Bayer-Aktie: Doch kein Spaziergang
Die Bayer-Aktie hat wieder den Rückwärtsgang eingelegt. Nachdem der Kurs des Chemie- und Pharmakonzern bereits in den letzten fünf Handelstagen um über -9% einbrach, geht es auch am Dienstagmorgen leicht bergab. Was zieht den DAX-Titel dieser Tage nach unten und wie sollten Anleger auf die Kursentwicklung reagieren?
Der Fall "Durnell"
Der Grund für den jüngsten Kursrückgang der Bayer-Aktie ist einmal mehr in den Rechtsstreitigkeiten rund um den Unkrautvernichter Roundup (Glyphosat) zu finden. Am gestrigen Montag fand die so wichtige mündliche Anhörung vor dem U.S. Supreme Court im Fall „Durnell“ statt. Hierbei geht es um die grundlegende Frage, ob Bundesrecht in den USA über einzelstaatlichem Recht steht.
Zum Hintergrund des Verfahrens: John Durnell, ein Gärtner aus dem US-Bundesstaat Missouri, verwendete jahrelang das Bayer-Unkrautvernichtungsmittel und wirft dem Konzern wie Tausende andere Kläger vor, dass es ursächlich für seine Krebserkrankung ist. Durnell machte vor Gericht in seinem Heimatstaat geltend, dass Bayer auf dem Roundup-Etikett nicht vor dieser Gefahr gewarnt hat. Das Gericht in Missouri gab dem Kläger Recht und verurteilte den Chemiekonzern zu einer Schadensersatzzahlung in Höhe von 1,25 Millionen US$, die später von einem staatlichen Berufungsgericht bestätigt wurde.
Bayer hat die Causa Glyphosat aber vor den Obersten Gerichtshof der USA gebracht. Dieser muss nun die komplexe Rechtsfrage klären, ob bundesstaatliches Recht in den Vereinigten Staaten über dem Recht der einzelnen Bundesstaaten steht.
Der deutsche Konzern argumentiert, dass die US-Umweltbehörde EPA das Produktlabel von Roundup ohne Warnung genehmigt hat, sofern das Unkrautvernichtungsmittel vorschriftsmäßig angewendet wird. Daher dürfe es nach Auffassung von Bayer gar keine Schadenersatzansprüche basierend auf dem Recht einzelner Bundesstaaten geben. Zudem führt der Konzern zu seiner Verteidigung ins Feld, dass es der Federal Insecticide, Fungicide, and Rodenticide Act (FIFRA) einzelnen Bundesstaaten verbiete, andere oder zusätzliche Warnhinweise aufzuerlegen als die, die nach Bundesgesetz erforderlich sind.
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Kein klarer "Sieg" in Aussicht
Entgegen der Hoffnung vieler Anleger auf einen klaren „Sieg“ für Bayer bei der Anhörung vor dem Obersten Gericht, zeigten sich die Richter uneins und gespalten. Einzelne Richter hinterfragten die rechtliche Lage, was US-Bundesstaaten unternehmen können, wenn sich nach einer Genehmigung auf Bundeseben Produktrisiken ergeben würden.
Wie die Kursreaktion der Bayer-Aktie zeigt, wertet der Markt diese Uneinigkeit der obersten Richter als Risiko. Da ein klares „Basta“ des Gerichts ausblieb, befürchten Investoren nun, dass die milliardenschweren Rechtsrisiken noch jahrelang bestehen bleiben könnten. Derzeit sind immer noch fast 70.000 Klagen anhängig.
Ein endgültiges Urteil wird erst für Juni oder Juli 2026 erwartet. Diese monatelange Ungewissheit dürfte den Kurs der Bayer-Aktie belasten.
Charttechnisiche Beurteilung
Eine charttechnische Beurteilung der Bayer-Aktie hat mein Kollege Philipp heute geschrieben.
Das Risiko nicht ausblenden
Ich rate Anlegern, die weitere Kursentwicklung der Bayer-Aktie von der Seitenlinie aus zu beobachten. In meinen Augen wurde in den letzten zwölf Monaten bereits zu viel Optimismus in den Aktienkurs eingepreist.
Die Anhörung vor dem Supreme Court hat meiner Meinung nach deutlich gemacht, dass es überhaupt nicht ausgemachte Sache ist, dass in den USA Bundesrecht über dem Recht der Einzelstaaten steht. Das Rechtssystem der Vereinigten Staaten unterscheidet sich fundamental von unserem System. Einzelne Gerichte und Bundesstaaten haben in den USA deutlich mehr „Macht“ als hierzulande. Das ist und bleibt für Bayer eine sehr ernste Gefahr.
Ich sehe das Risiko, dass es letztlich zu keiner eindeutigen Entscheidung des Obersten Gerichts zugunsten der Deutschen kommen wird und die Bayer-Aktie über viele weitere Jahre mit der Belastung der Rechtsstreitigkeiten in den USA leben muss.
Abschließend: An diese Top-Picks 2026 glauben wir mehr als an die Bayer-Aktie.
ℹ️ Bayer in Kürze
- Die Bayer AG ist einer der weltgrößten Chemie- und Pharmakonzerne. Der Konzern ist in drei Geschäftsbereiche untergliedert: Pharmaceuticals (rezeptpflichtige Arzneimittel), Consumer Health (rezeptfreie Medikamente) und Crop Science (Pflanzenschutz und Schädlingsbekämpfung).
- Bayer hat seine Konzernzentrale in Leverkusen und unterhält weltweit Niederlassungen.
- Bayer ist im deutschen Leitindex DAX und im europäischen Leitindex EuroStoxx 50 gelistet. An der Börse wird der Konzern aktuell mit ca. 35,3 Milliarden € bewertet.