Blackberry-Aktie: Vom gescheiterten Handy-Hersteller zum gefeierten KI-Software-Unternehmen
Bärenstarke Quartalszahlen
Auslöser des Kurssprungs von +10% am vergangenen Freitag war die Vorlage der Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026/27, das Ende Mai zu Ende ging. Blackberry hat die Schätzungen der Wall-Street-Analysten sowie die eigenen Prognosen auf breiter Front pulverisiert und gezeigt, dass das Unternehmen den Übergang vom Sanierungsfall zu profitablem Wachstum geschafft hat.
Der Umsatz stieg im abgelaufenen Vierteljahr um fast 26% auf 152,9 Millionen US$ und lag damit deutlich über den erwarteten 138 Millionen US$. Beide Geschäftsbereiche des Tech-Unternehmens trugen zum Wachstum bei.
Bei IoT & eingebettete Software (QNX) kletterte der Umsatz um 26% auf 72,3 Millionen US$. Hier trieben vor allem stärkere Verkäufe von Entwicklungslizenzen das Geschäft an. Großen Rückenwind lieferte die tiefe Software-Integration in die Next-Gen-Chipsätze von Nvidia sowie neue OEM-Partnerschaften für softwaredefinierte Fahrzeuge und Roboter.
Die Sparte Cybersecurity & Sichere Kommunikation wuchs um 24% auf 73,6 Millionen US$. Angetrieben wurde das Segment durch Großaufträge im Behörden- und Militärbereich sowie die erfolgreiche Rezertifizierung des Krisenkommunikationssystems AtHoc.
Die Ergebnisentwicklung von Blackberry war nicht minder gut. Die Bruttomarge legte im Jahresverlauf um vier Prozentpunkte auf 78,6% zu. Das Nettoergebnis wurde auf Jahressicht auf 8,5 Millionen US$ vervierfacht. Damit erzielte Blackberry das fünfte positive Quartal in Folge. Und das Ergebnis je Aktie lag mit 0,04 US$ deutlich über der Konsensschätzung 0,03 US$.
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Anhebung der Prognose
Angesichts des starken Jahresauftakts blickt das Blackberry-Management nun deutlich optimistischer auf das restliche Jahr und hat die Jahresprognose angehoben. Erwartet wir nun ein Umsatz von 594 bis 621 Millionen US$ (die vorherige Spanne lag bei 584 bis 611 Millionen US$).
Das Ziel für das bereinigte Ergebnis je Aktie wurde auf 0,16 bis 0,20 US$ hochgeschraubt. Und für das gesamte Geschäftsjahr rechnet das Unternehmen mit einem starken operativer Cashflow von rund 100 Millionen US$.
Vom 3- auf das 5-Jahreshoch?
Monatelang befand sich die Blackberry-Aktie in einem leichten Abwärtstrend. Doch seit Anfang April kennt der Tech-Titel nur noch eine Richtung, und zwar nach oben.
Nach einer leichten Kurskorrektur Mitte Juni ist die Aktie am Freitag auf ein neues 3-Jahreshoch hochgeschossen. Gut möglich, dass sich der Kurs nun in Richtung des 5-Jahreshochs bei knapp über 14 US$ entwickelt.
Wirklich ein systemrelevanter Software-Akteur?
Der Grund für die seit vielen Wochen anhaltende Rallye der Blackberry-Aktie lässt sich abseits der Quartalszahlen wie folgt zusammenfassen: Das Unternehmen hat sein altes Smartphone-Image endlich komplett abgestreift. Die Wall Street sieht Blackberry nicht mehr als gescheiterten Handy-Pionier, sondern bewertet das Unternehmen völlig neu als High-Tech-Player für Cybersecurity und eingebettete KI-Software.
Das absolute Kronjuwel von BlackBerry heißt QNX. Dabei handelt es sich um ein extrem sicheres Echtzeit-Betriebssystem. Was früher nur im Auto-Armaturenbrett steckte, wird jetzt zum Standard für das Trendthema Physical AI (Künstliche Intelligenz in der echten Welt).
BlackBerry hat sein neues QNX OS 8.0 tief in die Next-Gen-Chipsätze von Nvidia integriert. QNX steuert damit künftig nicht mehr nur smarte Autos, sondern hochkomplexe Medizinroboter, automatisierte Fabrikanlagen und industrielle Edge-AI-Systeme.
Neben der Software für Maschinen wächst die zweite Sparte Secure Communications rasant. Regierungen, Geheimdienste und Militärs weltweit strukturieren angesichts geopolitischer Krisen ihre IT-Infrastruktur um. BlackBerry gilt hier als einer der ganz wenigen zertifizierten und absolut verlässlichen Partner.
Die Börse scheint an den geglückten Turnaround und eine rosige Zukunft von Blackberry zu glauben. Anders lässt es sich nicht erklären, dass die Blackberry-Aktie inzwischen fast mit einem Forward-KGV von 70 bewertet wird. Das ist mir für ein Unternehmen, dass in naher Zukunft knapp zweistellig wächst und eine operative Marge von knapp 10% besitzt, ein etwas zu ambitionierter Wert.
Von manchen Analysten wird Blackberry bereits als systemrelevanter Software-Akteur der Zukunft gefeiert. Das ist mir eine etwas zu fantasievolle Sicht der Dinge.
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ℹ️ Blackberry in Kürze
- Blackberry (WKN: A1W2YK) ist ein 1984 gegründeter kanadischer Technologiekonzern mit Sitz in Waterloo in Ontario..
- Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren eine der radikalste Transformation der modernen Technologiegeschichte vom Smartphone-Hersteller zum Software-Konzern durchgemacht.
- Heute konzentriert sich Blackberry auf Echtzeit-Betriebssysteme für künstliche Intelligenz (Physical AI) und die Hochsicherheitskommunikation im militärischen Bereich.
- Blackberry notiert an der New York und der Toronto Stock Exchange und ist ca. 6,7 Milliarden US$ wert.
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Fazit
Ich rate Anlegern, den weiteren Kursverlauf der Blackberry-Aktie von der Seitenlinie aus zu beobachten. Mit ist sie in den letzten Wochen ein wenig zu heißgelaufen. Ich gehe davon aus, dass es in den kommenden Wochen zu einer „gesunden“ Kurskorrektur des gehypten Tech-Wertes kommen wird.