Am heutigen Donnerstag rutschte der Nasdaq 100 zeitweise um mehr als 6% ab, Nvidia verlor rund 8% und fiel damit zurück auf das Kursniveau vom April. In Europa traf es ASML mit einem Minus von über 9% besonders hart. Ist das der Beginn einer größeren Korrektur im KI-Sektor oder eine Übertreibung nach unten?
Wahlsieg verschärft Lage
Auslöser der Verwerfungen sind die US-Zwischenwahlen und der Sieg der Demokraten. Salah-Eddine Bouhmidi vom Broker IG verweist auf die Furcht der Anleger, dass strengere Auflagen den Ausbau von Rechenzentren bremsen und Projekte verzögern könnten. Diese politischen Risiken treffen auf eine Unsicherheit, die schon länger schwelt, wann sich die milliardenschweren Investitionen in künstliche Intelligenz tatsächlich auszahlen. Verzögerungen beim Ausbau könnten die Geduld der Investoren laut Bouhmidi zusätzlich strapazieren.
Bereits am Vortag hatten Chipwerte an der Nasdaq deutlich nachgegeben. Nun erfasste die Verkaufswelle die gesamte Breite des Marktes. Besonders heftig erwischte es die US-Speicherhersteller Sandisk, Western Digital und Seagate, deren Kurse um bis zu 19% einbrachen.
Europa wird mitgerissen
ASML verlor mehr als 9% auf 1.210 €. Der Börsenwert des wertvollsten Konzerns Europas schrumpfte damit um fast 50 Milliarden € auf 470 Milliarden €. Auch Nokia und Schneider Electric gerieten unter Druck.
In Deutschland verlor Infineon mehr als 10%. Im Dax traf es zudem Siemens Energy und Hochtief deutlich, also jene Werte, in die zuvor viel KI-Fantasie eingepreist worden war. Der Leitindex selbst hatte zwischenzeitlich noch ein Rekordhoch markiert und rutschte dann mit 0,8% ins Minus.
Im MDax gaben Aixtron, Suss und Siltronic zweistellig nach, im SDax erwischte es Titel wie LPKF und PVA Tepla ebenfalls hart.
Risikomanagement im Fokus
Für die betroffenen Unternehmen geht es um die Erwartung künftiger Investitionszyklen. Halbleiterausrüster, Speicherhersteller und Energieinfrastruktur-Anbieter sind davon abhängig, dass der Rechenzentrumsausbau im geplanten Tempo weiterläuft. Regulatorische Hürden oder verschobene Projekte würden sich direkt in späteren Umsätzen niederschlagen.
Die Experten von Index-Radar sprechen von einer Übertreibung auf der Unterseite, sehen aber bislang kaum Anzeichen dafür, dass die letzte Phase der Korrektur bereits abgeschlossen ist. Umso wichtiger bleibe ein konsequentes Risikomanagement.
Fazit
Aus unserer Sicht ist der Rückschlag weniger eine Absage an das KI-Thema als eine Korrektur der eingepreisten Erwartungen. Entscheidend wird, ob sich die Sorgen vor strengeren Auflagen beim Rechenzentrumsausbau in konkreten politischen Beschlüssen niederschlagen oder ob es bei einer Stimmungsdelle bleibt. Solange diese Frage offen ist, dürften Halbleiter- und Infrastrukturwerte schwankungsanfällig bleiben. Bestehende Positionen in Qualitätswerten wie ASML ließen sich halten, wobei die Depotgewichtung kritisch zu prüfen wäre. Für einen Neueinstieg spräche angesichts des massiven Tagesverlusts beim Nasdaq 100 wenig, solange eine Bodenbildung nicht erkennbar ist.
Quelle: dpa-AFX
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