Bitcoin-Bären gehen die Argumente aus
Seit Wochen hören wir dieselbe Prognose: „Das dicke Ende kommt noch.“ Und jedes Mal, wenn der Markt zwei Prozent fällt, wird sie wieder hervorgeholt wie ein gut gelagerter Rotwein. Nur – wir fragen uns inzwischen, ob die Flasche nicht längst leer ist.
Wir beobachten Orderbücher, Volumina, Sentiment-Daten. Was wir nicht mehr sehen, ist echte Panik. Kein Ausverkauf um jeden Preis. Keine 20-Prozent-Tage mit explodierenden Umsätzen. Stattdessen dieses zähe, fast gelangweilte Abbröckeln. Verkäufer drücken, ja. Aber sie drücken nicht mit Überzeugung.
Die ewig gleiche Leier
Die klassischen Argumente der Bären liegen offen auf dem Tisch: hohe Zinsen, restriktive Notenbanken, politische Spannungen, regulatorischer Druck auf Kryptobörsen. Alles valide Punkte. Nur sind sie nicht neu. Sie sind eingepreist, durchgekaut, diskutiert. Wir lesen Research-Berichte, die klingen, als wären sie im Herbst des letzten Jahres stehen geblieben.
Und hier wird es vielleicht ungemütlich: Wer heute noch von einem „systemischen Kollaps“ spricht, braucht unserer Meinung nach mehr als nur alte Schlagzeilen. Märkte fallen nicht dauerhaft, nur weil man es sich wünscht oder weil es logisch erscheint. Sie fallen, wenn es eine Überraschung gibt. Ein Schock. Eine echte Liquiditätskrise. Die sehen wir aktuell nicht.
Unmengen an Kapital vor Eintritt
Was wir sehen, ist Vorsicht. Und extrem viel Cash an der Seitenlinie.
Gerade im Kryptobereich beobachten wir etwas Interessantes: Projekte, die im letzten Zyklus sofort implodiert wären, halten sich. Nicht glorreich, aber stabil. Kapital ist selektiver geworden, ja. Aber es ist nicht verschwunden. Das ist ein Unterschied, der oft übersehen wird.
Vielleicht lehnen wir uns hier zu weit aus dem Fenster, aber wir sagen es trotzdem: Die Bären überschätzen ihre eigene Story. Sie klingt überzeugend, weil sie sich sauber herleiten lässt. Nur reagieren Märkte nicht auf saubere Narrative. Sie reagieren auf Erwartungen. Und die Erwartung eines weiteren, brutalen Bärenmarkts ist inzwischen Konsens.
Konsens ist selten der Ort, an dem man Geld verdient.
Der Bullenmarkt ist näher als viele denken
Heißt das, wir bekommen sofort neue Allzeithochs? Sicher nicht. Es kann holprig bleiben. Ein nochmals etwas tieferer Boden würde uns nicht überraschen. Aber die große Kapitulation, dieses finale „Alles muss raus“ – wir sehen nicht, wer sie noch auslösen soll.
Vielleicht endet dieser Bärenmarkt nicht mit einem Drama, sondern mit Desinteresse. Mit einem leisen Drehen der Stimmung, während die Schlagzeilen noch schwarz bleiben. Und vielleicht dreht es mit Blick auf die Vielzahl an Kurskatalysatoren schon in Kürze.
Wenn wir uns irren, dann irren wir uns lieber mit einer begründeten Zuversicht als mit einer Angst, die nur deshalb plausibel wirkt, weil sie sich schon so lange wiederholt.
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