Bayer-Aktie: Zweifel belasten den Kurs
Neue Unsicherheiten im Glyphosat-Komplex
Ein wesentlicher Belastungsfaktor bleibt die juristische Aufarbeitung der Glyphosat-Klagen in den USA.
Bayer setzt weiterhin auf ein umfassendes Vergleichsverfahren, um die Vielzahl anhängiger Klagen dauerhaft zu befrieden. Allerdings wurde die Zuständigkeit für die gerichtliche Prüfung inzwischen von einem Gericht in Missouri an ein Bundesgericht in Kalifornien übertragen.
Genau hierin sehen viele Marktteilnehmer ein Risiko. Der zuständige Richter Vince Chhabria hatte bereits im Jahr 2020 einen vergleichbaren Vergleichsvorschlag kritisch beurteilt und letztlich abgelehnt. Entsprechend wachsen die Zweifel, ob ein neuer Anlauf erfolgreich sein wird.
Zusätzliche Aufmerksamkeit gilt dem sogenannten Durnell-Fall. Der Supreme Court soll darüber entscheiden, ob Bundesrecht Vorrang vor einzelstaatlichem Recht besitzt. Die US-Generalstaatsanwaltschaft befürwortet zwar die Annahme des Falls, zuletzt wurden die Erwartungen an eine entsprechende Entscheidung jedoch wieder vorsichtiger bewertet.
Für Bayer wäre eine Annahme von großer Bedeutung, da sie die rechtliche Grundlage für zahlreiche Verfahren beeinflussen könnte.
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Diskussion um Glyphosat-Zulassung nimmt Fahrt auf
Auch auf regulatorischer Ebene gibt es neue Unsicherheiten.
Die Europäische Union hatte Glyphosat zuletzt bis 2033 zugelassen und den Wirkstoff weiterhin nicht als krebserregend eingestuft. Grundlage dieser Entscheidung waren unter anderem wissenschaftliche Untersuchungen aus dem Jahr 2020.
Ende 2025 wurde jedoch eine dieser Studien von der Fachzeitschrift „Regulatory Toxicology and Pharmacology“ zurückgezogen. Begründet wurde dies mit Zweifeln an der Belastbarkeit der damaligen Ergebnisse.
Zusätzlich forderte die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina die Bundesregierung dazu auf, sich auf europäischer Ebene für eine Überprüfung der Zulassungsfristen von Pestiziden einzusetzen. Nach Ansicht der Wissenschaftler bestehen Risiken für Mensch und Umwelt, die erneut bewertet werden sollten.
Auch wenn derzeit keine unmittelbaren Konsequenzen drohen, erhöht die Diskussion die Unsicherheit rund um das wichtige Crop-Science-Geschäft.
Solider Start ins neue Geschäftsjahr
Operativ ist Bayer dagegen ordentlich ins Jahr gestartet.
Der Umsatz stieg währungsbereinigt um 4,1% auf 13,4 Milliarden €. Wachstumstreiber war erneut die Sparte Crop Science. Das Pharmageschäft bewegte sich auf Vorjahresniveau, während Consumer Health leichte Zuwächse erzielte.
Besonders positiv entwickelte sich die Ertragslage. Das EBITDA vor Sondereinflüssen legte um 9% auf 4,5 Milliarden € zu. Die EBITDA-Marge verbesserte sich gleichzeitig von 29,7% auf 33,2%.
Auch unter dem Strich zeigte sich eine deutliche Verbesserung: Der Nettogewinn stieg auf 2,8 Milliarden € und hat sich damit gegenüber dem Vorjahreswert mehr als verdoppelt.
Belastend wirkte lediglich der Free Cashflow, der aufgrund von Vergleichszahlungen mit minus 2,3 Milliarden € deutlich negativ ausfiel.
Insgesamt fielen die Quartalszahlen jedoch solide aus. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass Bayer erhebliche Währungseffekte von 886 Millionen € verkraften musste. Im Vorjahreszeitraum hatten diese lediglich 55 Millionen € betragen.
Prognose leicht angehoben
Vor dem Hintergrund der stabilen Geschäftsentwicklung erhöhte der Konzern seine Jahresziele leicht.
Beim Umsatz erwartet Bayer nun 44,5 bis 46,5 Milliarden € statt zuvor 44 bis 46 Milliarden €. Auch die Prognose für das EBITDA vor Sondereinflüssen wurde um jeweils 0,3 Milliarden € angehoben und liegt nun zwischen 9,4 und 9,9 Milliarden €.
Der Gewinn je Aktie soll künftig zwischen 4,10 € und 4,60 € liegen und damit ebenfalls leicht höher ausfallen als bisher erwartet.
Analysten bleiben überwiegend optimistisch
Die meisten Analysten konzentrieren sich vor allem auf die operative Entwicklung des Unternehmens – und diese wird überwiegend positiv bewertet.
Insbesondere Crop Science gilt weiterhin als wichtigster Wachstumstreiber. Darüber hinaus erwartet Bayer für das Pharmageschäft im kommenden Jahr wieder eine stärkere Dynamik.
Die angehobene Prognose wurde von vielen Marktbeobachtern als zusätzliches positives Signal gewertet.
Das durchschnittliche Analystenkursziel liegt derzeit bei rund 45,90 €. Die Spanne reicht dabei von 40 € bei Jefferies bis zu 52 € bei der UBS.
ℹ️ Bayer in Kürze
- Die Bayer AG ist einer der weltgrößten Chemie- und Pharmakonzerne. Der Konzern ist in drei Geschäftsbereiche untergliedert: Pharmaceuticals (rezeptpflichtige Arzneimittel), Consumer Health (rezeptfreie Medikamente) und Crop Science (Pflanzenschutz und Schädlingsbekämpfung).
- Bayer hat seine Konzernzentrale in Leverkusen und unterhält weltweit Niederlassungen.
- Das Unternehmen ist im DAX gelistet. An der Börse wird es aktuell mit knapp 35 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Operativ befindet sich Bayer weiterhin auf einem soliden Kurs. Die verbesserten Margen, die angehobene Jahresprognose und die stabile Entwicklung der einzelnen Geschäftsbereiche sprechen grundsätzlich für die Aktie.
Kurzfristig dürfte die weitere Kursentwicklung jedoch vor allem von den juristischen Entscheidungen in den USA abhängen. Insbesondere das mögliche Verfahren vor dem Supreme Court besitzt das Potenzial, den Kurs deutlich in die eine oder andere Richtung zu bewegen. Wird der Fall angenommen, könnte dies als wichtiger Befreiungsschlag gewertet werden und die Aktie spürbar antreiben. Sollte der Supreme Court die Angelegenheit ablehnen, wären dagegen erneute Rückschläge denkbar.
Für langfristig orientierte Anleger erscheint das aktuelle Kursniveau dennoch weiterhin attraktiv. Aus meiner Sicht liegt ein erstes realistisches Kursziel im Bereich von 40 €.
Hier sei erwähnt: Wer grundsätzliches Interesse am Sektor hat, könnte sich auch registrieren für den kostenlosen Newsletter von Biotech-Profi Maximilian Ruth.