BYD-Aktie: Jetzt hängt alles an Europa
All-in in Europa
BYD geht „all-in“ in Europa. Die Chinesen haben eine strategische Kehrtwende vollzogen und legten ihre Pläne für ein neue Autofabrik in der Türkei offiziell auf Eis.
Stattdessen werden alle Ressourcen gebündelt, um den Bau des ersten europäischen Werks im ungarischen Szeged maximal zu beschleunigen. BYD plant, die dortige Automobilproduktion bereits im vierten Quartal 2026 zu starten.
Die Eile von BYD hat einen guten Grund: Der chinesische Autokonzern will so schnell wie möglich die drohende Verschärfung der EU-Strafzölle durch eine Vor-Ort-Produktion in Europa umgehen.
Seit Ende Oktober 2024 erhebt die EU zusätzliche Ausgleichszölle auf batterieelektrische Fahrzeuge, die in China produziert werden. Zusätzlich zum regulären EU-Einfuhrzoll von 10% muss BYD 17% für importierte E-Autos zahlen, in Summe also 27%.
Europa hat bei seiner Zollpolitik allerdings vergessen, auch Importabgaben auf Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge zu erheben. Die chinesischen Hersteller, allen voran BYD, reagierten schnell und stellten ihren Export in Rekordzeit auf PHEVs um. Im Mai schoss BYD in Deutschland aus dem Nichts an die Spitze der Plug-in-Hybrid-Zulassungscharts.
Dieses Schlupfloch will die EU nun endgültig schließen. Für BYD würde das die Vermarktung seiner Fahrzeuge in den europäischen Ländern massiv erschweren.
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Massive Modelloffensive
Gleichzeitig bereitet Build Your Dreams eine massive Modelloffensive auf dem europäischen Markt vor. Für das anstehende britische Goodwood Festival of Speed organisiert der Autokonzern den größten Messeauftritt seiner Geschichte.
BYD will gleich acht neue Modelle nach Europa bringen, aufgeteilt auf die drei Konzerntöchter BYD (Massenmarkt), Denza (Premium) und Yangwang (Luxus). Denza feiert übrigens seinen offiziellen Marktstart in Europa.
Vom 1- auf das 2-Jahrestief
Das Chartbild der BYD-Aktie ist seit Wochen ein einziger Graus. Seit Mitte April steckt der Autowert in einem steilen Abwärtstrend fest, der bislang noch keinen Halt gefunden hat.
Sogar das bisherige 12-Monatstief bei 9,50 € wurde zuletzt mit einem Schlag durchbrochen. Die Aktie wird höchstwahrscheinlich in den kommenden Wochen das 2-Jahrestief bei 8,20 € testen.
Dieses Ziel ist zu ehrgeizig
Mitte Juni hat das BYD-Management ein extrem ehrgeiziges, langfristiges Ziel formuliert: BYD will innerhalb der nächsten fünf Jahre Toyota als volumenmäßig größten Automobilhersteller der Welt ablösen. Dieses Ziel halte ich angesichts der enormen Wachstumsabflachung in den letzten Monaten für kaum realistisch.
Aufgrund des knallharten Wettbewerbs auf dem chinesischen Heimatmarkt, der BYD bereits Marktanteile gekostet und die Marge massiv gedrückt hat, muss die Expansion nach Europa extrem erfolgreich laufen, damit die Chinesen ihr 5-Jahresziel erreichen können. Zweifellos wird BYD aufgrund seiner attraktiven Modellpalette und Preise in den kommenden Jahren in Europa stark an Marktanteil hinzugewinnen.
Ich befürchte jedoch, dass die Bäume bei Build Your Dreams nicht in den Himmel wachsen werden. Auch anderen chinesische Hersteller drängen mit Vollgas auf den europäischen Markt und die europäischen Platzhirsche sind ebenfalls nicht untätig geblieben. Volkswagen, Renault und Stellantis haben inzwischen Elektrokleinwagen im Portfolio, die den Chinesen technologisch und endlich auch preislich das Wasser reichen können. Vor diesem Hintergrund glaube ich nicht, dass der Wettbewerb auf dem europäischen Markt für BYD so viel schwächer sein wird als auf dem chinesischen Heimatmarkt.
Ein abschließender Tipp: Wer spannendere Aktien als BYD für sein Depot sucht, muss sich mal unseren kostenlosen Top-Picks 2026 Report ansehen.
ℹ️ BYD in Kürze
- BYD („Build your dreams“) (WKN: A0M4W9) ist ein chinesischer Mischkonzern, der vor allem im Bereich der Herstellung von Akkumulatoren und Automobilen tätig ist.
- Der im chinesischen Shenzhen ansässige Konzern stieg 2023 zum weltgrößten Hersteller von Elektroautos auf.
- Mit einer Marktkapitalisierung von rund 91 Milliarden € zählt BYD zu den wertvollsten Konzernen Chinas.
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Fazit
Mit einem Forward-KGV von 16 ist mir die BYD-Aktie trotz ihres jüngsten Kursrückgangs immer noch zu ambitioniert bewertet. Diese Bewertung impliziert, dass die Expansion in Europa ein voller Erfolg wird und der chinesische Autokonzern auch weiterhin ein deutlich zweistelliges Wachstum und vor allem bessere Margen erzielen kann.
Das sehe ich sehr skeptisch. BYD wird zweifellos zu einer festen Größe auf dem europäischen Automarkt, aber ich glaube nicht, dass die Chinesen in der Lage sein werden, die hiesigen Platzhirschen zu verdrängen.