Buffetts Cash-Maschine: Die Rückkehr der Versicherungs-Giganten
Was tun, wenn eine Krise nach der anderen Dein Depot in die Verlustzone treibt? Warren Buffett würde Versicherungsunternehmen kaufen. Nicht grundlos hat er mit 20 Jahren 65% seines Kapitals in den Versicherer GEICO investiert und seine jetzige Firma Berkshire Hathaway auf diesem Prinzip aufgebaut. Warum könnte genau jetzt der beste Zeitpunkt sein, um Aktien von Versicherern zu kaufen?
Zinsen & Schutz: Die Doppel-Wette der Versicherer
Die Logik ist simpel: Wenn Fabriken durch Extremwetter bedroht sind, Lieferketten wegen der Straße von Hormus reißen oder Cyber-Angriffe die Infrastruktur lahmlegen, steigt die Nachfrage nach Schutz massiv an.
Die Besonderheit von Versicherern ist nämlich ihr Float. Das sind die Beitragsgelder, die zwischen der Einzahlung durch den Kunden und der Auszahlung im Schadensfall im Besitz des Versicherers bleiben. Diese Summen werden für Zinsen angelegt. Somit haben Versicherungsfirmen zwei Einkommensströme – Versicherungsprämien und Zinserträge.
In der Versicherungsbranche schauen Profis primär auf zwei Kennzahlen, um die wahre Profitabilität zu bewerten:
- Combined Ratio (Schaden-Kosten-Quote): Dies ist die wichtigste Zahl. Sie gibt an, wie viel von den Prämieneinnahmen für Schäden und Verwaltung ausgegeben wird. Unter 100% bedeutet, das Versicherungsgeschäft ist profitabel. Über 100% bedeutet, der Versicherer zahlt mehr aus, als er an Prämien einnimmt.
- Eigenkapitalrendite (Return on Equity/RoE): Versicherer sind kapitalintensive Unternehmen. Der RoE zeigt, wie effizient sie das Geld der Aktionäre anlegen. Renditen zwischen 15% und 20% sind erstrebenswert.
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Die Top-Versicherer 2026
Hier sind 5 führende Versicherer aus verschiedenen Regionen, die vom Boom der Unternehmen, die sich gegen zunehmende Risiken absichern wollen, profitieren könnten.
- Der US-Versicherer Chubb ist ungeschlagen bei der Schaden-Kosten-Quote. Während die meisten Versicherer froh sind, eine Quote von 90 bis 94% zu erreichen, operiert Chubb regelmäßig im Bereich von 80 bis 85%. Das bedeutet, Chubb verdient bereits mit der reinen Versicherung von Risiken massiv Geld, noch bevor sie einen Cent an den Zinsen ihrer Kapitalanlagen verdient haben. Chubb meldete für 2025 eine Rekord-Ratio von 81,2% – das heißt, von jedem Euro Prämie bleiben fast 19 Cent als reiner Versicherungsgewinn hängen. Berkshire Hathaway hält mitunter große Anteile an der Firma.
- Beim Return on Equity (RoE) liegt der deutsche Rückversicherer Münchener Rück aktuell vorne. Für 2026 peilt der Konzern ein Rekordergebnis von 7,3 Milliarden € an, was einem RoE von über 16% entspricht. Als Rückversicherer diktieren sie die Preise für Versicherungsschutz.
- Der deutsche Konzern Talanx (Mutter von Hannover Rück und HDI Global) ist aktuell der Wachstumswert unter den Dividendenstöcken. Sie haben ihre Dividende in den letzten Jahren aggressiv gesteigert (auf aktuell 3%), bei gleichzeitig starkem Kurswachstum von +11% allein im letzten Monat. Denn die Kenner wissen, dass Versicherungsunternehmen keine Kursraketen sind, sondern eher langsam wachsen.
- Der französische Erstversicherer AXA ist der klassische Dividenden-Aristokrat unter den Europäern. Die Dividendenrendite liegt zuverlässig bei 5 bis 6%.
- Der „Underdog“ unter den Versicherern ist die japanische Versicherungsfirma Tokio Marine Holding. Japan ist zum einen extrem stark von Naturkatastrophen betroffen, was den Versicherer sehr gefragt macht. Zum anderen kauft die Firma im Zuge des neuen Regimes in Japan massiv Aktien zurück, was den Wert für Aktionäre indirekt steigert.
Wer ist nun der Beste?
Im Jahr 2026 treiben vor allem die soliden Zinsen, geopolitische Krisen sowie die KI-Effizienz die Versicherer. Wer jetzt kauft, setzt darauf, dass die Welt komplexer und riskanter wird – und dass Unternehmen bereit sind, immer höhere Summen zu zahlen, um dieses Risiko auszulagern. Obwohl es weniger eine Wette ist, sondern eine Tatsache, sollte man nicht zu jedem beliebigen Preis kaufen.
Wie zuvor erwähnt, profitiert Tokio Marine massiv von der japanischen Governance-Reform. Mit einem Forward KGV von 10,5 und einer ähnlichen operativen Qualität wie US-Riese Chubb, ist sie mit einem Kurs von 37 € günstig bewertet. Chubb hingegen kostet 277 € je Aktie.
AXA ist mit einem Forward KGV von unter 9 optisch am günstigsten. Europäische Erstversicherer kämpfen oft mit einem Abschlag gegenüber US-Werten. Die Dividendenrendite von fast 6% ist hier das Hauptargument für Anleger, die auf Cashflow setzen.
Die Münchener Rück wird oft mit einem Premium-Aufschlag gehandelt und liegt auf dem gleichen Bewertungsniveau wie Chubb. Der Aufschlag wird aber durch die hohen Eigenkapitalrenditen und eine sehr verlässliche Dividendenpolitik gerechtfertigt.
Übrigens: Welche Dividendenaktien aktuell besonders spannend sein könnten, verrät unser Dividenden-Experte und Mitgründer von sharedeals.de, André Doerk, im neuen Interview bei Carola’s Money Talk. Das komplette Gespräch kannst Du Dir hier ansehen.