Bayer-Aktie: Trotz Chancen Gewinne mitnehmen?
Die Bayer-Aktie legt seit Mitte November eine enorme Performance von rund +57% hin und erreicht wieder Kurse von Ende 2023. Am Freitag gewinnt sie aktuell leicht und steht bei 42,30 €. Kurzfristig kommt es auf die Entscheidung des obersten Gerichtes der USA an. Was sollten Anleger dennoch beachten?
Berufungsantrag liegt beim Supreme Court vor
In den Rechtsstreitigkeiten um das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat steht jetzt eine wichtige Entscheidung an. Der Berufungsantrag wurde eingereicht und vom Generalanwalt befürwortet die Annahme. Konkret geht es um den Fall John Durnell aus dem US-Staat Missouri.
In der Sache geht es darum, ob Bundesrecht vor Einzelstaatsrecht gilt. Die US-Umweltbehörde EPA kam zu dem Ergebnis, dass Glyphosat nicht krebserregend ist. Daher durfte auch kein Warnhinweis angebracht werden. Das sehen Gerichte in einigen US-Bundesstaaten anders und verurteilten den Konzern zu hohen Schadensersatzansprüchen.
Die Annahme oder die Ablehnung des Berufungsantrages ist für den kurzfristigen Kursverlauf daher äußerst relevant. In der Regel folgt der Supreme Court dem Vorschlag des Generalanwalts. Die Entscheidung wird für Freitag oder Dienstag nächster Woche erwartet. Montag ist Feiertag in den USA.
Der jetzige Berufungsantrag ist bereits der dritte Antrag. Die beiden vorherigen wurden nicht angenommen; allerdings sprach der Generalanwalt sich damals nicht für eine Annahme aus.
Was bedeutet das für die Aktie?
Sollte der Antrag angenommen werden, ist mit einem kurzfristigen Kursanstieg zu rechnen. Mit der Annahme muss der oberste US-Gerichtshof entscheiden, welches Recht vorgeht. Bis es jedoch zu einem endgültigen Urteil kommt, dürfte es noch lange dauern.
Wenn der Berufungsantrag abgelehnt wird, kommt es zu einem deutlichen Kursrückgang. Dann sind wieder die einzelstaatlichen Urteile für die Entschädigungen maßgebend. Das Problem hierbei ist, dass die Gerichte in verschiedenen Bundesstaaten zu sehr unterschiedlichen Urteilen kamen.
Gewinnmitnahmen könnten sinnvoll sein
Unabhängig von dem Ausgang des Berufungsantrages, ist in dem aktuellen Kursniveau viel Positives eingepreist. Zuletzt sorgte eine gut gefüllte Pipeline von neuen Medikamenten für einen starken Kursanstieg. Die EU beabsichtigt, die Saatgutregeln bezüglich der Genveränderungen zu lockern. Auch hiervon würde Bayer profitieren.
Mittlerweile ist meiner Meinung nach jedoch ein Kursniveau erreicht, bei dem Gewinnmitnahmen sinnvoll sein könnten. Die Börse ist keine Einbahnstraße, das mussten Aktionäre von Bayer in der Vergangenheit oft erfahren. Den fairen Kurs sehe ich bei 38 €.
Die Analysteneinschätzungen sind zweigeteilt. JP Morgan mit ihrem Zielkurs von 50 € und Barclays mit 45 € sind bullisch eingestellt. Jefferies mit 25 €, die UBS mit 32 € und Merrill Lynch mit 35 € halten die Aktie für überbewertet.
Mein Fazit: Insgesamt erwarte ich kurzfristig eher eine Korrektur als weiter stark steigende Kurse.
Hier sei erwähnt: Wer grundsätzliches Interesse am Sektor hat, könnte sich auch registrieren für den kostenlosen Newsletter von Biotech-Profi Maximilian Ruth.
ℹ️ Bayer in Kürze
- Die Bayer AG ist einer der weltgrößten Chemie- und Pharmakonzerne. Der Konzern ist in drei Geschäftsbereiche untergliedert: Pharmaceuticals (rezeptpflichtige Arzneimittel), Consumer Health (rezeptfreie Medikamente) und Crop Science (Pflanzenschutz und Schädlingsbekämpfung).
- Bayer hat seine Konzernzentrale in Leverkusen und unterhält weltweit Niederlassungen.
- Das Unternehmen ist im DAX gelistet. An der Börse wird es aktuell mit 41,5 Milliarden € bewertet.