Alphabet-Aktie überholt Apple: Mehr als eine Momentaufnahme?
Alphabet hat Apple bei der Marktkapitalisierung überholt und damit ein seltenes Ereignis an den Finanzmärkten markiert. Während die Apple-Aktie zuletzt nachgab und der S&P 500 nahezu unverändert tendierte, legten die Alphabet-Papiere leicht zu. Diese relative Stärke deutet darauf hin, dass die Anlegerstimmung gegenüber dem Unternehmen noch nicht ausgereizt ist.
Nach den Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2025 wurde Alphabet von vielen Marktbeobachtern deutlich positiver eingeschätzt. Der Konzern profitiert gleich von mehreren langfristigen Wachstumstreibern, die derzeit das Narrativ rund um die Aktie prägen. Dazu zählen KI-gestützte Anwendungen für Endkunden mit Gemini, eigene KI-Chips aus der TPU-Entwicklung sowie autonome Mobilität durch Waymo.
Im Bereich autonomes Fahren hat Waymo in den USA einen klaren Vorsprung vor Wettbewerbern wie Tesla aufgebaut. Mitte Dezember absolvierte der Dienst bereits rund 450.000 vollständig autonome, bezahlte Fahrten pro Woche, während andere Anbieter noch in der Testphase stecken. Der Blick richtet sich daher vor allem auf das Potenzial von Gemini und den eigenen KI-Chips.
Gemini gewinnt an Boden gegenüber ChatGPT
Die These, dass Gemini im Wettbewerb mit ChatGPT aufholt, lässt sich zunehmend mit Daten untermauern. Für einen fairen Vergleich sind vor allem Kennzahlen zur Nutzerakzeptanz entscheidend, darunter App-Nutzung, Web-Traffic und eingebettete Nutzung über Schnittstellen.
Die jüngsten Zahlen zu monatlich aktiven Nutzern zeigen ein deutliches Wachstum bei Gemini. Zwischen August und November 2025 stieg die Nutzerzahl um 30 Prozent auf 346 Millionen, während ChatGPT im selben Zeitraum lediglich um sechs Prozent zulegte und auf 810 Millionen Nutzer kam. Trotz des weiterhin bestehenden Abstands überzeugt Gemini damit vor allem durch seine Dynamik.
Auch beim Web-Traffic zeigt sich ein ähnliches Bild. Im Dezember ging der Besucherstrom auf chatgpt.com gegenüber dem Vormonat zurück, während gemini.google.com kräftig zulegen konnte. Zwar bleibt ChatGPT mit deutlich höheren absoluten Zugriffszahlen führend, doch das Momentum liegt klar bei Alphabet.
Wann Gemini die Spitzenposition erreichen könnte
Unter der Annahme, dass sich die aktuellen Wachstumsraten fortsetzen, könnte Gemini innerhalb von rund zwölf Monaten zu ChatGPT aufschließen. Diese Einschätzung basiert auf konservativen Annahmen und berücksichtigt nur die unabhängig erhobenen Nutzerzahlen, nicht die höheren, von Alphabet selbst genannten Werte. Sollte sich das Wachstumstempo halten, könnte sich der Abstand schneller schließen als bislang erwartet.
Eigene KI-Chips als Hoffnungsträger mit Einschränkungen
Neben der Software rücken auch die eigenen KI-Chips von Google in den Fokus der Investoren. Die Tensor Processing Units sollen langfristig die Abhängigkeit von Nvidia reduzieren und die Kosten senken. Schätzungen zufolge wären entsprechende Rechencluster deutlich günstiger in der Anschaffung und Abschreibung als vergleichbare Systeme auf GPU-Basis.
Allerdings relativiert sich dieser Vorteil beim Blick auf die Energieeffizienz. Aktuelle Nvidia-GPUs arbeiten bei Inferenzaufgaben effizienter als Googles neueste TPU-Generation. Zudem hat Nvidia weitere technologische Fortschritte angekündigt, die die Kosten pro Recheneinheit nochmals deutlich senken könnten. In einer Phase, in der Energie zum Engpassfaktor beim Ausbau von Rechenzentren wird, bleibt der Effizienzvorsprung ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.
Bewertung spiegelt neues Wachstumsselbstverständnis wider
Alphabet wird an der Börse inzwischen nicht mehr als defensiver Wert wahrgenommen, sondern als klarer Wachstumstitel. Das zeigt sich auch in der Bewertung. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 30 hat die Aktie deutlich aufgewertet und liegt im Bereich anderer großer Technologiekonzerne.
Diese Neubewertung wird durch steigende Gewinnschätzungen für das Jahr 2026 gestützt. Analysten reagieren damit vor allem auf die wachsende Bedeutung von Gemini und die Chance, OpenAI im Konsumentenmarkt ernsthaft herauszufordern.
Politische und technische Risiken bleiben präsent
Kurzfristig könnten regulatorische Entscheidungen für Unsicherheit sorgen. Im Februar steht eine Entscheidung der Europäischen Kommission über die geplante Übernahme des Cybersecurity-Unternehmens Wiz an. Auch wenn Alphabet in diesem Bereich keine marktbeherrschende Stellung einnimmt, gilt das politische Umfeld als schwer kalkulierbar.
Hinzu kommt eine spürbare Rotation an den Aktienmärkten weg von Technologieaktien. Technische Indikatoren deuten darauf hin, dass ein anhaltender Abgabedruck in entsprechenden Sektoren auch Alphabet belasten könnte, selbst wenn die fundamentale Entwicklung stabil bleibt.
Ausblick bleibt konstruktiv
Die Ausgangslage für Alphabet bleibt insgesamt attraktiv. Entscheidend wird sein, ob Gemini sein hohes Nutzerwachstum ohne deutliche Abschwächung fortsetzen kann und ob regulatorische Risiken beherrschbar bleiben. Gelingt dies, dürfte die aktuelle Bewertung Bestand haben.
Als zweitwertvollstes Unternehmen der Welt testet die Aktie erneut ihre Höchststände. Aus heutiger Sicht spricht wenig dagegen, dass ein nachhaltiger Ausbruch über die Marke von 330 US-Dollar gelingt.
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ℹ️ Alphabet in Kürze
- Alphabet Inc. (WKN: A14Y6H) ist eine im kalifornischen Mountain View ansässige Holding und Muttergesellschaft der weltgrößten Suchmaschine Google.
- Neben Google betreibt Alphabet auch die Videoplattform YouTube und ein Cloud-Business. Zudem gehören zahlreiche Venture-Unternehmen, wie beispielsweise DeepMind und Waymo, zur Holding.
- Alphabet ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500. Der Konzern wird zu den sogenannten „Big Five“ der Technologieindustrie gezählt und ist aktuell rund 3,94 Billionen US$ wert.