BioNTech-Aktie: Hat sich die Börse komplett geirrt?
Die Nachricht, dass die beiden BioNTech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci das Unternehmen verlassen werden, sorgte am vergangenen Dienstag für einen beispiellosen Kurssturz von -17%. Doch in den darauffolgenden Tagen erholte sich der Kurs der BioNTech-Aktie wieder schnell um +10%. Hat die Börse auf den bevorstehenden Führungswechsel komplett überreagiert und sollten Anleger die Aktie nun kaufen?
Die Gründer gehen von Bord
Wie bei kaum einem anderen Unternehmen Deutschlands ist der Erfolg so stark mit den Gründern verbunden wie bei BioNTech. Das Ehepaar Sahin-Türeci war seit 18 Jahren das Gesicht des deutschen Biotech-Stars. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die BioTech-Aktie als Reaktion auf den bevorstehenden Weggang der beiden Gründer mit einem fast panischen Kurssturz reagierte.
Noch dazu sorgte die Nachricht, dass Sahin und Türeci ein neues, eigenes Biotech-Unternehmen gründen wollen, für Panikstimmung bei vielen Anlegern. Schließlich steht das wissenschaftliche Dream-Team hinter dem Erfolg von BioNTech im Bereich der mRNA-Technologie.
Und zu allem Überfluss gaben auch die Geldgeber und Mitgründer von BioNTech, Thomas und Andreas Strüngmann, bekannt, in das neue Unternehmen von Sahin und Türeci investieren zu wollen. Auch das erhöhte den Verkaufsdruck auf die BioNTech-Aktie.
Aber nicht ganz
Auf den ersten Blick spricht demnach sehr viel für den Ausverkauf der BioNTech-Aktie. Auf den zweiten Blick allerdings nicht — und das scheint die Börse in den letzten Tagen auch erkannt zu haben.
Das Motiv von Ugur Sahin und Özlem Türeci, ein neues Unternehmen zu gründen, liegt in ihrer Forscher-DNA begründet. BioNTech hat sich in den letzten Jahren zu einem „reifen“ Biotech-Unternehmen entwickelt. Eine Reihe von Wirkstoffen befindet sich inzwischen in der late-stage Pipeline. Bis 2030 will das Unternehmen mehrere neue Onkologie-Produkte auf den Markt bringen.
Damit verschiebt sich der Fokus des Unternehmens von der Forschung und Entwicklung auf die Produktion und Vermarktung. Wie sie selbst zugeben, sind das nicht die Kern- und Lieblingsfelder von Sahin und Türeci. Das Herz der beiden Gründer schlägt für die Grundlagenforschung.
Das Ehepaar will sich lieber der Entwicklung der nächsten Generation der mRNA-Wirkstoffe widmen. Diese Entwicklung dürfte im Hause von BioNTech aber zunehmend schwer werden, da sich das Unternehmen nun auf den Umsatz und den Gewinn seiner bestehenden Produktpipeline fokussieren muss.
Deshalb haben sich Sahin und Türeci für ein meiner Meinung nach sehr sinnvolles Spin-off ihrer Aktivitäten entschlossen. Sie gründen ihr eigenes Biotech-Unternehmen, das aber sehr eng mit BioNTech verbunden bleiben wird.
Die beiden Gründen bleiben weiterhin mit rund 15% der Anteil Großaktionäre von BioNTech. Zudem bringt BioNTech Technologien und Rechte in die neue Firma ein und erhält im Gegenzug eine Minderheitsbeteiligung, Lizenzgebühren und Meilensteinzahlungen. Damit sichert sich BioNTech den Zugriff auf künftige Innovationen der Gründer, ohne die Kosten der frühen Forschung allein tragen zu müssen.
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Weiter seitwärts
Die BioNTech-Aktie pendelt seit fast einem Jahr in einem Seitwärtstrend zwischen rund 90 und 120 US$ auf und ab. Durch den Kurssturz am vergangenen Dienstag testete die Aktie kurzzeitig ihr 3-Jahrestief bei 78 US$.
Die gute Nachricht: Der Support hielt. Ich gehe deshalb davon aus, dass sich die Seitwärtsbewegung von BioNTech in den kommenden Wochen fortsetzen wird.
Analysten sehen ein deutliches Upside
Ich glaube, dass der Abverkauf der BioNTech-Aktie am vergangenen Dienstag eine Überreaktion der Börse war. Ich sehe nicht, dass das Geschäftsmodell der Mainzer durch den Weggang der beiden Gründer und Führungsfiguren in Gefahr geraten könnten. BioNTech hat inzwischen ein Reifestadium erreicht, in dem es auch ohne Sahin und Türeci zurechtkommen wird.
Das sehen übrigens auch fast alle Bankanalysten so. Nach dem „Gründer-Schock“ vergangene Woche haben zwar einige Banken ihre Kursziele für die BioNTech-Aktie leicht nach unten korrigiert, aber die Bandbreite der meisten Kursziele liegt mit ca. 130 bis 165 US$ immer noch deutlich über dem aktuellen Kursniveau von 91 US$.
Prall gefüllte Kasse und Pipeline
Das Risiko eines Brain Drains sehe ich ebenfalls nicht. Viele Anleger hegen die Befürchtung, dass wichtige Forscher von BioNTech dem Ruf der beiden Gründer in ihr neues Unternehmen folgen dürften. Ich glaube, dass das Mainzer Unternehmen inzwischen so groß und so stabil ist, dass es auch den Weggang einiger Forscher verkraften kann.
BioNTech wird sich meiner Meinung nach in den kommenden Jahren von einem kleinen Biotech-Unternehmen zu einem Pharma-Powerhouse entwickeln. Die Pipeline des Unternehmens ist prall gefüllt. Kaum ein anderes Biotech-Unternehmen hat so viele Wirkstoffe auf der Zielgeraden der Entwicklung wie die Mainzer.
Zudem verfügt BioNTech mit einem Barvermögen von über 17 Milliarden € über eine prall gefüllte Kriegskasse. Das Unternehmen kann sich weiterhin so gut wie jedes gewünschte Entwicklungs- und Vermarktungsvorhaben leisten. Ein Luxus, den nur wenige Biotech-Unternehmen haben.
Anleger tun meines Erachtens gut daran, jetzt in die BioNTech-Aktie zu investieren. Sie müssen aber einen langen Atem mitbringen. Die Transformation BioNTechs von einer Biotech-Schmiede zu einem Pharma-Konzern wird noch einige Jahre dauern.
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ℹ️ BioNTech in Kürze
- BioNTech (WKN: A2PSR2) ist ein deutsches Biotech-Unternehmen mit Sitz in Mainz, das auf die Entwicklung und Herstellung patientenspezifischer aktiver Immuntherapien zur Behandlung von Krebs und Infektionskrankheiten fokussiert ist.
- In den letzten Jahren wurde das Unternehmen durch seinen Impfstoff gegen das Coronavirus (Covid-19) weltbekannt und entwickelte sich zu einem Milliardenkonzern.
- An der Börse ist BioNTech derzeit mit rund 24 Milliarden US$ bewertet.