Amazon-Aktie: Wird sie noch immer unterschätzt?
Amazon überzeugt weiterhin mit einer bemerkenswert konstanten operativen Entwicklung. Angesichts der Größe des Konzerns ist es alles andere als selbstverständlich, dass Umsatz und Gewinn Quartal für Quartal weiter wachsen. Seit Anfang 2024 verfehlte das Unternehmen die Analystenerwartungen lediglich einmal, was die hohe Verlässlichkeit des Geschäftsmodells unterstreicht.
Die Ende April veröffentlichten Quartalszahlen wurden an der Börse lediglich mit einem moderaten Kursanstieg von rund einem Prozent honoriert. Operativ fiel der Bericht jedoch deutlich stärker aus, als es die Reaktion des Marktes vermuten lässt.
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Breites Wachstum über alle Geschäftsbereiche hinweg
Besonders positiv fiel auf, dass Amazon sowohl in Nordamerika als auch im internationalen Geschäft zweistellige Umsatzsteigerungen erzielte. Dies deutet auf eine weiterhin starke Wettbewerbsposition und eine wachsende Marktdurchdringung hin.
Noch beeindruckender entwickelte sich die Cloud-Sparte AWS. Der Bereich steigerte seinen Umsatz im Jahresvergleich um 28 Prozent auf 37,6 Milliarden US-Dollar. Damit entfielen rund 21 Prozent des gesamten Konzernumsatzes von 181,5 Milliarden US-Dollar auf AWS. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass Amazon längst weit mehr als ein Onlinehändler ist und sich zunehmend als breit aufgestellter Technologiekonzern etabliert.
Sollte sich das hohe Wachstumstempo von AWS fortsetzen, könnte insbesondere die steigende Nachfrage nach KI-Infrastruktur über Jahre hinweg zu einem bedeutenden Wachstumstreiber werden. Entsprechend dürfte die Entwicklung dieses Geschäftsbereichs für Investoren weiterhin von zentraler Bedeutung sein.
Starker Cashflow schafft Spielraum für Zukunftsinvestitionen
Ein weiteres Ausrufezeichen setzte Amazon beim operativen Cashflow. Dieser legte gegenüber dem Vorjahr um 30 Prozent zu. Die steigenden Mittelzuflüsse verschaffen dem Unternehmen zusätzliche finanzielle Flexibilität für die umfangreichen Investitionen in den Ausbau seiner KI- und Cloud-Infrastruktur.
Gleichzeitig zeigt der starke Rückgang des freien Cashflows auf 1,2 Milliarden US-Dollar, dass Amazon derzeit erhebliche Mittel in zukünftiges Wachstum investiert. Angesichts der erwarteten Investitionsausgaben von rund 200 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 dürfte sich diese Strategie kurzfristig kaum ändern.
KI-Offensive gewinnt weiter an Dynamik
Amazon baut seine Position im Bereich Künstliche Intelligenz konsequent aus. Dazu tragen auch mehrere strategisch wichtige Partnerschaften bei.
Die Zusammenarbeit mit dem Chiphersteller NVIDIA stärkt die Wettbewerbsfähigkeit von AWS im Cloud-Geschäft. Gleichzeitig festigt die milliardenschwere Partnerschaft mit Anthropic Amazons Rolle im KI-Ökosystem. Das Unternehmen setzt für das Training und den Betrieb seines Sprachmodells Claude auf die Infrastruktur von AWS. Sollte Anthropic künftig an die Börse gehen und weiterhin starkes Wachstum vorweisen, könnte dies zusätzliche positive Impulse für Amazon liefern.
Megatrends bieten langfristigen Rückenwind
Amazon profitiert von mehreren strukturellen Wachstumsmärkten, die in den kommenden Jahren erheblich expandieren dürften.
Der globale Cloud-Computing-Markt könnte bis zum Ende des Jahrzehnts von rund 750 Milliarden auf etwa 2,39 Billionen US-Dollar wachsen. Dies entspräche einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von rund 20 Prozent.
Auch der Markt für Künstliche Intelligenz entwickelt sich dynamisch. Prognosen gehen davon aus, dass dessen Volumen bis 2033 auf rund 3,5 Billionen US-Dollar steigen könnte. Darüber hinaus dürfte sich der weltweite Markt für Rechenzentren bis 2034 mehr als verdoppeln.
Für Amazon bedeutet dies, dass bereits die Verteidigung der bestehenden Marktanteile erhebliche Wachstumspotenziale eröffnen könnte.
