Comcast-Aktie: Zu günstig zum Ignorieren?

Attraktives Dividenden-Papier
Redaktion

Der Kursverlauf der Comcast-Aktie über das letzte Jahr mag auf den ersten Blick abschrecken, aber hinter den Kulissen zeichnen sich strukturelle Verbesserungen ab. Der deutliche Preissrückgang eröffnet Anlegern die Möglichkeit, sich an einem Konzern zu beteiligen, dessen operative Entwicklung stärker ist, als es der Aktienkurs vermuten lässt.

Kursentwicklung und Marktmissverhältnis

In den vergangenen zwölf Monaten hat die Comcast-Aktie mehr als 20 Prozent an Wert verloren. Dieser Rückgang lässt sich nur schwer mit den operativen Kennzahlen des Konzerns in Einklang bringen. Die Margen entwickeln sich positiv, mehrere Geschäftsbereiche verfügen über solide Wachstumsperspektiven und mit der Abspaltung eines Unternehmensteils entsteht zusätzlicher Spielraum für eine effizientere Kapitalallokation. Statt rückläufige Geschäftsbereiche dauerhaft zu stützen, kann Comcast künftig gezielter in wachstumsstarke Aktivitäten investieren. Die aktuelle Bewertung spiegelt diesen strukturellen Wandel bislang nicht wider.

Breite Aufstellung des Konzerns

Comcast ist ein stark diversifizierter Medien- und Infrastrukturkonzern mit Aktivitäten in weiten Teilen des Unterhaltungs- und Breitbandmarktes. Die Berichterstattung erfolgt in zwei Segmenten: Connectivity and Platforms sowie Content and Experiences. Hinter diesen Segmenten verbergen sich zahlreiche Geschäftsbereiche, die aus einer langen Reihe von Übernahmen hervorgegangen sind. Besonders prägend war der Kauf der Sky Group im Jahr 2018 für rund 39 Milliarden US-Dollar.

Xfinity als Rückgrat im Kabel- und Mobilfunkgeschäft

Im Segment Connectivity and Platforms spielt die Marke Xfinity eine zentrale Rolle. Im Kabelgeschäft ist Comcast inzwischen der größte private Anbieter von Kabel- und Breitbandanschlüssen in den USA. Der Wettbewerb ist intensiv, da auch AT&T, Verizon und Charter Communications erhebliche Marktanteile halten.

Ergänzt wird das Angebot durch Xfinity Mobile, ein Mobilfunkdienst auf Basis des Netzes von Verizon. Der Dienst wird überwiegend in Kombination mit Kabelanschlüssen vermarktet und erhöht so die Kundenbindung sowie den Umsatz pro Haushalt. Der Mobilfunkbereich entwickelt sich zu einem wichtigen Wachstumstreiber. Zwischen 2023 und 2024 legten die inländischen Umsätze hier um 16,6 Prozent zu. Trotz dieses Wachstums nutzen bislang nur rund sechs Prozent der insgesamt 64 Millionen Kunden Xfinity Mobile, was weiteres Potenzial signalisiert.

Peacock behauptet sich im Streaming-Markt

Ein weiterer wichtiger Baustein ist der Streamingdienst Peacock. Zum Jahresende 2024 zählte die Plattform 36 Millionen Kunden. Aktuelle Quartalsberichte weisen 41 Millionen Nutzer aus, davon 36 Millionen zahlende Abonnenten. Daraus ergibt sich ein jährliches Abonnentenwachstum im zweistelligen Prozentbereich.

Auch nach einer Preiserhöhung konnte Peacock seine Kundenbasis stabil halten, was auf eine hohe Attraktivität der Inhalte schließen lässt. Im Vergleich zu Wettbewerbern wie Netflix, Amazon Prime Video oder Apple TV liegt Peacock preislich im oberen Bereich, was den Spielraum für weitere Preisanhebungen begrenzt. Auf Basis der aktuellen Abonnementpreise lässt sich ein monatlicher Umsatz von rund 500 Millionen US-Dollar ableiten, was auf Quartalsebene etwa 1,5 Milliarden US-Dollar entspricht. Da der Zuwachs offenbar vor allem im höherpreisigen Segment erfolgt, dürfte dieser Wert eher konservativ sein.

Freizeitparks als verlässliche Ertragsquelle

Im Segment Content and Experiences tragen die Themenparks maßgeblich zum operativen Ergebnis bei. Comcast betreibt derzeit fünf Universal-Parks, darunter die Standorte Orlando und Hollywood sowie Anlagen in Japan, Peking und Singapur. Weitere Projekte in Großbritannien und Las Vegas befinden sich in Planung.

Nach dem pandemiebedingten Einbruch hat sich das Geschäft schnell erholt. Bereits 2022 übertraf das bereinigte EBITDA mit 2,7 Milliarden US-Dollar das Vorkrisenniveau, 2024 stieg es auf 2,9 Milliarden US-Dollar. Trotz einer zuletzt etwas zurückhaltenderen Konsumstimmung zeigen sich die Universal-Parks robuster als vergleichbare Angebote anderer Betreiber. Dies könnte mittelfristig Marktanteilsgewinne ermöglichen, sofern Preiserhöhungen moderat bleiben.

