AMD-Aktie: Zurück auf alte Hochs?
Am 3. Februar 2026 hat Advanced Micro Devices Zahlen vorgelegt. Und ja, wir geben es zu: Wir haben mit großen Erwartungen auf diesen Bericht gewartet. Vielleicht sogar zu großen. Wer sich 2025 durch die KI-Euphorie treiben ließ, kam an AMD nicht vorbei. Der Umbau zum ernstzunehmenden KI-Infrastruktur-Anbieter läuft sichtbar – und genau das spiegeln die Zahlen wider. Zumindest auf den ersten Blick.
Wir hatten vergangene Woche den Dip genutzt und zum Kauf der AMD-Aktie geraten. Zurecht, wie sich zeigt: Der Kurs konnte sich zwischenzeitlich schon wieder zweistellig erholen und die Marke von 200 US-Dollar deutlich hinter sich lassen.
Beeinruckende Zahlen
AMD hatte für das vierte Quartal einen Umsatz von 10,27 Milliarden Dollar gemeldet, plus 34 % gegenüber Vorjahr. Der Gewinn je Aktie lag deutlich über den Erwartungen. Das operative Ergebnis wurde mehr als verdoppelt. Das sind keine kosmetischen Verbesserungen, das ist operative Hebelwirkung. Wenn der Umsatz um ein Drittel steigt und das operative Ergebnis sich verdreifacht – dann wird aus einem guten Jahr ein Statement.
Das Data-Center-Segment? 5,38 Milliarden Dollar Umsatz, inzwischen mehr als die Hälfte des Gesamtgeschäfts. 39 % Wachstum. Wir erinnern uns noch gut an die Zeiten, als AMD dort kaum eine Rolle spielte. Das ist noch keine Ewigkeit her. Embedded schwächelt etwas, Gaming explodiert mit 50 % Wachstum, Client solide. In Summe: ein Konzern, der in mehreren Zylindern gleichzeitig zündet.
Und trotzdem fiel die Aktie um fast 20 %.
Was den Markt störte
Wir sagen es ungern, aber wir verstehen den Markt hier. Ein Stück weit. Nicht wegen der nackten Zahlen – sondern wegen ihrer Zusammensetzung. Rund 360 Millionen Dollar kamen aus der Auflösung alter Lagerwertberichtigungen für MI308-Bestände. Weitere 390 Millionen aus GPU-Verkäufen nach China, ermöglicht durch ein geopolitisches Zeitfenster, das morgen schon wieder geschlossen sein kann. Zieht man das ab, schrumpft die Margenüberraschung deutlich zusammen.
Ist das schlimm? Nein. Ist es nachhaltig? Eher nicht. Und genau hier liegt der Kern.
Die Aktie war vor den Zahlen mehr als 100 % im Jahresvergleich gestiegen. In solchen Phasen reicht ein kleines „Ja, aber“ – und der Markt schlägt zu. Wir haben das oft gesehen. Vielleicht zu oft. Die Erwartungen waren nicht nur hoch, sie waren überzogen. Wer bei einem KGV jenseits der Vernunft ein perfektes Quartal erwartet, bekommt selten eines.
Kursreaktion war übertrieben
Trotzdem halten wir den Abverkauf für übertrieben. Und wir lehnen uns hier bewusst aus dem Fenster: Wer jetzt verkauft, denkt zu klein. Ja, das ist eine klare Meinung.
Was viele übersehen – oder ignorieren –, ist das, was 2026 und 2027 strukturell verändern könnte. Die Partnerschaft mit OpenAI ist kein PR-Stunt. Es geht um ein 6-GW-Deployment über mehrere GPU-Generationen. Der MI450-Ramp startet in der zweiten Jahreshälfte 2026. Und Umsatz wird verbucht, sobald die Systeme an Rack-Builder ausgeliefert werden. Nicht erst, wenn irgendwo ein Rechenzentrum live geht. Das ist bilanziell relevant. Sehr sogar.
