Amazon-Aktie: Wird sie dieses Jahr zum Outperformer?
Die Aktie von Amazon hat sich in den vergangenen zwölf Monaten nur wenig bewegt und blieb hinter anderen Technologiewerten zurück. Dennoch mehren sich die Hinweise, dass der Konzern mit seiner strategischen Ausrichtung und enormen Investitionskraft gute Chancen hat, im Jahr 2026 zu den stärkeren Vertretern der sogenannten Mag-7 zu zählen.
Die zuletzt verhaltene Kursentwicklung von Amazon steht im Kontrast zur operativen Breite des Unternehmens. Der Konzern zählt zu den am stärksten diversifizierten Technologieriesen und verfügt über mehrere gegenwärtige und künftige Cashflow-Quellen. In diese Kategorie fallen neben Amazon auch Alphabet, Microsoft und Meta Platforms. Allen gemeinsam ist ein dominantes Kerngeschäft, flankiert von hohen Ausgaben für Forschung und Entwicklung, mit denen kontinuierlich neue Wachstumstreiber entstehen sollen.
Forschungsausgaben als Maßstab für Innovationskraft
Abseits von Pharma- und Halbleiterunternehmen gilt der Anteil der Forschungs- und Entwicklungskosten am Umsatz als verlässlicher Indikator für Innovationsfähigkeit. Unternehmen mit hohen Quoten können häufig Produkte oder Dienstleistungen präsentieren, die den Markt überraschen und kurzfristig starke Kursbewegungen auslösen. Statt Gewinne zu maximieren, fließt ein erheblicher Teil der Mittel bewusst in neue Ideen.
Der legendäre Investor Warren Buffett ließ sich früh von Phil Fisher inspirieren, der insbesondere immaterielle Faktoren analysierte. Ein zentrales Signal war für ihn eine überdurchschnittlich hohe F&E-Quote im Vergleich zur Konkurrenz. Genau dieser Ansatz zeigt, wie ernst es Unternehmen mit langfristiger Innovation meinen.
Amazon im Vergleich der Mag-7-Investitionen
Ein Blick auf die aktuellen Zahlen verdeutlicht die Dimensionen. Meta Platforms investiert gemessen am Umsatz am aggressivsten in Forschung und Entwicklung. Alphabet und Amazon folgen dicht dahinter und liegen nahezu gleichauf. Besonders bemerkenswert ist dies angesichts der enormen Umsatzbasis dieser beiden Konzerne. Während Meta prozentual führt, bewegen sich die absoluten Ausgaben von Amazon und Alphabet bereits heute auf einem Niveau, das ganze Branchen überragt.
Mit weiter steigenden Erlösen könnte Amazon perspektivisch in Regionen vorstoßen, in denen ein Jahresumsatz von einer Billion US-Dollar und F&E-Ausgaben von rund 100 Milliarden US-Dollar realistisch erscheinen. Allein diese Innovationsbudgets würden dann die Marktkapitalisierung vieler Unternehmen im S&P 500 übertreffen.
Künstliche Intelligenz als strategischer Hebel
Ein wesentlicher Teil der Investitionen fließt in künstliche Intelligenz. Besonders die Partnerschaft mit Anthropic und dessen Modell Claude gilt als strategisch bedeutsam. Amazon treibt hierfür den Ausbau seiner Infrastruktur massiv voran und betreibt unter dem Namen Project Rainier einen neuen KI-Rechenzentrumskomplex im Volumen von rund elf Milliarden US-Dollar, in dem Claude-Modelle auf Hunderttausenden hauseigener Trainium-2-Chips laufen.
Damit entsteht eine enge Verbindung, die in ihrer Bedeutung mit der Kooperation von OpenAI und Microsoft vergleichbar ist. Claude hat sich insbesondere bei der Erstellung komplexer juristischer Texte und Vertragswerke einen Namen gemacht und zeigt dort eine Präzision, die über viele andere KI-Anwendungen hinausgeht. Dieses Einsatzfeld könnte langfristig vor allem kleinen und mittleren Unternehmen erhebliche Kostenvorteile verschaffen.
Fortschritte bei Software- und Chipentwicklung
Auch im Bereich Softwareentwicklung gewinnt Claude an Bedeutung. In Entwicklerkreisen wird das Modell zunehmend als leistungsfähiges Werkzeug wahrgenommen, um Programmierprojekte effizienter abzuschließen. Parallel dazu verfolgt Amazon eine ambitionierte Halbleiterstrategie. Wie Alphabet setzt der Konzern auf eigene ASIC-Chips, die speziell für KI-Workloads konzipiert sind, und positioniert sich damit als Alternative zu den GPUs von NVIDIA.
