BYD-Aktie: Ist die Bewertung inzwischen attraktiv?
EU-Zölle treffen einen empfindlichen Nerv
Im Mittelpunkt der jüngsten Verkaufswelle stehen Berichte über mögliche neue EU-Zölle auf chinesische Plug-in-Hybridfahrzeuge. Die Europäische Kommission soll entsprechende Maßnahmen prüfen, die insbesondere Hersteller wie BYD treffen könnten.
Für den Konzern wäre dies ein empfindlicher Rückschlag. Nachdem Europa bereits Importzölle auf chinesische Elektroautos eingeführt hatte, verlagerte BYD seinen Fokus zunehmend auf Hybridmodelle. Doch diese Strategie könnte nun nach hinten losgehen. Höhere Einfuhrkosten würden entweder die Endpreise erhöhen oder die Margen belasten – beides keine guten Nachrichten für ein Unternehmen, das seine internationale Expansion massiv vorantreibt.
Zusätzliche Unsicherheit erzeugen die anhaltenden Handelskonflikte zwischen China, den USA und Europa. Parallel dazu sorgt eine Empfehlung des US-Verteidigungsministeriums, BYD auf eine Liste mutmaßlich militärnaher chinesischer Unternehmen zu setzen, für weiteren Zündstoff.
Für Gegenwind sorgen zudem Berichte über laufende Ermittlungen im Zusammenhang mit dem neuen BYD-Werk im ungarischen Szeged. Dort prüfen Behörden Vorwürfe hinsichtlich möglicher Umweltverstöße bei der Entsorgung von Erdreich. BYD weist die Anschuldigungen zurück und hält bislang am geplanten Produktionsstart Ende 2026 fest. Für Investoren erhöhen die Schlagzeilen jedoch die Unsicherheit rund um das wichtige Europa-Projekt.
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Operative Schwäche verschärft die Sorgen
Die politischen Risiken treffen BYD in einer Phase, in der die operativen Kennzahlen bereits erste Schwächesignale senden.
Im ersten Quartal 2026 brach der Nettogewinn um rund 55% ein, während der operative Cashflow sogar um 67% zurückging. Auch die Absatzentwicklung liefert keine überzeugenden Impulse. Zwar wurden im Mai rund 383.000 Fahrzeuge ausgeliefert, doch auf Sicht der ersten fünf Monate liegt das Absatzvolumen noch immer deutlich unter dem Vorjahresniveau.
Hinzu kommt ein zunehmend schwieriges Marktumfeld in China. Die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen verliert an Dynamik, während aggressive Preiskämpfe die Margen der Hersteller unter Druck setzen. Die teilweise Rücknahme steuerlicher Anreize für E-Autos dürfte diesen Trend zusätzlich verstärken.
Internationale Expansion bleibt die große Hoffnung
Trotz aller Herausforderungen verfügt BYD weiterhin über starke Wachstumstreiber. Das Unternehmen plant, bis Ende 2026 bis zu 1,6 Millionen Fahrzeuge außerhalb Chinas zu verkaufen. Produktionsstandorte in Ungarn und Brasilien sollen dabei helfen, Handelsbarrieren langfristig zu umgehen und näher an den Absatzmärkten zu produzieren.
Analysten bleiben daher bemerkenswert optimistisch. Die UBS bestätigte zuletzt ihre Kaufempfehlung und hob das Kursziel für die Hongkong-notierten Aktien auf 135 HK$ an – gut +70% über dem aktuellem Kursniveau. Auch der Analystenkonsens signalisiert weiterhin ein erhebliches Aufwärtspotenzial.
Fundamental erscheint die Bewertung ebenfalls vergleichsweise moderat. Für 2027 wird ein Kurs-Gewinn-Verhältnis im Bereich von 12 bis 13 erwartet, während Analysten weiterhin mit steigenden Umsätzen und Gewinnen rechnen.
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ℹ️ BYD in Kürze
- BYD („Build your dreams“) (WKN: A0M4W9) ist ein chinesischer Mischkonzern, der vor allem im Bereich der Herstellung von Akkumulatoren und Automobilen tätig ist.
- Der im chinesischen Shenzhen ansässige Konzern stieg 2023 zum weltgrößten Hersteller von Elektroautos auf.
- Mit einer Marktkapitalisierung von rund 90 Milliarden € zählt BYD zu den wertvollsten Konzernen Chinas.
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Fazit
Derzeit dominiert bei BYD klar die Sorge vor weiteren Rückschlägen. Neue EU-Zölle, Handelskonflikte, Ermittlungen rund um das Werk in Ungarn und schwächere Geschäftszahlen haben das Sentiment massiv belastet. Gleichzeitig ist die Aktie technisch stark überverkauft und notiert auf Bewertungsniveaus, die viele Analysten als attraktiv einstufen.
Ob sich daraus eine Gegenbewegung entwickeln kann, hängt nun vor allem von zwei Faktoren ab: der weiteren Entwicklung der Handelspolitik und der Frage, ob BYD in den kommenden Quartalen wieder profitables Wachstum liefern kann. Solange diese Fragen nicht beantwortet sind, drängt sich aus Anlegersicht kein Kauf auf.
Stattdessen könnte das negative Momentum dazu führen, dass der Kurs noch weiter zurückfällt.