BYD-Aktie: Sind die Chinesen verrückt geworden?

Überraschender Vorstoß

Die BYD-Aktie steckt weiter in der Kursregion knapp über 10 € fest. Jetzt hat der Konzern mit einem drastischen Vorstoß aufhorchen lassen. Sind die Chinesen verrückt geworden oder was steckt dahinter? Und wie geht es mit der Aktie weiter?

Hong Kong -March 29 2024: BYD auto showroom in Kowloon bay, Hong kong have been open on November 2023. BYD is one of publicly listed Chinese multinational conglomerate manufacturing company headquart
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Eine erstaunliche Kampfansage

Der Kampf um die Gunst der Autokäufer ist weiter in vollem Gange. Der Wettbewerb ist extrem hart, denn hier tummeln sich weltweit etablierte Konzerne ebenso wie Emporkömmlinge und neue Rivalen. Wie sichert man sich in diesem Umfeld Marktanteile?

BYD hat darauf vor zwei Tagen eine erstaunliche Antwort gegeben. Der chinesische E-Autohersteller hat quasi eine Kampfansage für den heimischen Markt formuliert. Kern des Ganzen: Wenn schon der chinesische Staat keine großen Erleichterungen oder Subventionen mehr gewährt und ebenso wenig direkte Preiskämpfe duldet, dann muss man andere Wege gehen.

Und BYD geht diesen: Der Konzern ließ über einen Vertriebsleiter wissen, man gewähre für mehrere Modelle zinsfreie oder zinsgünstige Finanzierungsmodelle. Konkret sieht das so aus: Ein Interessent muss keine Anzahlung leisten und zahlt über einen Zeitraum von sieben Jahren extrem niedrige Raten von nicht einmal 5 € am Tag .

Dass sich solche Finanzierungsmodelle für den Konzern kaum rechnen können, liegt auf der Hand. Insofern fragen sich nicht nur Wettbewerber, sondern auch Investoren, ob die Chinesen verrückt geworden sind – oder ob der Vorstoß eine Panikreaktion ist.

BYD gewinnt international Marktanteile

Die Kampfansage der Chinesen ist auch insofern erstaunlich, als sie sowohl im deutschen als auch im europäischen Wettbewerb Marktanteile gewinnen. In Deutschland hat BYD im Januar den 1%-Anteil geknackt und kam auf 1,4%. Immer noch niedrig, aber mit erstaunlicher Wachstumsrate von mehr als 1000%.

In der Europäischen Union, Großbritannien und der EFTA kommen die Chinesen laut jüngst vorgelegter Zahlen auf einen Marktanteil von inzwischen 1,9%. Zum Vergleich: Der große E-Auto-Rivale Tesla kommt nur noch auf 0,8%. Insgesamt will BYD in diesem Jahr rund 1,3 Millionen Fahrzeuge im Ausland verkaufen.

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Weiter in der Seitwärtsrange

Das Chartbild der BYD-Aktie zeigt, dass sie sich weiter in einer Seitwärtsrange befindet. Die Kursmarke von 10 € steht dabei nach wie vor im Fokus. Sollte sie nachhaltig unterschritten werden, dürft es für die Aktie ein bis zwei Etagen tiefer gehen.

Auf der Oberseite müsste die Widerstandszone zwischen 11,30 € und 11,50 € überwunden werden, um einen Aufwärtstrend zu signalisieren.

Was tun mit der BYD-Aktie?

Zuletzt habe ich die BYD-Aktie als ein veritables Investment angesehen mit der grundsätzlichen Aussicht auf Kurssteigerungen, weil der Konzern operativ solide unterwegs ist, seine internationalen Aktivitäten strategisch sorgsam vorantreibt und auch über die technologische Power bei Elektrofahrzeugen verfügt, um Wettbewerber langfristig abzuhängen. Daran halte ich auch fest, zumal die Aktie mit einem Forward-KGV von 16,4 moderat bewertet ist.

Die Kampfansage der Chinesen diese Woche lässt mich allerdings ein wenig zweifeln. Sie kommt mir eher wie ein Akt der Verzweiflung vor und erscheint mir wenig geeignet, um auf dem kriselnden Heimatmarkt tatsächlich wieder mehr Boden unter die Füße zu bekommen.

Insofern würde ich aktuell eher mit einem Kauf abwarten, bis sich zumindest charttechnisch ein entsprechendes Signal ergibt.

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ℹ️ BYD in Kürze

  • BYD („Build your dreams“) (WKN: A0M4W9) ist ein chinesischer Mischkonzern, der vor allem im Bereich der Herstellung von Akkumulatoren und Automobilen tätig ist.
  • Der im chinesischen Shenzhen ansässige Konzern stieg 2023 zum weltgrößten Hersteller von Elektroautos auf.
  • Mit einer Marktkapitalisierung von rund 95 Milliarden € zählt BYD zu den wertvollsten Konzernen Chinas.
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