Gilead Sciences auf Einkaufstour: Wer folgt als Nächstes?
Gilead Sciences lässt seinen Worten Taten folgen: Mit einer ersten Multi-Milliarden-Übernahme im laufenden Jahr stärkt der Pharmakonzern seine Pipeline. Weiterhin ausstehend: eine bedeutende Transaktion im Kernsegment Virologie.
Der US-Pharmariese Gilead Sciences baut seine Position im wachstumsstarken Markt für Zelltherapien deutlich aus und übernimmt den Krebsmedikamentenentwickler Arcellx in einem milliardenschweren Deal. Wie beide Unternehmen am Montag bekanntgaben, hat Gilead eine endgültige Vereinbarung zur vollständigen Übernahme des Biotechnologieunternehmens geschlossen. Die Transaktion bewertet Arcellx mit einem impliziten Eigenkapitalwert von rund 7,8 Milliarden US-Dollar und zählt damit zu den größten Übernahmen im Onkologiesektor der vergangenen Jahre.
Arcellx-Aktie +80%
Im Rahmen der Vereinbarung sollen Aktionäre von Arcellx 115 US-Dollar je Aktie in bar erhalten. Zusätzlich ist eine erfolgsabhängige Zahlung von weiteren fünf US-Dollar pro Aktie vorgesehen, sofern ein gemeinsam entwickeltes Krebsmedikament bestimmte Umsatzziele erreicht. Der Angebotspreis entspricht einer deutlichen Prämie auf den vorherigen Börsenkurs des Unternehmens und ließ die Aktie von Arcellx im vorbörslichen Handel sprunghaft ansteigen, während Gileads Anteilsschein zunächst leicht nachgab.
Gewinnbeitrag ab 2028 erwartet
Strategischer Kern der Übernahme ist die experimentelle CAR-T-Zelltherapie „anito-cel“, die zur Behandlung des Multiplen Myeloms entwickelt wird, einer bislang schwer behandelbaren Form von Blutkrebs. Beide Unternehmen arbeiten bereits seit mehreren Jahren an dem Wirkstoff zusammen, unter anderem über Gileads Zelltherapie-Tochter Kite Pharma. Mit der vollständigen Integration von Arcellx sichert sich Gilead nun die vollständige Kontrolle über Entwicklung, Produktion und Vermarktung des Präparats.
Die Therapie befindet sich derzeit im regulatorischen Prüfverfahren in den USA. Eine Entscheidung der zuständigen Arzneimittelbehörde wird gegen Ende des Jahres erwartet. Sollte eine Zulassung erfolgen, rechnen Analysten damit, dass das Medikament zu einem wichtigen Wachstumstreiber für Gileads Onkologiesparte werden könnte. Das Unternehmen geht davon aus, dass sich die Übernahme ab 2028 positiv auf den Gewinn auswirken dürfte.
Gilead muss Pipeline stärken
Für Gilead markiert der Schritt einen weiteren Versuch, seine Abhängigkeit von seinem etablierten, aber angestaubten Virologie-Geschäft zu reduzieren und unter anderem auf innovative Krebstherapien zu setzen. Zelltherapien gelten als einer der dynamischsten Bereiche der modernen Onkologie, sind jedoch zugleich mit hohen Entwicklungs- und Produktionskosten verbunden. Durch die Übernahme will der Konzern Synergien nutzen und die Kommerzialisierung neuer Behandlungsmethoden beschleunigen.
Arcellx wiederum erhält durch die Integration in einen global agierenden Pharmakonzern Zugang zu umfangreichen Produktionskapazitäten, regulatorischer Expertise und internationaler Vermarktungsstruktur. Beide Verwaltungsräte haben der Transaktion bereits zugestimmt. Der Abschluss wird im zweiten Quartal 2026 erwartet, vorbehaltlich regulatorischer Genehmigungen und der üblichen Vollzugsbedingungen.
Die Übernahme unterstreicht den anhaltenden Konsolidierungstrend in der Biotechnologiebranche, in der große Pharmaunternehmen verstärkt innovative Spezialentwickler übernehmen, um ihre Forschungspipelines zu stärken und langfristiges Wachstum zu sichern. Besonders im Bereich personalisierter Krebsmedizin verschärft sich der Wettbewerb, da neue Zell- und Gentherapien das Potenzial haben, bestehende Behandlungsstandards grundlegend zu verändern.
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Next Stop: Virology
Wer die Investorenkonferenzen von Gilead Sciences regelmäßig verfolgt, erkennt ein wiederkehrendes strategisches Leitmotiv: Der Biopharmakonzern will zurück an die Spitze der Virologie. Dieses Ziel lässt sich jedoch kaum durch eine defensive Verwaltung bestehender Produkte erreichen. Die Virologie bildet seit jeher das wissenschaftliche und wirtschaftliche Fundament des Unternehmens – ein Feld, in dem Gilead einst als nahezu unangreifbar galt.
Insbesondere Hepatitis B und Hepatitis D sind dabei keine Randindikationen, sondern Krankheitsbereiche mit erheblichem, weltweit weiterhin ungedecktem medizinischem Bedarf. Gerade hier läge ein natürliches Spielfeld für Gilead, das historisch aus der Virusforschung heraus gewachsen ist. Entsprechend stellt sich die Frage, weshalb der Konzern seine Position in diesen Segmenten bislang nicht offensiver ausbaut. Wer seine Wurzeln in der Virologie hat, müsste strategisch darauf abzielen, diese therapeutischen Kernfelder frühzeitig und entschlossen zu besetzen – bevor Wettbewerber wie GSK ihre Präsenz weiter ausdehnen.
Auch Herpesviren rücken zunehmend in den strategischen Fokus der Branche. Obwohl medizinisch häufig unterschätzt, birgt dieses Gebiet erhebliches Markt- und Innovationspotenzial. Eine klare Führungsrolle in diesem Segment würde weit über einzelne Produkte hinausweisen: Sie wäre ein Signal an Investoren und Wettbewerber gleichermaßen, dass Gilead nicht nur Teil des virologischen Wettbewerbs ist, sondern wieder dessen Zentrum anstrebt.
Übernahmeziel: Assembly Biosciences
Ganz konkret drängt sich aus unserer Sicht ein Name auf: Assembly Biosciences. Im Dezember wurden bereits hochwirksame Kandidaten der Firma gegen Genitalherpes einlizenziert. Es handelt sich um Wirkstoffe mit Milliardenpotenzial. Auch im Bereich Hepatitis B und D ist der Forschungsmotor Assemblys aus unserer Sicht das Maß der Dinge.
Erfahre hier, warum Assembly Biosciences nach einer beeindruckenden Performance im vergangenen Jahr auch 2026 zu einem unserer absoluten Top-Favoriten gehört – und schon kurzfristig eine dreistellige Rendite winken könnte.
Interessenkonflikt: Herausgeber Alexander Schornstein besitzt Aktien des besprochenen Unternehmens Assembly Biosciences in signifikantem Umfang und beabsichtigt, die Aktien – je nach Marktsituation auch kurzfristig – zu veräußern und könnte dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt.