Amazon-Aktie: Ab jetzt wieder im Aufwind?
Die Aktie von Amazon.com hatte Anfang Februar einen deutlichen Kurssturz erfahren. Dennoch sehen viele Investoren weiterhin ein außergewöhnlich starkes Geschäftsmodell hinter dem Konzern, dessen Wachstumstreiber von E-Commerce bis Cloud-Infrastruktur reichen. Das zeigt sich auch anhand der jüngsten Kurserholung.
Der Erfolg von Amazon basiert auf einem einfachen Prinzip, das häufig mit einer Aussage von Unternehmensgründer Jeff Bezos beschrieben wird. Statt zu spekulieren, was sich in zehn Jahren verändern könnte, konzentriert sich das Unternehmen auf Faktoren, die sich kaum ändern werden: niedrige Preise, komfortables Einkaufen und schnelle Lieferung.
Dieses Prinzip erklärt die Stärke des Marktplatzgeschäfts. Gleichzeitig hat sich in den vergangenen Jahren ein weiterer Bereich zum zentralen Wachstumstreiber entwickelt: das Cloudgeschäft.
Besonders beeindruckend ist dabei die Entwicklung von Amazon Web Services, das inzwischen als größte Cloudplattform der Welt gilt. Während ein Teil des Marktes skeptisch auf die steigenden Investitionen reagiert, wird diese Entwicklung von einigen Investoren eher als notwendiger Schritt für weiteres Wachstum interpretiert.
Kursrückgang nach Zahlenvorlage
Nach Veröffentlichung der jüngsten Quartalszahlen im Februar hatte die Amazon-Aktie zunächst fast 20% an Wert eingebüßt. Zuvor hatte sich die Aktie länger seitwärts entwickelt. In den letzten Tagen kehrten vermehrt Käufer zurück in den Markt und schoben den Titel wieder ein gutes Stück nach oben.
Aus langfristiger Perspektive sehen wir die Kurskorrektur wie andere Marktbeobachtern auch eher als kurzfristige Bewegung betrachtet, die neue Einstiegsgelegenheiten eröffnet.
Niedrigere Bewertung eröffnet Chancen
In den vergangenen sechs Monaten wurde die Aktie meist mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 30 bewertet. Nach der Veröffentlichung der Ergebnisse fiel dieser Wert auf rund 27.
Angesichts der Marktstellung des Unternehmens erscheint diese Bewertung aus Sicht vieler Beobachter vergleichsweise niedrig. Amazon ist nicht nur der größten Onlinehändler der Welt, sondern auch ein zentraler Anbieter globaler Cloudinfrastruktur.
Historisch betrachtet gelten deutliche Bewertungsrückgänge bei etablierten Qualitätsunternehmen häufig als attraktive Einstiegsmöglichkeiten. In Kombination mit weiter wachsender Skalierung und steigender Profitabilität sehen manche Investoren daher Potenzial für zweistellige Renditen.
Die Debatte um steigende Investitionen
Ein wesentlicher Grund für die negative Kursreaktion sind die stark steigenden Investitionen in Rechenzentren. Diese Entwicklung betrifft nicht nur Amazon, sondern auch andere große Technologieunternehmen wie Microsoft.
Die steigenden Ausgaben stehen im Zusammenhang mit dem rasanten Wachstum der Cloud- und KI-Infrastruktur. Dabei ist die Bewertung dieser Investitionen komplexer, als sie auf den ersten Blick erscheint.
Ein Teil der Investitionen fließt nicht direkt in das Cloudsegment selbst, sondern unterstützt auch andere Geschäftsfelder wie KI-Anwendungen oder Softwareprodukte. Deshalb lässt sich der Erfolg solcher Ausgaben nicht ausschließlich an der kurzfristigen Entwicklung einzelner Cloudumsätze messen.
Steuerliche Anreize treiben Investitionen an
Hinzu kommen politische Rahmenbedingungen. In den USA wurde im vergangenen Jahr ein Gesetz verabschiedet, das Investitionen in Produktionsanlagen und Infrastruktur steuerlich begünstigt.
Unternehmen können Investitionen in bestimmte Anlagen nun vollständig im Jahr der Anschaffung steuerlich geltend machen, statt die Kosten über mehrere Jahre abzuschreiben. Für große Technologieunternehmen mit Milliardeninvestitionen in Rechenzentren entstehen dadurch erhebliche kurzfristige Steuervorteile.
Diese Regelung verbessert den Cashflow und schafft zusätzliche Anreize für den Ausbau von Infrastruktur. Viele der großen Cloudanbieter haben deshalb ihre Investitionsbudgets deutlich erhöht.
Wachsende Nachfrage nach KI-Infrastruktur
Die steigenden Ausgaben sind vor allem eine Reaktion auf eine enorme Nachfrage nach Rechenleistung. Besonders Anwendungen im Bereich künstlicher Intelligenz treiben den Bedarf an neuen Rechenzentren stark nach oben.
