AbbVie-Aktie: Ein gesunder Kauf
Die Aktie von AbbVie hatte nach der Vorlage starker Quartalszahlen zu Monatsbeginn zunächst spürbar nachgegeben. Doch mittlerweile zeigt der Kurs wieder positive Tendenzen – zurecht, wie wir finden.
Im vierten Quartal steigerte der Pharmakonzern den Umsatz um 10,1 Prozent auf 16,6 Milliarden Dollar und übertraf damit interne Basiserwartungen deutlich. Treiber waren insbesondere die anhaltend hohe Nachfrage nach Skyrizi, Qulipta und Elahere. Auch beim bereinigten Gewinn je Aktie übertraf der Konzern – wie bereits in den vier vorangegangenen Quartalen – die Konsensschätzungen, diesmal um sechs Cent.
Dennoch verlor die Aktie am Tag der Veröffentlichung 5,1 Prozent – ein Hinweis darauf, dass der Markt stärker auf künftige Entwicklungen als auf die reine Zahlenlage blickt.
Tipp: Melde Dich für unseren kostenlosen SD Insider Newsletter an, um keine spannenden Entwicklungen und außergewöhnlichen Chancen zu verpassen!
Strategischer Zukauf stärkt Onkologie-Pipeline
Ein zentraler Schritt erfolgte bereits Mitte Januar mit einer 5,6 Milliarden Dollar schweren Vereinbarung mit RemeGen. AbbVie sicherte sich die Rechte an RC148, einem bispezifischen Antikörper gegen PD-1 und VEGF zur Behandlung fortgeschrittener solider Tumoren.
Daten aus einer Phase-1/2-Studie NCT06016062 zeigen bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs unter einer Kombination aus RC148 und Docetaxel eine objektive Ansprechrate von 66,7 Prozent bei höherer Dosierung. Die niedrigere Dosierung erreichte 28,6 Prozent. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass RC148 das Potenzial besitzt, sich perspektivisch als neuer Therapiestandard in diesem Indikationsfeld zu etablieren.
Qulipta überzeugt klinisch und kommerziell
Auch im Migränebereich meldet AbbVie Fortschritte. In der Phase-3-Studie ECLIPSE NCT06241313 erreichten 24,3 Prozent der mit Qulipta behandelten Patienten zwei Stunden nach Einnahme Schmerzfreiheit. In der Placebogruppe lag der Wert bei 13,1 Prozent.
Parallel dazu wuchsen die Umsätze des CGRP-Rezeptorantagonisten um 43,3 Prozent auf 288 Millionen Dollar. Damit entwickelt sich Qulipta sowohl klinisch als auch kommerziell zu einer wichtigen Säule des Portfolios.
Immunologie bleibt zentraler Wachstumsmotor
Der Kern der Investmentthese bleibt jedoch das zweistellige Wachstum im Immunologiegeschäft. Zwar erzielten die Onkologiepräparate 1,66 Milliarden Dollar Umsatz, was einem leichten sequenziellen Rückgang entspricht, doch das strategische Rückgrat bilden weiterhin Humira, Rinvoq und Skyrizi.
Humira, einstiger Milliardenblockbuster, überraschte im vierten Quartal mit einem Umsatz von rund 1,25 Milliarden Dollar, ein Plus von 25,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Dennoch dürfte sich der strukturelle Abwärtstrend fortsetzen, da große Versicherer wie CVS Health zunehmend auf kostengünstige Biosimilars setzen. Konzernchef David Joyner berichtete von einer 96-prozentigen Umstellung auf preisgünstige Alternativen innerhalb des eigenen Netzwerks. Für 2026 ist daher mit weiter sinkender Nachfrage nach dem Originalpräparat zu rechnen.
Skyrizi und Rinvoq kompensieren Humira-Rückgang
Gleichzeitig gewinnen Skyrizi und Rinvoq weiter an Dynamik. Skyrizi überschritt erstmals die Marke von fünf Milliarden Dollar Jahresumsatz. Rinvoq legte im Schlussquartal um 29,4 Prozent auf 2,38 Milliarden Dollar zu.
Wettbewerbsdruck kommt unter anderem von Johnson & Johnson, dessen Präparat Tremfya im vierten Quartal 67,4 Prozent Wachstum verzeichnete. Dennoch sieht sich AbbVie gut positioniert. Unternehmenschef Rob Michael verwies auf einen Verschreibungsanteil von über 45 Prozent im US-Markt für Biologika gegen Psoriasis sowie auf hohe Wechselraten zugunsten von Skyrizi. Die Kombination aus Wirksamkeit, anhaltender Hautklarheit und quartalsweiser Dosierung gilt als klarer Wettbewerbsvorteil.
Schwäche im Augenheilkunde-Segment belastet
Weniger erfreulich entwickelt sich das Geschäft mit Augenheilmitteln. Der Umsatz sank um 10,2 Prozent auf 580 Millionen Dollar. Hintergrund sind unter anderem Generikaversionen von Combigan, die von Sandoz und Apotex auf den Markt gebracht wurden. Dieses Segment bleibt damit ein Unsicherheitsfaktor.
Technische Lage und Ausblick auf 2026
Seit mehreren Monaten bewegt sich die Aktie in einer Spanne zwischen 210 und 234 Dollar. Jüngst kam es zu einem Ausbruchsversuch über die obere technische Begrenzung, was auf zunehmenden Optimismus im Markt hindeutet.
Skyrizi und Rinvoq haben zusammen bereits 31 Milliarden Dollar Umsatz generiert und liegen damit über der langfristigen Zielmarke für 2027. Selbst intensiver Wettbewerb durch Bristol-Myers Squibb, Sanofi und andere große Pharmakonzerne konnte die Dynamik bislang nicht bremsen.
Zusätzliche Fantasie liefert die beantragte Indikationserweiterung von Upadacitinib bei nicht-segmentaler Vitiligo. Entsprechende Anträge wurden Anfang Februar bei der US-Arzneimittelbehörde und der europäischen Zulassungsbehörde eingereicht. Die zugrunde liegenden Studiendaten aus dem Viti-Up-Programm zeigen signifikante Verbesserungen bei zentralen Endpunkten nach 48 Wochen.
Allzeithoch nicht weit entfernt
Für 2026 stellt AbbVie schließlich ein deutliches Gewinnwachstum in Aussicht. Das bereinigte verwässerte Ergebnis je Aktie soll von 10 Dollar auf 14,37 bis 14,57 Dollar steigen – ein Zuwachs von rund 45 Prozent. Sollte diese Prognose erreicht werden, dürfte die Aktie weiter Unterstützung finden und ihr Allzeihoch von 244,81 US-Dollar unabhängig kurzfristiger Volatilitäten deutlich hinter sich lassen.
Tipp: Mitglieder des auf Biotech-Aktien spezialisierten No Brainer Club kommen derzeit aus dem Feiern nicht mehr raus. Du möchtest das Mastermind hinter den NBC-Empfehlungen kennenlernen? Dann sichere Dir jetzt den kostenlosen Newsletter von Biotech-Profi Maximilian Ruth.