Patentschutz reicht bis in die Mitte der 2040er Jahre.
Surf Bio ergänzt das Portfolio mit der SnapShot-Technologie, die Antikörperkonzentrationen von über 600 Milligramm pro Milliliter erlaubt und Dosierungen von mehr als 1.000 Milligramm in einer einzigen Autoinjektor-Anwendung ermöglicht. Auch hier ist der Schutz des geistigen Eigentums bis in die 2040er Jahre gesichert.
Diese Übernahmen gewinnen besondere Bedeutung vor dem Hintergrund, dass das zentrale ENHANZE-Patent im September 2027 ausläuft. Hypercon und SnapShot sollen die Umsatzbasis im Bereich der Wirkstoffverabreichung langfristig absichern.
Parallel dazu wurden im November und Dezember 2025 drei neue ENHANZE-Kooperationsverträge abgeschlossen. Damit bestätigt sich die Rolle der Technologie als Industriestandard für großvolumige und schnelle subkutane Injektionen. Zugleich erweitern sich die Anwendungsfelder über die Onkologie hinaus auf Indikationen wie Adipositas und entzündliche Darmerkrankungen.
Zusätzlichen Rückenwind bringt die Zulassung der subkutanen Verabreichung des Medikaments Rybrevant von Johnson & Johnson zur Behandlung von fortgeschrittenem oder metastasiertem nicht kleinzelligem Lungenkrebs im Dezember 2025.
Umsatz- und Gewinnprognosen mit deutlicher Dynamik
Halozyme rechnet damit, die eigenen Prognosen für das Geschäftsjahr 2025 zu übertreffen. Die Zahlen für das vierte Quartal werden Mitte Februar 2026 veröffentlicht. Erwartet wird nun ein Jahresumsatz zwischen 1,385 und 1,4 Milliarden US-Dollar, nach zuvor avisierten 1,3 bis 1,375 Milliarden. Das entspricht einem Wachstum von 36 bis 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Haupttreiber bleibt das Lizenzgeschäft. Die Lizenzerlöse sollen 2025 auf 865 bis 870 Millionen US-Dollar steigen und damit um mehr als die Hälfte zulegen. Für 2026 wird erstmals ein Überschreiten der Marke von einer Milliarde US-Dollar erwartet.
Langfristig plant das Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von über zwei Milliarden US-Dollar im Jahr 2028. Die Lizenzerlöse sollen dann zwischen 1,46 und 1,51 Milliarden US-Dollar liegen, was einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 26 bis 28 Prozent entspricht. Diese Perspektiven gelten als wichtiger Kurstreiber.
Bewertung mit Abschlag zum Sektor
Trotz der Wachstumsraten erscheint die Aktie moderat bewertet. Auf Basis der für 2026 erwarteten Gewinne ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 8,7, deutlich unter dem Branchendurchschnitt. Auch das Verhältnis von Unternehmenswert zu operativem Ergebnis liegt unter dem Sektormedian.
Die Gewinnschätzungen deuten auf einen Zuwachs von rund 27 Prozent im Jahr 2026 hin, gestützt durch entsprechende Umsatzsteigerungen. In den vergangenen Monaten haben Analysten ihre Prognosen mehrfach nach oben angepasst, was auf zunehmendes Vertrauen in die Ertragsdynamik hindeutet.
Charttechnisch in einer Konsolidierungsphase
Der langfristige Kursverlauf zeigt trotz zwischenzeitlicher Schwankungen einen übergeordneten Aufwärtstrend. Nach dem Erreichen eines Jahreshochs im September 2025 befindet sich die Aktie in einer Seitwärtsphase. Technische Indikatoren signalisieren ein ausgeglichenes Bild mit weiterhin positiver Grundtendenz.
Die Veröffentlichung der Quartalszahlen im Februar 2026 gilt als nächster Impulsgeber. Der Markt rechnet mit einem Quartalsumsatz von rund 447 Millionen US-Dollar sowie einem bereinigten Gewinn je Aktie von 2,14 US-Dollar. Ein Erreichen oder Übertreffen dieser Erwartungen könnte neue Kursimpulse auslösen.
Herausforderungen und Unsicherheiten
Zu den Risiken zählen steigende Kosten im Gesundheitswesen, mögliche Änderungen bei Erstattungsregelungen sowie Preisdruck durch Kostenträger. Dies könnte sich indirekt auf die Lizenzumsätze auswirken, falls Partnerprodukte zu niedrigeren Preisen vermarktet werden.
Darüber hinaus bleibt das Unternehmen auf den Schutz seines geistigen Eigentums angewiesen. Rechtsstreitigkeiten oder der Verlust von Wettbewerbsvorteilen durch alternative Technologien könnten die Wachstumsdynamik beeinträchtigen.
Perspektiven über mehrere Jahre
Die anstehenden Geschäftszahlen dürften weitere Hinweise auf die operative Entwicklung liefern. Die jüngsten Übernahmen gelten als gezielte Vorbereitung auf das Auslaufen zentraler Patente und unterstreichen eine langfristig ausgerichtete Unternehmensstrategie. In Verbindung mit hohen Wachstumsraten und einer vergleichsweise günstigen Bewertung ergibt sich ein attraktives Gesamtbild für die weitere Kursentwicklung.
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