Hinzu kommen Zusagen von Oracle Corporation für zehntausende GPUs in neuen AI-Superclustern. Hewlett Packard Enterprise steigt als OEM für Helios ein. Das bedeutet: komplette Rack-Scale-Systeme, höhere Ticketgrößen, mehr Wertschöpfung pro verkauftem System. AMD verkauft nicht mehr nur Chips. Es verkauft Infrastruktur.
Und dann ist da noch EPYC. Während alle gebannt auf GPUs starren und AMD permanent mit NVIDIA Corporation vergleichen, wächst im Hintergrund das CPU-Geschäft weiter. Agentic AI – Systeme, die iterativ arbeiten, Tools aufrufen, APIs triggern – erzeugt CPU-Last. Viel CPU-Last. Jede GPU zieht Rechenleistung im klassischen Serverbereich nach sich.
AMD kratzt an 30 % Marktanteil im Server-CPU-Segment. Vor acht Jahren war es praktisch null. Das ist keine Marginalie. Wenn der TAM 2026 tatsächlich zweistellig wächst und EPYC Richtung 50 % Marktanteil marschiert, sprechen wir hier von Milliarden zusätzlichem Bruttogewinn. Nicht Vision. Rechenexempel.
Kein Invest ohne Risiken
Natürlich gibt es Risiken. Die Speicherknappheit ist real. Samsung, SK hynix, Micron – sie alle priorisieren HBM für KI-Beschleuniger. DRAM-Preise für Consumer-Geräte sind explodiert. Das trifft PCs, das trifft Konsolen. AMD selbst erwartet 2026 deutliche Rückgänge im Semi-Custom-Bereich. PlayStation, Xbox – wir sind im siebten Jahr des Zyklus. Das merkt man.
Und ja, wenn im ersten Halbjahr 2026 die PC-Nachfrage schwächelt und der MI450-Ramp noch nicht voll greift, kann es ein unschönes Zwischenquartal geben. Oder zwei. Das würde die Aktie belasten. Wahrscheinlich deutlich.
Aber – und hier werden wir bewusst kontrovers – wer glaubt, dass AMD an Speicherpreisen oder einem Konsolenzyklus strukturell scheitert, hat das Geschäftsmodell nicht verstanden. Das ist Timing-Risiko. Kein Fundament-Risiko.
Wir haben in zehn Jahren Börsenredaktion gelernt: Die besten Einstiegszeitpunkte fühlen sich selten gut an. Sie kommen mit Unsicherheit, mit Schlagzeilen, mit „Ja, aber“-Argumenten. Genau jetzt ist so ein Moment.
AMD ist dabei, sich vom reinen Chipdesigner zur KI-Infrastrukturplattform zu entwickeln. Helios, MI450, EPYC, Venice, CDNA-Architekturen – das sind keine isolierten Produktnamen, sondern Bausteine eines mehrjährigen Ertragszyklus. Wer nur von Quartal zu Quartal denkt, sieht nur Volatilität. Wer drei Jahre weiterdenkt, sieht Hebel.
Wir bleiben bullisch
Unser Fazit? Wir bleiben klar auf der Käuferseite. Und ja, wir wissen, dass nicht alle zustimmen werden. Vielleicht irren wir uns. Vielleicht wird der Ramp holpriger als geplant. Vielleicht unterschätzen wir Nvidia noch immer.
Aber nach allem, was wir sehen – und auch nach dem, was wir zwischen den Zeilen lesen –, ist der jüngste Rücksetzer eher Geschenk als Warnsignal.
Und solche Geschenke nimmt man an. Nicht zögerlich. Sondern mit Überzeugung.
Abschließend: Neben AMD können wir noch weitere Top-Picks 2026 präsentieren.
ℹ️ AMD in Kürze
- Advanced Micro Devices (AMD) mit Hauptsitz in Santa Clara im US-Bundesstaat Kalifornien entwickelt und vertreibt Mikroprozessoren, Chipsätze und System-on-a-Chip-Lösungen.
- Eine eigene Fabrikationsstätte hat das Unternehmen seit der Ausgründung der eigentlichen Halbleiterherstellung im Jahr 2009 in Globalfoundries nicht mehr.
- AMD ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500 und hat Marktkapitalisierung von rund 354 Milliarden US$.