Cannabis-Legalisierung in Deutschland: Marktchancen für Unternehmen und Anleger
Das Konsumcannabisgesetz als regulatorischer Rahmen
Mit dem KCanG dürfen Erwachsene ab 18 Jahren bis zu 25 Gramm Cannabis in der Öffentlichkeit besitzen und bis zu drei Pflanzen privat anbauen. Anbauvereinigungen, die sogenannten Social Clubs, sind seit Juli 2024 zugelassen und dürfen gemeinschaftlich Cannabis anbauen und an ihre Mitglieder abgeben. Parallel dazu wurde für Ärzte der bisherige Sondergenehmigungsprozess zur Cannbisverschreibung abgeschafft, nachdem Cannabis im März 2024 aus dem Betäubungsmittelgesetz entlassen wurde.
Das Ergebnis: die Verschreibungszahlen stiegen in der Folge messbar an. Der Medizinalmarkt bleibt jedoch klar abgegrenzt. Zugang erfolgt ausschließlich über Apotheken, die Qualitätsstandards nach EU-GMP-Zertifizierung einhalten müssen. Das zweigleisige Modell Genussmarkt und Medizinalmarkt ist für Investoren strukturell wichtig, weil die Segmente sehr unterschiedliche Risiko- und Renditeprofile aufweisen.
Die Marktsegmente und deren Umsatzpotenziale
Prohibition Partners schätzt den deutschen Cannabismarkt bis 2028 auf über 4 Milliarden Euro. Der Medizinalmarkt ist das stabilere Segment, weil es durch die Erstattungsregeln der gesetzlichen Krankenkassen teilweise abgesichert ist. Das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz verpflichtet Krankenkassen, Cannabistherapien bei bestimmten Indikationen, wie z. B. chronischen Schmerzen, Spastiken bei multipler Sklerose oder Übelkeit nach Chemotherapie, zu erstatten.
Innerhalb des Medizinalmarkts nehmen medizinisches Cannabisblüten eine herausgehobene Stellung ein. Denn sie sind als Darreichungsform am häufigsten verordnet , da sie im Gegensatz zu den Extrakten meist preisgünstiger sind und in den Apotheken vorrätig gehalten werden. Lizenzierten Importeuren wie Cannamedical, Cansativa oder Demecan stehen auf diesem Beschaffungsweg bereits feste Volumina und Apotheken zur Verfügung, die sie nach strengen GMP-Vorgaben beliefern. Letztere unterstehen ja der Bundesopiumstelle (BfArM). Für den Genussmarkt hingegen fehlen derzeit noch funktionierende legale Vertriebsstrukturen. Der zweite Teil des KCanG, der kommerzielle Fachgeschäfte vorsieht, befindet sich ja noch in parlamentarischer Abstimmung. Solange hier keine verlässliche regulatorische Basis geschaffen wird, steigt das Investitionsrisiko in diesem Teilmarkt.
Börsennotierte Unternehmen und Investitionsansätze
Für Kapitalmarktinvestoren gibt es steigende Auswahlmöglichkeiten an Investitionsgelegenheiten im Sektor. In Deutschland tätige börsennotierte Akteure sind etwa die Synbiotic SE (SY1, XETRA) oder die Cantourage Group SE, die sich beide auf den Medizinalmarkt fokussieren. International aufgestellte Unternehmen mit Europa-Aktivitäten sind Aurora Cannabis (ACB, NYSE), Tilray Brands (TLRY, NASDAQ) und Canopy Growth (CGC, NASDAQ).
Klassische Bewertungskennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis können im Cannabissektor nicht herangezogen werden, da die meisten Unternehmen noch keine Gewinne ausweisen. Analysten verwenden stattdessen den EV/Umsatz-Multiplikator und den operativen Cashflow-Burn. Ein strukturelles Problem gibt es zudem mit der Finanzierung: Viele Kreditinstitute lehnen in Bezug auf Compliance ihre Geschäftsbeziehungen zu Cannabisunternehmen ab, was die Kapitalkosten in dem Sektor systematisch erhöht.
Wer das Einzeltitelrisiko ausklammern möchte, findet mit dem ETFMG Alternative Harvest ETF (MJ) oder dem Rize Medical Cannabis and Life Sciences ETF (FLWR, LSE) zwei breit diversifizierte Instrumente, die ihr Sektorrisiko auf mehrere Unternehmen verteilen.
Anleger, die sich für den deutschen Markt interessieren, sollten Lizenzierungsprozesse, GMP-Zertifizierungen und Apothekenkooperationen als Frühindikatoren für tragfähige Geschäftsmodelle im Auge behalten. Der regulatorische Fortschritt beim zweiten Teil des KCanG dürfte der entscheidende Kurstreiber für den gesamte Sektor sein.