BASF-, Evonik- und Lanxess-Aktie: Verlierer des Iran-Konflikts?
Die meisten Aktien reagieren auf den Angriff des Irans mit starken Kursverlusten. Hiervon betroffen sind auch die Aktien von BASF, Evonik und Lanxess. Am Dienstag erleiden alle Verluste im Bereich von -5% und mehr. Wie sind hier die weiteren Aussichten?
Ölpreise steigen
Die deutschen Chemieunternehmen benötigen für die Herstellung ihrer Produkte in erheblichem Maße Erdöl oder Vorprodukte aus Erdöl. Bisher waren die Preise hierfür relativ niedrig. Mit dem Angriff von Israel und den USA auf den Iran änderte sich die Situation. Die Preise für Erdöl und Erdgas zogen deutlich an. Rund ein Fünftel des weltweiten Erdöltransportes erfolgt durch die Straße von Hormus. Iran blockiert dieses Nadelöhr und somit kommt die dortige Schifffahrt zum Erliegen.
Wie sich die Preise für Erdöl und Gas weiterentwickeln, hängt stark von dem weiteren Verlauf des Konfliktes ab. Iran wehrt sich seinerseits mit Raketenangriffen auf Israel, die militärischen Basen in den Nachbarländern. Auch zivile Einrichtungen und Flughäfen wurden durch den Iran bombardiert.
Hohe Energiekosten belasten
Die deutsche Chemieindustrie leidet zudem unter den hohen Kosten für Strom. Die resultieren jedoch fast ausschließlich durch die politisch gewollte Energiewende. Atommeiler wurden abgeschaltet und die erneuerbaren Energien wie Solar- und Windenergie massiv ausgebaut.
Diese Transformation ist mit hohen Energiekosten verbunden. Im Vergleich zu anderen wichtigen Chemiestandorten sind die hohen Stromkosten nicht wettbewerbsfähig. Die deutsche Bürokratie sowie die hohen Lohnkosten kommen noch belastend hinzu.
BASF im Sparmodus
Um dennoch wettbewerbsfähig zu bleiben, fährt der Ludwigshafener Konzern eine strenge Sparpolitik. Viele Produktbereiche wurden zudem in billigere Länder ausgelagert. In China wurde neben Ludwigshafen das zweitgrößte Werk errichtet.
Um den Konzern insgesamt profitabler zu machen, wurden Geschäftsbereiche verkauft. Die Agrarsparte kommt 2027 an die Börse. Der Konzern will sich zukünftig auf wachstums- und renditestarke Spezialbereiche konzentrieren.
Evonik stellt sich neu auf
Bereits Ende 2024 begann der Essener Chemiekonzern, sich eine neue Konzernstruktur zu verpassen. Der Fokus der neuen Strategie liegt auf Wachstum und Resilienz. Die Geschäftsaktivitäten unterteilen sich in die beiden Segmente lösungs- und innovationsgetriebene Geschäfte sowie technologie- und effizienzgetriebene Geschäfte.
Beide Segmente besitzen eine eigene Führungsebene. Somit können die Führungsebenen schneller und effizienter auf Veränderungen reagieren. Die Transformation ist noch nicht vollständig abgeschlossen.
Lanxess konzentriert sich auf Kernbereiche
Auch Lanxess als großer Chemiekonzern befindet sich mitten im Restrukturierungsprozess. Hierbei geht es ebenfalls um die Konzentration auf das Konzerngeschäft. Ziel ist es, die jährlichen Kosten um 150 Millionen € zu reduzieren. Neben einem hohen Stellenabbau geht es auch um Werksschließungen.
Was bedeutet das für die Aktien?
Die ganze Misere der drei Chemiekonzerne zeigt sich im Kursverlauf seit Anfang 2021. BASF fiel von damals 70 € auf aktuell rund 45 €. Evonik sank von 30 € auf aktuell 13,50 € und Lanxess brach von 63 € auf aktuell 16,70 € ein. Sollten die Preise für Öl und Gas weiterhin hoch bleiben, dürfte das die Aktien der genannten Chemiekonzerne weiterhin belasten.
Im Gegensatz zu den hohen Stromkosten leiden hier weltweit alle Chemiekonzerne gleichermaßen. Somit findet keine Wettbewerbsverringerung statt.
Mein Fazit: Momentan sollten sich die Anleger bei allen drei Aktien zurückhalten. Auch wenn die Kurse niedrig sind, besteht die Gefahr, dass sie weiter fallen. Chemie-Aktien gehören deutlich zu den größten Verlierern im Iran-Konflikt.
Tipp: Bleibe mit unserem kostenlosen SD Insider Newsletter immer über die aktuellsten Börsen-Chancen informiert.