Bayer-Aktie: Bleibt der Befreiungsschlag aus?
Nachdem die Bayer-Aktie tags zuvor noch ein neues 2-Jahres-Hoch bei knapp 50 € erklimmen konnte, rauscht der Kurs am Mittwoch wieder in den Keller. Als schwächster DAX-Wert verliert der Titel aktuell mehr als -8% auf 45,31 €. Was steckt hinter dem Abverkauf und wie sollten sich Anleger nun verhalten?
Vergleichsvorschlag verpufft
Am Dienstag gab es die Meldung, dass der Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern einen Vergleich zur Beilegung aller aktuellen und zukünftigen Klagen im Zusammenhang mit dem Unverkrautvernichtungsmittel Roundup erzielt habe. Dies sorgte zunächst für einen kräftigen Kurssprung, doch am Mittwoch scheint die damit verbundene Euphorie schon wieder verflogen zu sein.
Und die Skepsis der Investoren ist durchaus berechtigt. Denn schon 2020 hatte Bayer einen Vergleich über zehn Milliarden US$ geschlossen, um einen Großteil der anhängigen Klagen beizulegen. Allerdings konnte damals keine Einigung bezüglich zukünftiger Klagen erzielt werden, was nun für erneute Unsicherheit sorgt. Denn der Vergleichsvorschlag über 7,25 Milliarden US$ muss zunächst einmal vom US-Bundesstaat Missouri genehmigt werden.
Zudem muss der Fall final auch noch vor dem Supreme Court beigelegt werden. Hier ist eine mündliche Verhandlung für Ende April angesetzt.
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Nicht der erhoffte Durchbruch
Dementsprechend gibt es weiterhin auch viele mahnende Stimmen von Marktbeobachtern. So argumentiert Markus Mann, Portfoliomanager des Bayer-Aktionärs Union Investment, dass der Vergleichsvorschlag noch nicht der Durchbruch sei, den sich viele Anleger erhofft hatten.
Er verschaffe dem DAX-Konzern zwar Zeit, doch ohne einen Sieg vor dem Obersten Gerichtshof könnte in ein paar Jahren die nächste Klagewelle über das Unternehmen hereinbrechen.
Ich sehe das ganz ähnlich und rate Anlegern weiterhin zur Vorsicht. Die Aktie ist zuletzt überdurchschnittlich gut gelaufen, auch in Erwartung von Fortschritten im Glyphosat-Rechtsstreit. Der nun gefundene Vergleich schafft zwar etwas mehr Klarheit und reduziert die rechtlichen Risiken, trotzdem gibt es weiterhin einige Unsicherheitsfaktoren.
Analysten uneins
Auch die Analysten reagieren unterschiedlich. Während JPMorgan an seinem „Overweight“-Rating und einem Kursziel von 50 € festhält, stuften Analysten der DZ Bank die Aktie von „Kaufen“ auf „Verkaufen“ herab und senkten das Kursziel von 51 auf 42 €. Laut des Experten Peter Spengler ist der Glyphosat-Vergleich ein „teuer erkaufter Schritt zu mehr Planungssicherheit“.
Im Durchschnitt sehen Analysten die Aktie mit 45 € fair bewertet, was dem aktuellen Kursniveau entspricht.
Kurs prallt nach unten ab
Im Big Picture ist zu erkennen, dass Anleger auf Höhe der langfristigen Abwärtstrendgerade seit dem Hoch von 2015 nun erst einmal Kasse gemacht haben. Angesichts der überkauften Marktlage ist dies nach einer solchen Meldung auch durchaus nachzuvollziehen.
Wichtig wird nun sein, dass die Aktie spätestens auf Höhe der 50-Tage-Linie (SMA50) zum Stehen kommt. Von hier aus könnte dann ein weiterer Ausbruchsversuch über den langfristigen Abwärtstrend erfolgen. Ein Fall unter den SMA50 würde dagegen weitere Korrekturen in Richtung der 40,00-€-Marke eröffnen.
Was bedeutet das für die Aktie?
Der jüngste Vergleich im Glyphosat-Komplex ist ein wichtiger Zwischenschritt – aber eben noch kein Befreiungsschlag. Solange sowohl die Zustimmung aus Missouri als auch die Entscheidung des US-Supreme Court ausstehen, bleibt ein juristisches Restrisiko bestehen. Genau diese Unsicherheit preist der Markt nun wieder ein.
Für Anleger heißt das: Nicht in Panik verfallen, aber auch nicht blind ins fallende Messer greifen. Wer investiert ist, sollte die technische Schlüsselzone engmaschig beobachten. Neueinstiege drängen sich erst auf, wenn entweder juristisch echte Klarheit geschaffen oder charttechnisch ein stabiler Boden ausgebildet wird.
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ℹ️ Bayer in Kürze
- Die Bayer AG ist einer der weltgrößten Chemie- und Pharmakonzerne. Der Konzern ist in drei Geschäftsbereiche untergliedert: Pharmaceuticals (rezeptpflichtige Arzneimittel), Consumer Health (rezeptfreie Medikamente) und Crop Science (Pflanzenschutz und Schädlingsbekämpfung).
- Bayer hat seine Konzernzentrale in Leverkusen und unterhält weltweit Niederlassungen.
- Das Unternehmen ist im DAX gelistet. An der Börse wird es aktuell mit 45,13 Milliarden € bewertet.