Duolingo-Aktie: Ist dieser Trend berechtigt?
Seit unserem letzten Update zur Duolingo-Aktie ist diese noch weiter unter Druck geraten. Die Sorgen über KI-Konkurrenz und Wachstumsdellen lasten derzeit extrem auf dem Titel. Doch wie gerechtfertigt ist der katastrophale Kursverkauf wirklich und bietet sich für Anleger eine hervorragende Eintiegschance?
Die Aktie von Duolingo ist infolge einer nachlassenden Dynamik bei den Buchungen und zunehmender Unsicherheit über die langfristigen Auswirkungen von KI deutlich gefallen. In den vergangenen zwölf Monaten führte dies zu einer spürbaren Neubewertung des Unternehmens. Je nach Kennzahl erscheint die Aktie trotz des Rückgangs weiterhin ambitioniert bewertet.
Wir analysieren die operative Entwicklung von Duolingo in Bezug zu den strategischen Prioritäten des Unternehmens. Grundlage bildet eine Bewertung mittels Discounted-Cashflow-Modell, die zu dem Ergebnis kommt, dass die Aktie auf Cashflow-Basis attraktiv sein kann, sofern die Expansionsstrategie aufgeht.
Starkes Nutzerwachstum...
Im dritten Quartal 2025 steigerte Duolingo die Zahl der täglich aktiven Nutzer um 36 Prozent auf 50,5 Millionen. Die monatlich aktiven Nutzer legten um 20 Prozent auf 135,3 Millionen zu. Besonders dynamisch entwickelte sich weiterhin das Abonnementgeschäft. Die Zahl der zahlenden Abonnenten wuchs um 34 Prozent auf 11,5 Millionen, was einem Anteil von 8,5 Prozent der monatlich aktiven Nutzer entspricht.
Der Umsatz erhöhte sich im Jahresvergleich um 41 Prozent auf 271,7 Millionen US-Dollar. Die Buchungen wuchsen hingegen um 33 Prozent auf 281,9 Millionen US-Dollar. Die Bruttomarge ging leicht um 40 Basispunkte auf 72,5 Prozent zurück, was das Unternehmen mit gestiegenen Kosten für generative KI und Hosting erklärte. Das bereinigte EBITDA belief sich auf 80 Millionen US-Dollar und entsprach einer Marge von rund 29 Prozent.
Für das vierte Quartal 2025 rechnet Duolingo mit einem Umsatz zwischen 273 und 277 Millionen US-Dollar. Das bereinigte EBITDA soll zwischen 75,4 und 78,8 Millionen US-Dollar liegen, was einer Marge von etwa 28 Prozent entspricht.
...aber erste Bremsspuren
Auffällig ist dabei, dass sich das Wachstum der Buchungen stärker verlangsamt als das Umsatzwachstum. Während der Umsatz im dritten Quartal um 41 Prozent zulegte, blieben die Buchungen mit 33 Prozent deutlich dahinter zurück. Die Prognose für das vierte Quartal deutet sogar auf ein Buchungswachstum von nur noch 21 bis 24 Prozent bei gleichzeitig erwarteten 30 bis 32 Prozent Umsatzwachstum hin. Diese wachsende Lücke signalisiert, dass der Umsatz derzeit noch von früheren Abonnementkohorten profitiert und eine anhaltende Abschwächung der Buchungen zeitverzögert sichtbar werden könnte.
Die operative Profitabilität bleibt zwar robust, doch die Qualität der GAAP-Ergebnisse ist im dritten Quartal verzerrt. Gleichzeitig werden die Kostenstrukturen im Zusammenhang mit KI zunehmend zu einem relevanten Hebel für die Bruttomarge. Der Markt stellt zunehmend infrage, welche Rendite diese KI-Investitionen langfristig tatsächlich liefern können.
Annahmen für die Unternehmensbewertung
Ein zentraler Bestandteil der Discounted-Cashflow-Analyse ist die Betrachtung historischer Trends, insbesondere beim Umsatzwachstum und bei der Free-Cashflow-Marge. In den vergangenen acht Quartalen erzielte Duolingo durchschnittlich ein Umsatzwachstum von knapp 40 Prozent im Jahresvergleich und rund 9 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Die durchschnittliche Free-Cashflow-Marge lag in diesem Zeitraum bei gut 36 Prozent.
Für das Jahr 2026 wird ein Umsatz von rund 1,26 Milliarden US-Dollar erwartet, was einem Wachstum von etwa 22 Prozent entspricht. In der Bewertung wird konservativer mit einem Umsatzwachstum von 15 Prozent und einer Free-Cashflow-Marge von 30 Prozent gerechnet. Das Unternehmen ist schuldenfrei und verfügt über liquide Mittel und Investments von rund 1,12 Milliarden US-Dollar. Der angenommene langfristige Wachstumsfaktor liegt bei 2,5 Prozent.