Unterschiedliche Dynamik in den Geschäftsbereichen

Ein Blick auf die Margenentwicklung zeigt ein differenziertes Bild. Während mehrere Segmente stabile oder steigende Margen aufweisen, verzeichnet das klassische Mediengeschäft seit Jahren einen kontinuierlichen Rückgang. Der strukturelle Wandel der Mediennutzung belastet insbesondere das lineare Fernsehen und die Werbeeinnahmen.

Im Kerngeschäft Connectivity and Platforms sind die Umsätze seit dem Höchststand zwar leicht rückläufig, was unter anderem auf den Verkauf von Sky Deutschland und sinkende Videoabonnements zurückzuführen ist. Preisanpassungen im Breitbandgeschäft konnten einen Teil dieser Effekte abfedern. Positiv sticht das Geschäftskundensegment hervor, dessen Umsätze seit 2020 um mehr als 25 Prozent gewachsen sind. Auch die Themenparks verzeichnen seit der Pandemie ein Umsatzplus von mehreren Hundert Prozent, gestützt durch internationale Expansion und steigende Besucherzahlen.

Steigende Profitabilität trotz moderatem Umsatzwachstum

Die Entwicklung des bereinigten EBITDA unterstreicht den strategischen Schwerpunkt auf Effizienz und Margenverbesserung. Seit 2020 ist das EBITDA um rund 31 Prozent gestiegen, während die Umsätze um gut 25 Prozent zulegten. Vor allem die Themenparks leisten hierzu einen wesentlichen Beitrag. Angesichts der positiven Branchentrends erscheint weiteres Wachstum in diesem Segment wahrscheinlich.

Abspaltung von Versant als strategischer Schritt

Die angekündigte Abspaltung des Mediengeschäfts unter dem Namen Versant markiert eine klare Neuausrichtung. Aktionäre erhalten für je 25 Comcast-Aktien eine Versant-Aktie, der Börsenstart ist für Anfang Januar 2026 vorgesehen. Zum neuen Unternehmen gehören bekannte Medienmarken wie USA Network, CNBC und MSNBC.

Versant erzielt derzeit rund sieben Milliarden US-Dollar Umsatz und erreicht über 70 Millionen Haushalte in den USA. Konkrete Angaben zur Schuldenstruktur liegen noch nicht vor, doch Comcast verfügt insgesamt über eine solide Bilanz. Die Abspaltung ermöglicht es dem verbleibenden Konzern, sich stärker auf wachstumsorientierte Bereiche wie Breitband, Mobilfunk, Streaming, Studios und Freizeitparks zu konzentrieren und Investitionen gezielter einzusetzen.

Bewertung mit deutlichem Abschlag

An der Börse wird Comcast derzeit mit einem spürbaren Abschlag gegenüber dem Sektor gehandelt. Zwar ist das Umsatzwachstum in den vergangenen Jahren überschaubar geblieben, doch die kontinuierliche Verbesserung der Ertragskraft spricht für eine Neubewertung. Das durchschnittliche EBITDA-Wachstum der vergangenen fünf Jahre liegt zwar unter dem Branchendurchschnitt, rechtfertigt jedoch kaum den hohen Bewertungsabschlag. Die operative Entwicklung deutet darauf hin, dass der Markt das Potenzial des Konzerns unterschätzt.

Attraktive Dividendenpolitik

Zusätzliche Unterstützung erhält die Investmentthese durch die Dividende. Mit einer Rendite von über vier Prozent und einer 17-jährigen Historie kontinuierlicher Erhöhungen zählt Comcast zu den verlässlichen Dividendenzahlern. In den vergangenen zwölf Monaten flossen knapp fünf Milliarden US-Dollar an die Aktionäre, während der operative Cashflow deutlich höher lag. Spielraum für weitere Anhebungen ist vorhanden, insbesondere wenn die Margen weiter steigen.

Risiken im Blick behalten

Risiken ergeben sich vor allem dann, wenn sich das Wachstum im Geschäftskundenbereich oder bei den Themenparks abschwächt. Beide Bereiche gelten als zentrale Treiber für künftige Ergebnissteigerungen. Hinzu kommt die hohe Verschuldung von rund 93 Milliarden US-Dollar, die mit erheblichen Zinsaufwendungen verbunden ist. Sollten Margen und Umsätze gleichzeitig unter Druck geraten und das Zinsumfeld angespannt bleiben, könnte dies die Ergebnisse belasten.

Gesamtbewertung

In der Gesamtschau präsentiert sich Comcast als defensiver, ertragsstarker Konzern mit klaren strategischen Weichenstellungen. Die Kombination aus verbesserter Profitabilität, wachstumsstarken Teilbereichen, einer attraktiven Dividende und einer günstigen Bewertung spricht für ein positives Chance-Risiko-Verhältnis. Vor diesem Hintergrund erscheint die Aktie auf dem aktuellen Niveau kaufenswert.

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