Goldpreis und Goldaktien: Die Prognosen bleiben bullisch
Der Goldpreis setzt nach dem historischen Überspringen der Marke von 5.000 US-Dollar neue Maßstäbe und das Interesse der Kapitalmärkte nimmt weiter zu. Die Dynamik am Rohstoffmarkt spiegelt sich zunehmend auch in der Bewertung von Unternehmen wider, die direkt oder indirekt von steigenden Edelmetallpreisen abhängig sind.
Gold befindet sich in einer beispiellosen Rallye. Nach mehr als 50 neuen Rekordständen im vergangenen Jahr ist der Preis für das Edelmetall inzwischen auf über 5.500 US-Dollar je Feinunze gestiegen. Seit September 2024 hat sich der Wert damit verdoppelt und eine Marke erreicht, die lange als unrealistisch galt.
Auch Silber hat seinen Ruf als günstige Alternative längst abgelegt. Der Preis sprang zuletzt über 117 US-Dollar je Feinunze und unterstreicht die Breite der Bewegung im Edelmetallsektor.
Optimistische Prognosen der Analysten
Der Blick nach vorn fällt entsprechend ambitioniert aus. Goldman Sachs hat sein Kursziel für Gold zum Jahresende auf 5.400 US-Dollar angehoben und verweist auf eine starke Nachfrage sowohl von institutionellen als auch von privaten Investoren. Eine aktuelle Umfrage der London Bullion Market Association geht sogar von möglichen Preisen bis zu 7.150 US-Dollar aus.
Bereits im Herbst wurde die Erwartung formuliert, dass Gold bis zum Ende der zweiten Amtszeit von Präsident Trump die Marke von 7.000 US-Dollar erreichen könnte. Diese Einschätzung bleibt angesichts der aktuellen Entwicklungen weiterhin bestehen.
Mehrere Kräfte treiben den Preisanstieg
Der kräftige Anstieg des Goldpreises ist das Ergebnis mehrerer gleichzeitig wirkender Faktoren. Geldpolitische, fiskalische und geopolitische Einflüsse treffen auf psychologische Effekte an den Märkten und verstärken sich gegenseitig.
Ein zentraler Treiber bleibt die ausufernde Staatsverschuldung. Die USA steuern in den kommenden Jahren auf neue Defizite in Billionenhöhe zu, während die Gesamtverschuldung bereits rund 125 Prozent der Wirtschaftsleistung erreicht. In einem solchen Umfeld sind deutlich höhere Zinsen kaum tragbar.
Die Notenbank in der Zwickmühle
Damit gerät die US-Notenbank zunehmend unter Druck. Zinserhöhungen würden das Risiko einer fiskalischen Krise erhöhen, Zinssenkungen hingegen könnten den US-Dollar weiter schwächen. Seit Beginn der zweiten Trump-Regierung hat die amerikanische Währung bereits rund zehn Prozent an Wert verloren.
Parallel dazu wächst das Misstrauen gegenüber Papierwährungen und Zentralbanken insgesamt. Besonders die Glaubwürdigkeit der Federal Reserve steht zunehmend zur Debatte.
Zweifel an der Unabhängigkeit der US-Notenbank
Ein oft unterschätzter Faktor für den Goldpreisanstieg ist die Sorge um die politische Unabhängigkeit der Federal Reserve. Präsident Trump hat seinen Unmut über Notenbankchef Jerome Powell wiederholt öffentlich gemacht. In diesem Jahr hat sich der Konflikt weiter zugespitzt.
Erstmals richtete das Justizministerium eine strafrechtliche Vorladung gegen die Notenbank, die sich auf mutmaßliche Kostenüberschreitungen bei Bauprojekten bezieht. Powell reagierte mit einer ungewöhnlichen Videobotschaft und warnte davor, dass die Ermittlungen als Vorwand für politischen Druck auf die Zinspolitik dienen könnten.
Die Unabhängigkeit der Geldpolitik gilt als Grundpfeiler wirtschaftlicher Stabilität. Wird sie infrage gestellt, reagieren die Finanzmärkte sensibel, wie derzeit zu beobachten ist.
Ein warnendes Beispiel aus der Türkei
Wohin politische Einflussnahme auf Zentralbanken führen kann, zeigt das Beispiel der Türkei. Präsident Recep Erdoğan schwächte über Jahre hinweg systematisch die Unabhängigkeit der Notenbank, entließ kritische Gouverneure und ersetzte sie durch loyale Gefolgsleute.
Die Folge war eine Inflationsrate von zeitweise über 80 Prozent, ein massiver Verfall der Lira und erhebliche wirtschaftliche Verwerfungen. Erst nach erheblichen Schäden wurde der Kurs geändert und die Zinsen drastisch angehoben.
In einem Land mit traditionell hoher Goldaffinität reagierten viele private Anleger mit verstärkten Goldkäufen. Als der Goldpreis im Oktober die Marke von 4.000 US-Dollar überschritt, schätzte die Zentralbank den Wert der privaten Goldbestände auf rund 500 Milliarden US-Dollar.
Schwindendes Vertrauen in den US-Dollar
Die Entwicklung beschränkt sich längst nicht auf einzelne Länder oder private Investoren. Zentralbanken von China bis zur Schweiz erhöhen kontinuierlich ihre Goldreserven und reduzieren gleichzeitig ihre Bestände an US-Staatsanleihen sowie Dollarpositionen.
Diese Umschichtung ist Teil einer breiteren Strategie zur Absicherung gegen die schleichende Entwertung von Papierwährungen. Gold hat US-Staatsanleihen inzwischen als Anteil an den weltweiten Währungsreserven überholt.
Goldaktien mit weiterem Potenzial
Für Anleger, die vom Goldpreis profitieren möchten, ohne physisches Metall zu lagern, bleiben Goldminenaktien eine naheliegende Alternative. Diese Titel reagieren häufig zwei- bis dreimal so stark auf Preisbewegungen des Goldes, sowohl nach oben als auch nach unten.
Im aktuellen Zyklus präsentiert sich die Branche jedoch deutlich robuster als in früheren Haussephasen. Viele Unternehmen haben ihre Bilanzen gestärkt, Schulden abgebaut und den Fokus auf Ausschüttungen gelegt.
Zusätzliche Aufmerksamkeit verdienen Lizenz- und Streaminggesellschaften wie Wheaton Precious Metals, Franco-Nevada und OR Royalties. Diese Geschäftsmodelle sind weniger operativen Risiken ausgesetzt und profitieren dennoch von steigenden Fördermengen und Preisen. OR Royalties meldete zuletzt ein Gewinnwachstum von 100 Prozent, weitere Steigerungen werden erwartet.
Ein langfristiger Trend bleibt intakt
Anleger, die wie die Mitglieder des außergewöhnlich erfolgreichen Rohstoff Anleger Club frühzeitig auf Gold oder Goldaktien gesetzt haben, liegen bislang richtig. Für Neueinsteiger erscheint es riskant, auf noch höhere Preisniveaus zu warten, bevor Engagements aufgebaut werden.
Die Welt erlebt einen tiefgreifenden geldpolitischen Umbruch. Risse im bestehenden Währungssystem werden sichtbar, die Verschuldung wächst weiter und staatliche Eingriffe nehmen zu. Vor diesem Hintergrund erscheint ein Goldpreis von 7.000 US-Dollar nicht als Fantasie, sondern als plausible Entwicklung in einem Umfeld schwindenden Vertrauens.
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