Auf Basis dieses Modells ergibt sich eine Unterbewertung der Aktie von etwa 17 Prozent.
Gemischte Signale aus relativen Kennzahlen
Ein Blick auf relative Bewertungskennzahlen ergibt ein uneinheitliches Bild. Im Vergleich zu Wettbewerbern erscheint die Aktie bei einigen Metriken teuer, bei anderen hingegen günstig. Die hohen Margen sorgen dafür, dass das Kurs-Gewinn-Verhältnis moderat ausfällt, während umsatzbasierte Multiplikatoren naturgemäß höher liegen.
Der wichtigste Werttreiber bleibt das Wachstum. Eine Veränderung der Wachstumsannahmen um einen Prozentpunkt wirkt sich rund 1,6-mal stärker auf den fairen Wert aus als eine vergleichbare Veränderung der Margen.
Obwohl in der Bewertung eine Free-Cashflow-Marge von 30 Prozent unterstellt wird, könnte das margenstarke und kapitalarme Geschäftsmodell langfristig auch Werte im oberen 30-Prozent-Bereich erreichen. Gleichzeitig sind die Wachstumsaussichten weniger klar als in der Vergangenheit.
Eine Monte-Carlo-Simulation mit 10.000 Durchläufen, in der zentrale Annahmen wie Wachstum, Margen, Beta und Endwachstum variiert wurden, ergibt einen Medianwert von knapp 189 US-Dollar je Aktie. Da der aktuelle Aktienkurs deutlich darunter liegt, stellt sich die Frage, ob das Modell die Bewertung zu konservativ ansetzt.
Demgegenüber stehen mehrere Unsicherheitsfaktoren. Die Free-Cashflow-Annahmen berücksichtigen die aktienbasierte Vergütung nur eingeschränkt, die derzeit rund 13 Prozent des Umsatzes ausmacht. Die Verlangsamung des Buchungswachstums stellt zudem das angenommene Umsatzwachstum infrage. Hinzu kommt, dass Discounted-Cashflow-Modelle stark vom Endwert abhängen, der naturgemäß mit hoher Unsicherheit behaftet ist.
Wettbewerb, KI und strategische Entscheidungen
Duolingo bewegt sich in einem umkämpften Markt für digitale Lernangebote und steht im Wettbewerb mit anderen Sprachlernplattformen. Darüber hinaus gibt es grundsätzliche Zweifel, ob der Fortschritt bei künstlicher Intelligenz langfristig die Nachfrage nach klassischem Sprachenlernen verringern könnte. Gleichzeitig bleibt das Unternehmen auf kontinuierliche Ausgaben für Marketing angewiesen, um zentrale Kennzahlen zu stabilisieren.
Im Earnings Call zum dritten Quartal räumte das Management ein, dass das jüngste Nutzerwachstum teilweise marketinggetrieben war. Zudem nimmt das Unternehmen bewusst in Kauf, kurzfristig geringere Buchungen zu erzielen, um die Nutzerbasis auszuweiten.
Mit Blick auf die Margen betonte das Finanzmanagement, dass weiterhin profitabel investiert werden könne, ohne eine lineare Margensteigerung zu priorisieren. Angesichts der Größe der Marktchance werde Wachstum gegenüber kurzfristiger Margenoptimierung bevorzugt.
Das höherpreisige Abonnementangebot mit KI-gestützten Funktionen entwickelt sich bislang schwächer als erwartet. Das Unternehmen arbeitet daher an Maßnahmen, um die Konversionsraten zu verbessern.
Ausblick für die Aktie
Sollte es Duolingo gelingen, das Buchungswachstum zu stabilisieren und gleichzeitig Free-Cashflow-Margen im unteren 30-Prozent-Bereich zu halten, könnte der heutige Aktienkurs rückblickend günstig erscheinen. Umgekehrt besteht das Risiko, dass die Abschwächung der Buchungen struktureller Natur ist und das Premiumangebot hinter den Erwartungen zurückbleibt. In diesem Szenario dürfte die Aktie trotz starken Umsatzwachstums volatil bleiben.
Angesichts der derzeit konservativen Bewertung und vorhandener Werthebel überwiegt insgesamt der positive Ausblick. Gleichzeitig bleibt die Entwicklung des Verhältnisses von Buchungs- zu Umsatzwachstum sowie die Durchdringung des Premiumangebots ein entscheidender Beobachtungspunkt.
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