eToro: Ist der Kauf jetzt überfällig?
Die Aktie von eToro steht vor einer wegweisenden Richtungsentscheidung, während sich Anleger auf eine potenziell volatile Berichtssaison zum Jahresende einstellen. Nach deutlichen Kursverlusten seit dem Börsengang rückt der Titel erneut in den Blick, da Bewertung und operative Entwicklung zunehmend auseinanderdriften. Die jüngste Bodenbildung lockt zum Einstieg.
Mit Blick auf das Jahr 2026 bleibt der Ansatz klar: Statt auf die scheinbar naheliegenden Momentum-Gewinner zu setzen, die den Markt im Jahr 2025 geprägt haben, rücken substanzorientierte Nebenwerte stärker in den Vordergrund. Besonders Aktien mit Erholungspotenzial bieten Chancen, wenn der Markt einseitig von negativen Erwartungen dominiert wird. In dieses Bild fügt sich die Handelsplattform eToro Group Ltd. ein, deren Kurs seit dem Börsengang um rund vierzig Prozent gefallen ist und die inzwischen zu einstelligen Multiplikatoren auf Basis des bereinigten EBITDA gehandelt wird.
Kursrückgang ohne fundamentale Gründe
Der jüngste Abverkauf der Aktie steht in keinem ausgewogenen Verhältnis zur operativen Entwicklung des Unternehmens. Zwar belasten sinkende Kryptopreise das Geschäft, doch insgesamt befindet sich eToro weiterhin auf einem Wachstumspfad. Insbesondere der Ausbau des Angebots in den Vereinigten Staaten eröffnet neue Perspektiven. Die Veröffentlichung der Ergebnisse für das vierte Quartal, die für Mitte bis Ende Februar erwartet wird, gilt als nächster wichtiger Impulsgeber. Die derzeit sehr niedrigen Markterwartungen erhöhen das Überraschungspotenzial.
Schwache Kryptozahlen als Auslöser der Skepsis
Ein zentraler Grund für die anhaltende Schwäche der Aktie liegt in den zuletzt veröffentlichten Handelskennzahlen. Wie viele Wettbewerber legt eToro monatliche Aktivitätsdaten vor. Für den Monat November wurden insbesondere im Kryptohandel deutliche Rückgänge gemeldet. Die Zahl der einzelnen Kryptotransaktionen sank im Jahresvergleich erheblich, ebenso das durchschnittliche Volumen je Trade. Entsprechend ging auch das gesamte gehandelte Dollarvolumen gegenüber dem Vormonat zurück.
Diese Entwicklung kam jedoch nicht unerwartet. Seit dem Sommer standen Kryptomärkte unter Druck, unter anderem aufgrund der Diskussion um den vierjährigen Bitcoin-Halbierungszyklus. Hinzu kamen außergewöhnlich hohe Vergleichswerte aus dem Vorjahr, als politische Erwartungen in den USA zu spekulativen Übertreibungen am Kryptomarkt geführt hatten.
Krypto ist nicht das Kerngeschäft
Trotz dieser Belastungen erscheint die Marktreaktion überzogen. Der Kryptohandel macht nur einen begrenzten Teil des wirtschaftlichen Ergebnisses von eToro aus. Maßgeblich ist die Kennzahl der sogenannten Net Contribution Margin, die den tatsächlichen Ertrag aus Handelsaktivitäten widerspiegelt. Im jüngsten Quartal entfiel lediglich etwa ein Viertel dieses Beitrags auf Kryptowährungen. Deutlich wichtiger ist der Aktienhandel, dessen Transaktionszahl im Jahresvergleich spürbar zulegen konnte. Zwar sank das durchschnittliche Handelsvolumen je Transaktion, insgesamt ergab sich jedoch ein Anstieg der gehandelten Volumina.
Wachstumstreiber durch US-Expansion
Ein wesentlicher Impuls kommt aus der geografischen Ausweitung des Geschäfts. Nach einer bislang starken Präsenz in Großbritannien, Westeuropa und Singapur ist eToro nun verstärkt in den USA aktiv. Dort wurde kürzlich der Dienst CopyTrader eingeführt, der es Nutzern ermöglicht, die Handelsstrategien bekannter Investoren automatisch nachzubilden. Während der Kryptohandel schwächelt, zeigen Aktiengeschäfte eine stabilere Entwicklung. Gleichzeitig stieg die Zahl der finanzierten Konten weiter an, was zusätzliche Einlagen und potenziell höhere Erträge verspricht.
Branchentrend bestätigt die Entwicklung
Auch der Blick auf Wettbewerber relativiert die Sorgen. Der Rückgang der Handelsaktivität ist kein eToro-spezifisches Phänomen. Vergleichbare Entwicklungen zeigen sich bei großen Plattformen wie Robinhood. Trotz eines massiven Kursanstiegs der Robinhood-Aktie im vergangenen Jahr gingen auch dort die Kryptotransaktionen deutlich zurück, insbesondere bereinigt um Zukäufe. Während Robinhood zuletzt sogar einen Rückgang der finanzierten Konten verzeichnete, konnte eToro neue Nutzer gewinnen. Vor diesem Hintergrund wirkt die extreme Bewertungsdifferenz zwischen beiden Unternehmen schwer nachvollziehbar.
Bewertung, Risiken und Ausblick
Beim aktuellen Kursniveau beläuft sich die Marktkapitalisierung von eToro auf rund 2,6 Milliarden US Dollar. Nach Abzug der umfangreichen liquiden Mittel und Kryptoassets ergibt sich ein Unternehmenswert von etwa 1,4 Milliarden US Dollar. Für das Geschäftsjahr 2026 erwarten Analysten einen moderaten Anstieg der Net Contribution auf knapp 935 Millionen US Dollar. Unter Annahme stabiler Margen ergibt sich ein bereinigtes EBITDA von gut 336 Millionen US Dollar, was einem Bewertungsmultiple von rund dem Vierfachen entspricht.
Natürlich bestehen Risiken. Als vergleichsweise neuer Anbieter in den USA muss eToro erst Vertrauen bei etablierten und kapitalstärkeren Kunden gewinnen. Zudem könnten sinkende Zinsen und anhaltende Schwäche im Kryptomarkt die Margen belasten. Angesichts der sehr niedrigen Bewertung scheint ein Großteil dieser Unsicherheiten jedoch bereits eingepreist. Vor den anstehenden Quartalszahlen bietet sich damit ein Einstieg in ein profitables Geschäftsmodell, das vor neuen Wachstumsimpulsen steht.
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