Diese Spezialisierung könnte langfristig Kostenvorteile bringen und die Abhängigkeit von externen Chipanbietern reduzieren. Ob sich ASIC-Lösungen vollständig gegen klassische GPUs durchsetzen, dürfte zu den entscheidenden technologischen Fragen der kommenden Jahre zählen.
AWS bleibt das Rückgrat des Konzerns
Trotz einzelner Ausfälle und einer im Vergleich zu kleineren Wettbewerbern moderateren Wachstumsdynamik bleibt Amazon Web Services der führende Cloud-Anbieter. Die schiere Größe des Systems bringt zwangsläufig operative Herausforderungen mit sich, doch der Wechsel großer Unternehmenskunden zu anderen Plattformen gilt als äußerst unwahrscheinlich. Damit bleibt AWS der wichtigste Ertragsbringer des Konzerns.
Dominanz im Handel und wachsende Rolle im Lebensmittelgeschäft
Parallel dazu behauptet Amazon seine Vormachtstellung im Onlinehandel. Gerade in der Hochsaison zeigt sich, wie selbstverständlich der Konzern für Konsumenten geworden ist. Hinzu kommt das stetig wachsende Lebensmittelgeschäft rund um Whole Foods, das mit Eigenmarken und innovativen Konzepten zunehmend Marktanteile gewinnt und Druck auf klassische Gastronomie- und Handelsmodelle ausübt.
Bewertung im Fokus
Einige namhafte Investoren wie Nick Sleep, Qais Zakaria oder Bill Miller betrachten hohe F&E-Ausgaben nicht als reine Kosten, sondern als eine Art einbehaltenen Gewinn, der zukünftiges Wachstum ermöglicht. Wird die Forschungsquote aus dem operativen Ergebnis herausgerechnet, ergibt sich für Amazon über mehrere Jahre hinweg ein beachtliches Wachstum der bereinigten Ertragskraft.
Auf dieser Basis lässt sich ein fairer Wert ableiten, der in der Größenordnung von etwas über 300 US-Dollar je Aktie liegt und damit leicht oberhalb der durchschnittlichen Analystenschätzungen an der Wall Street.
Auch bilanziell steht Amazon robust da. Die langfristigen Verbindlichkeiten liegen nur geringfügig über dem EBITDA, während hohe liquide Mittel zusätzliche Stabilität bieten. Ein Schwachpunkt bleibt die fortlaufende Verwässerung durch neue Aktien, da der Konzern bislang auf umfangreiche Aktienrückkäufe verzichtet.
Bewertungskennzahlen wie das erwartete EV/EBITDA zeigen zudem, dass Amazon im Vergleich zu anderen Mag-7-Titeln eher am unteren Ende der Skala notiert und nur von Meta Platforms unterboten wird.
Chancen, Risiken und Ausblick
Das größte Risiko liegt in einer möglichen weiteren Abkühlung des Cloud-Wachstums bei gleichzeitig steigender Dynamik kleinerer Wettbewerber. Da der Markt AWS als zentralen Gewinnmotor betrachtet, reagieren Investoren besonders sensibel auf Veränderungen in diesem Segment. Gelingt es Amazon jedoch, KI-Workloads effizienter über eigene Chips abzuwickeln, könnte dies zum entscheidenden Impuls für Margen und Bewertung werden.
Insgesamt präsentiert sich Amazon fundamental solide, innovationsstark und vergleichsweise moderat bewertet. Vor diesem Hintergrund erscheint die Aktie gut positioniert, um mittelfristig wieder stärker in den Vordergrund zu rücken.
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ℹ️ Amazon in Kürze
- Amazon (WKN: 906866) mit Hauptsitz in Seattle im US-Bundesstaat Washington ist ein global agierender Online-Versandhändler mit einer breit gefächerten Produktpalette.
- In vielen Produktkategorien ist Amazon der weltweit führende Einzelhändler. Über die Verkaufs- und Logistikplattform des Konzerns können auch Privatpersonen und andere Händler ihre Produkte anbieten.
- Neben seiner marktführenden Position im E-Commerce ist Amazon über seine Sparte Web Services auch der weltweit größte Anbieter von Cloud Computing-Diensten.
- Amazon notiert im Nasdaq 100 sowie im S&P 500 Index und ist mit einem aktuellen Börsenwert von ca. 2,42 Billionen US$ das fünftwertvollste Unternehmen der Welt.