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AMS-Osram-Aktie: Kaufen, halten oder verkaufen – was ist ratsam?

Neue Quartalszahlen

Die AMS-Osram-Aktie boomte seit Ende März und der Kurs hat sich rund verdoppelt. Am Montag gewinnt sie aktuell weitere +8,2% und steht bei 18,50 SFR (Schweizer Franken); damit erreichte sie erstmalig wieder das Niveau seit Anfang 2022. Ist der Kursanstieg nachhaltig?

Starkes Quartal erzielt

Der Premstätter Konzern gibt sich mit seinem Quartalsbericht sehr zufrieden und verweist auf das Erreichte in den ersten drei Monaten. Die Werte lagen im oberen Bereich der Erwartungen.

Der Konzernumsatz lag bei 796 Millionen €; somit wurden die Erwartungen von 760 Millionen € klar überschritten. Ein Jahresvergleich ist wenig sinnvoll, da es immer wieder zu Desinvestitionen kommt. Im Halbleiter-Kerngeschäft wurde ein Anstieg von 9% gemeldet.

Das bereinigte EBITDA lag bei 131 Millionen €; daraus ergibt sich eine EBITDA-Marge von 16,5%. Hier lag sie im oberen Bereich der Erwartungen. Aufgrund höherer Finanzierungskosten fiel ein Nettoverlust von 72 Millionen € an.

In der Summe fielen die Werte gut aus, insbesondere im Hinblick auf die Erwartungen.

Aldo Kamper, CEO von Ams-Osram, kommentierte den Geschäftsverlauf so:

Wir haben einen sehr soliden Start in das Geschäftsjahr verzeichnet.

Für das laufende Quartal wird ein Umsatz von 725 bis 825 Millionen € erwartet. Die bereinigte EBITDA-Marge soll bei 15 ± 1,5 % liegen. Gerechnet wird mit einem Dollarkurs von 1,17. Auf Jahressicht wird aufgrund von Einmaleffekten mit einem geringeren EBITDA gerechnet.

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Portfolio weiter bereinigt

Der Verkauf des Entertainment- & Industrial Lamps-Geschäfts wurde im ersten Quartal abgeschlossen. Der Verkauf des nicht optischen Sensorgeschäfts an Infineon soll in der Jahresmitte erfolgen.

Bei dem Eintritt in das Geschäft mit KI-Rechenzentren ist ein wichtiger Schritt gelungen. Mit einem etablierten Infrastrukturpartner im AI-Data-Ökosystem wurde eine wichtige Entwicklungsvereinbarung getroffen.

Der Schwerpunkt der weiteren Transformation liegt darauf, dass das Unternehmen ein führender Anbieter im Bereich Digital Photonics wird. Ein wichtiger Baustein ist, dass das Unternehmen ein entscheidender Partner für die nächste Generation KI‑gestützter Augmented-Reality-Brillen wird.

ℹ️ AMS-Osram in Kürze

  • Die AMS-Osram AG (WKN: A118Z8) ist in der Entwicklung und Herstellung von hochleistungsfähigen Sensorlösungen und Beleuchtungsmodulen tätig.
  • 2019 übernahm AMS den deutschen Osram-Konzern und firmiert seitdem unter dem heutigen Namen. Teile des Osram-Konzerns, die nicht in das Gesamtkonzept passten, wurden verkauft. Der vollständige Konsolidierungskurs dürfte im Jahr 2023 abgeschlossen sein.
  • Neben dem Hauptsitz im österreichischen Premstätten besitzt das Unternehmen weltweit zahlreiche Niederlassungen.
  • Die Aktie ist an der Schweizer Börse gelistet, die Marktkapitalisierung beträgt knapp 1,9 Milliarden SFR.

Fazit

Der starke Kursanstieg ist aus meiner Sicht wirtschaftlich nicht berechtigt. Er dürfte auch nicht nachhaltig sein. Momentan stehen Halbleiterwerte mit Ausrichtung auf KI im Fokus der Anleger.

Die wirtschaftlichen Zahlen fielen im Rahmen der Erwartungen gut aus. Das Unternehmen leidet jedoch weiterhin unter der hohen Verschuldung. Mittels der Desinvestitionen zeichnet sich jedoch ab, dass hier ein zukunftsträchtiger Halbleiterwert entsteht.

Den fairen Wert sehe ich momentan bei 13 SFR. Mittel- und langfristig sind deutlich höhere Kurse gerechtfertigt. Ein Kauf bei dem jetzigen Niveau ist wenig ratsam. Wer gute Kursgewinne erzielte, sollte gelegentlich über eine Mitnahme oder Teilmitnahme nachdenken.

Die Analysten kommen zu sehr unterschiedlichen Einschätzungen. Der Wert der UBS mit 20 SFR ist zwar fast erreicht, dürfte jedoch nicht nachhaltig sein. Das Kursziel von Jefferies mit 8,30 SFR ist zu pessimistisch. Die Transformation ist schon weit fortgeschritten und die Lage des Konzerns ist stabil.

Übrigens: KI sorgt für Disruption bei Software-Firmen. Welche Unternehmen stark betroffen sind, lest Ihr im The Unlucky Seven Report.