Solide Bilanz und starke Profitabilität
Die Kapitalstruktur des Konzerns wirkt stabil. Zwar belaufen sich die gesamten Verpflichtungen auf rund 236 Milliarden US-Dollar, gleichzeitig verfügt Amazon jedoch über liquide Mittel in Höhe von etwa 143 Milliarden US-Dollar.
Bemerkenswert ist zudem, dass das Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten rund 1,9 Milliarden US-Dollar an Nettozinserträgen erwirtschaftete. Damit profitiert Amazon von seinem hohen Liquiditätsbestand und den gestiegenen Zinsen.
Auch operativ bleibt der Konzern den Wettbewerbern überlegen. In den vergangenen zwölf Monaten wuchs der Umsatz um 14 Prozent und damit mehr als dreimal so schnell wie der Branchendurchschnitt. Für die kommenden Jahre erwarten Analysten weiterhin zweistellige Wachstumsraten.
Noch deutlicher fällt der Vergleich beim Gewinnwachstum aus. Der Nettogewinn stieg zuletzt um 36 Prozent und übertraf damit die Entwicklung vieler Wettbewerber deutlich. Gleichzeitig erzielt Amazon überdurchschnittliche Margen. Die Bruttomarge von rund 51 Prozent liegt klar über dem Branchenschnitt, während die Nettomarge von etwa 12 Prozent nahezu das Dreifache des Vergleichswerts erreicht.
Beständigkeit bleibt ein entscheidender Wettbewerbsvorteil
Ein wesentlicher Pluspunkt von Amazon bleibt die hohe Verlässlichkeit der Geschäftsentwicklung. Analysten trauen dem Konzern bis zum Ende des Jahrzehnts weiterhin zweistellige Wachstumsraten bei Umsatz und Gewinn zu.
Angesichts der starken Marktposition, der führenden Rolle in mehreren Zukunftsmärkten und der enormen Größe des Unternehmens erscheint dieses Szenario durchaus realistisch. Sollte die operative Entwicklung auf dem aktuellen Niveau bleiben, könnte die Börse dem Unternehmen künftig wieder höhere Bewertungsmultiplikatoren zugestehen.
Welche Risiken Anleger im Blick behalten sollten
Trotz der positiven Perspektiven existieren auch Risiken. Die aktuelle Bewertung setzt voraus, dass Amazon sein Wachstumstempo weitgehend aufrechterhalten kann. Schwächere Prognosen oder eine nachlassende Nachfrage könnten den Spielraum für steigende Kurse begrenzen.
Zudem wäre eine Stagnation oder ein Rückgang der Margen ein Warnsignal. Sinkende Margen könnten auf nachlassende Preissetzungsmacht oder eine schwächere Nachfrage nach den Dienstleistungen des Konzerns hindeuten und damit das Gewinnwachstum belasten.
Darüber hinaus bleibt Amazon als eines der größten Unternehmen der Welt anfällig für allgemeine Marktkorrekturen. In Phasen erhöhter Unsicherheit geraten häufig gerade die größten und erfolgreichsten Technologiewerte unter Druck.
Nicht zuletzt besteht ein gewisses Opportunitätsrisiko. In den vergangenen fünf Jahren blieb die Kursentwicklung hinter dem breiten Markt zurück. Anleger könnten daher verstärkt nach alternativen Wachstumswerten Ausschau halten.
Bewertung erscheint weiterhin attraktiv
Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 28 ist Amazon zwar kein Schnäppchen. Angesichts der hohen Wachstumsraten erscheint die Bewertung jedoch keineswegs überzogen.
Interessant ist dabei, dass sich die fundamentale Entwicklung zuletzt verbessert hat, während die Bewertungskennzahlen gleichzeitig zurückgegangen sind. Historisch wurde Amazon häufig mit deutlich höheren Bewertungsaufschlägen gehandelt. Sollte das Unternehmen seinen Wachstumskurs beibehalten, bleibt eine Neubewertung der Aktie nach oben möglich.
Auch das Verhältnis von Wachstum zu Bewertung spricht nicht gegen die Aktie. Das erwartete PEG-Verhältnis liegt sogar leicht unter dem Branchendurchschnitt.
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Fazit
Amazon vereint hohe Wachstumsraten, starke Profitabilität und attraktive Positionen in mehreren Zukunftsmärkten. Bleibt die operative Entwicklung auf Kurs, erscheint eine höhere Bewertung der Aktie in den kommenden Jahren durchaus möglich.
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