Analysen von S&P Global gehen davon aus, dass die Investitionen großer US-Technologiekonzerne in Infrastruktur bis 2026 auf mehr als 700 Milliarden Dollar steigen könnten. Das entspräche einem Wachstum von über 60 Prozent gegenüber bisherigen Prognosen.
Aus dieser Perspektive spiegeln die hohen Investitionen weniger ein Risiko wider als vielmehr eine Reaktion auf stark steigende Nachfrage.
Deutliche Fortschritte im operativen Geschäft
Die Geschäftszahlen für das vierte Quartal 2025 zeigen ein solides Wachstum. Der Umsatz stieg insgesamt um mehr als zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Besonders stark entwickelten sich die beiden Handelssegmente Nordamerika und International. Trotz Unsicherheiten rund um mögliche US-Zölle verzeichnete das Nordamerika-Geschäft ein Wachstum von zehn Prozent, während das internationale Segment um 13 Prozent zulegte.
Noch wichtiger ist die Entwicklung der Profitabilität. Beide Bereiche erreichten 2025 ihre bislang höchsten operativen Margen.
In Nordamerika lag die operative Marge bei 6,9 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2014. Das internationale Geschäft erreichte eine Marge von 2,9 Prozent und ebenfalls einen Rekordwert.
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AWS bleibt der wertvollste Geschäftsbereich
Auch im Cloudsegment setzte sich das Wachstum fort. Der Umsatz von AWS legte um rund 20 Prozent zu und beschleunigte sich damit im Vergleich zu den Vorjahren.
Besonders bemerkenswert ist die hohe Profitabilität: Die operative Marge lag bei über 35 Prozent.
AWS gilt inzwischen als zentraler Gewinnmotor des Konzerns. Die Plattform bleibt Marktführer im globalen Cloudgeschäft und konkurriert vor allem mit Angeboten von Microsoft und Alphabet Inc..
Ein weiterer Wettbewerbsvorteil besteht in der großen Funktionsbreite der Plattform. AWS bietet ein umfangreiches Ökosystem aus Infrastruktur, KI-Tools und Entwicklerdiensten, das sowohl von großen Unternehmen als auch von Start-ups genutzt wird.
Geopolitische und wettbewerbliche Risiken
Trotz der starken Fundamentaldaten ist Amazon nicht frei von Risiken. Geopolitische Spannungen, insbesondere Handelskonflikte oder militärische Eskalationen im Nahen Osten, könnten das Geschäft beeinträchtigen.
Auch Handelszölle stellen ein potenzielles Risiko dar. Sollten neue Zölle auf Importe aus wichtigen Handelspartnern wie China eingeführt werden, könnten die Kosten entlang der Lieferketten steigen. Dies würde sowohl Händler auf der Plattform als auch Verbraucher betreffen.
Darüber hinaus bleibt der Cloudmarkt hart umkämpft. Sowohl Microsofts Azure-Plattform als auch die Cloudangebote von Alphabet wachsen weiterhin dynamisch und konkurrieren um Unternehmenskunden.
Langfristige Perspektive für die Aktie
Trotz der in diesem Jahr bislang enttäuschenden Kursentwicklung sprechen die operativen Entwicklungen für ein weiterhin robustes Geschäftsmodell. Die Handelssegmente erreichen Rekordmargen, während AWS seine Marktführerschaft behauptet und von der KI-Welle profitiert.
Diese Faktoren deuten nicht auf ein Unternehmen hin, das strukturelle Probleme hat.
Gleichzeitig erscheint die aktuelle Bewertung im historischen Vergleich moderat. Ein erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 27 liegt unter dem Niveau, das Investoren in der Vergangenheit häufig für ein Unternehmen mit dieser Marktstellung bezahlt haben.
Sollte sich das Wachstum fortsetzen und die Bewertung wieder an frühere Niveaus annähern, sind mit der Amazon-Aktie aus unserer Sicht solide zweistellige Renditen zu erwarten.
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ℹ️ Amazon in Kürze
- Amazon (WKN: 906866) mit Hauptsitz in Seattle im US-Bundesstaat Washington ist ein global agierender Online-Versandhändler mit einer breit gefächerten Produktpalette.
- In vielen Produktkategorien ist Amazon der weltweit führende Einzelhändler. Über die Verkaufs- und Logistikplattform des Konzerns können auch Privatpersonen und andere Händler ihre Produkte anbieten.
- Neben seiner marktführenden Position im E-Commerce ist Amazon über seine Sparte Web Services auch der weltweit größte Anbieter von Cloud Computing-Diensten.
- Amazon notiert im Nasdaq 100 sowie im S&P 500 Index und ist mit einem aktuellen Börsenwert von ca. 2,33 Billionen US$ das fünftwertvollste Unternehmen der Welt.