Gerresheimer-Aktie: Tief, tiefer – was jetzt?
Die Gerresheimer-Aktie kommt nicht zur Ruhe und fällt immer tiefer. Allein im Februar beträgt der Rückgang rund -40%. ‚Am Freitag erholt sie sich aktuell um +2,2% und steht bei knapp 16 €. Was ist jetzt ratsam?
Prüfung ausgeweitet
Nachdem die BaFin mit der Prüfung der Geschäftsabschlüsse am 18. September 2025 mit der Prüfung des Geschäftsberichtes 2023/2024 begann, teilte sie am 25. Februar mit, dass die Prüfung ausgeweitet wird.
Es geht jetzt auch um den verkürzten Konzernzwischenabschluss und den Konzernzwischenlagebericht für den Zeitraum vom 1.12.2024 bis 31.05.2025. Laut der BaFin gibt es konkrete Anhaltspunkte.
Dabei geht es um Leasingverpflichtungen, die im Anhang möglicherweise falsch dargestellt wurden. Ebenfalls kann die Nutzungsdauer immaterieller Vermögenswerte, die als aktivierte Entwicklungskosten mit einem Buchwert von 29,4 Millionen € falsch sein können. Als dritter Punkt wurden möglicherweise Vermögenswerte im Segment Advanced Technologies genannt. Der ausgewiesene Buchwert von 196,5 Millionen € könnte nicht dem tatsächlichen Wert entsprechen.
Insgesamt ist die Ausweitung der Prüfung ein fataler Schritt hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der Bilanzierung von Gerresheimer.
Neues Management arbeitet konstruktiv mit
Das neue Management um den Interim-CEO Uwe Röhrhoff sowie den neuen CFO Wolf Lehmann beauftragte eine zweite Prüfgesellschaft, um Ungereimtheiten aufzudecken.
Hier zeigt sich, dass das Unternehmen alles Mögliche tut, um die Leichen im Keller vollständig ausfindig zu machen. Der Geschäftsbericht für 2025 wurde bereits auf ungewisse Zeit verschoben. Es soll auf Transparenz und Genauigkeit geachtet werden.
Vorsichtige Prognose erstellt
Im Hinblick auf die vorhandene Situation dürfte die Jahresprognose konservativ sein. Beim Umsatz wird ein Wert von 2,3 bis 2,4 Milliarden € erwartet. Die EBITDA-Marge soll bei 18 bis 19% liegen. Zudem wird mit einem moderaten Free Cashflow gerechnet.
Ob die Prognose im Jahresverlauf nochmals nach unten angepasst wird, bleibt abzuwarten.
Transformation eingeleitet
Um den Konzern effizienter und profitabler zu machen, wurde ein Transformationsprogramm aufgelegt. Das Programm beinhaltet unter anderem eine selektivere Investitionsplanung, ein verbessertes Working-Capital-Management, Maßnahmen zur Steigerung der operativen und vertrieblichen Performance und die Optimierung des Einkaufs sowie des globalen Produktionsnetzwerkes. Hierzu wird das US-Werk in Chicago Ende 2026 geschlossen.
Um die Bilanz- sowie die Finanzstruktur zu stärken, ist der Verkauf der US-Tochter Centor geplant. Morgan Stanley wurde mit dem Verkaufsprozess mandatiert.
Was bedeutet das für die Aktie
Die Ausweitung führte erneut zu einem heftigen Kursrückgang. Mittlerweile ist die Lage so verworren, dass von einem Einstieg abzuraten ist. Der materielle Schaden dürfte überschaubar sein, das Vertrauen in die Aktie ist jedoch völlig ramponiert.
Solange keine abschließende Klarheit bezüglich aller Ungereimtheiten besteht, sollten Anleger die Aktie meiden. Auch wenn das aktuelle Kursniveau zu niedrig sein dürfte, können weitere fehlerhafte Bilanzierungen zu erneuten Kursrückgängen führen.
Die UBS ist mit ihrem Zielkurs von 12,90 € sehr vorsichtig; auch die DZ Bank mit 16 € hält sich zurück. Ob die Deutsche Bank ihren Zielkurs von 22 € beibehält, bleibt abzuwarten.
Mein Fazit: Finger weg von der Aktie.
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ℹ️ Gerresheimer in Kürze
- Die Gerresheimer AG (WKN: A0LD6E) stellt Spezialprodukte in den Bereichen Glas und Kunststoff insbesondere für die Pharma- sowie Healthcare-Industrie her und gilt als weltweit führender Schlüssellieferant für diese Branchen. Die Produkte reichen vom Insulin-Pen bis zu Ampullen, aber auch schnöde Parfümflakons gehören zum Portfolio.
- Der Hauptsitz ist in Düsseldorf, daneben ist der Konzern weltweit mit Standorten in Europa, Asien und Amerika vertreten.
- Die Aktie ist im MDAX gelistet, die Marktkapitalisierung beträgt aktuell 550 Millionen €.