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Nemetschek-Aktie: Haben die Bullen oder die Bären jetzt Recht?

Stark abweichende Kursziele
Erst zur Wochenmitte kletterte die Nemetschek-Aktie fast auf ein neues 6-Monatshoch, doch am Donnerstagvormittag ist der Bausoftwareanbieter mit einem Minus von -7% einer der großen Verlierer im MDAX. Enttäuschte Nemetschek mit seinen Quartalszahlen und sollten Anleger jetzt über einen Kauf nachdenken?

Hochdynamisches Wachstum

Auf den ersten Blick ist nicht ersichtlich, warum die Nemetschek-Aktie heute mit einem deutlichen Kursverlust auf die Zahlen reagiert. Sie fielen durchgehend gut aus. Auch im dritten Quartal verzeichnete Nemetschek ein dynamisches und hochprofitables Wachstum.

Der Umsatz des Software-Unternehmens schoss, angetrieben durch die Konsolidierung der Übernahme von HCSS, um 26,6% im Jahresvergleich auf 371,1 Millionen € hoch. Ohne die Berücksichtigung der HCSS-Übernahme betrug das organische Umsatzwachstum 13,7%.

Besonders positiv werte ich die Entwicklung der wiederkehrenden Umsätze. Die ARR legten im letzten Quartal um starke 35,8% auf 1,46 Milliarden € zu. Vor allem das Segment Subskription und SaaS glänzte mit einem ein deutlichen Wachstum von 52,4%.

Das EBITDA kletterte im abgelaufenen Vierteljahr im Jahresvergleich um 21,8% auf 115,9 Millionen €. Die ausgewiesene EBITDA-Marge lag demnach bei soliden 31,2%. Auf organischer Basis belief sich die operative Marge sogar auf 34,8%.

Der ausgewiesene Konzerngewinn ging im letzten Quartal jedoch um 15,7% auf 46,6 Millionen € zurück, was unter anderem auf höhere Abschreibungen und Effekte aus der Akquisition zurückzuführen ist. Das bereinigte Ergebnis je Aktie stieg im Quartal jedoch um 20% auf 0,66 €.

Angesichts der äußerst soliden Geschäftsentwicklung hat das Nemetschek-Management die Prognose für das Gesamtjahr 2026 bekräftigt. Es erwartet weiterhin ein währungsbereinigtes organisches Umsatzwachstum von 14 bis 15% und eine EBITDA-Marge von 32 bis 33%. Durch die Übernahme von HCSS dürfte sich das Umsatzwachstum auf knapp über 20% erhöhen. Gleichzeitig geht das Management von einer akquisitionsbedingten Minderung der operativen Margen um etwa 150 Basispunkte aus.

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Warum reagiert die Aktie trotzdem negativ?

Wer ein Haar in der Suppe der Nemetschek-Zahlen finden will, sieht es eigentlich nur in drei Punkten. Zum Ersten lag das organische Wachstum der Design-Sparte mit 6,5% unter der Konsensschätzung von 8,3%. Zum Zweiten schrumpfte das Mediensegment entgegen der Erwartung eines leichten Zuwachses um 3,1%.

Und zum Dritten verringerte sich die operative Marge durch die HCSS-Übernahme um fast 4 Prozentpunkte. Dies ist wahrscheinlich der stärkste Belastungsfaktor der Nemetschek-Aktie, da er die Sorge schürt, dass das Unternehmen möglicherweise seine Marge zugunsten des weiteren Wachstums vernachlässigt.

Hält der Support?

Charttechnisch ist der heutige Kursrückgang kein Beinbruch für die Nemetschek-Aktie. Sie fällt auf ihren letzten Support bei 70 € zurück. Sollte dieser allerdings nicht halten, könnte der Rücksetzer noch bis zur nächsten Unterstützung bei 65 € gehen.

Das spricht für die Bullen

Das Spektrum der Kursziele für die Nementschek-Aktie ist gegenwärtig sehr breit. Es reicht von 52 € bei der UBS bis zu 110 € bei JPMorgan. Während die Bären demnach ein Downside von rund -25% sehen, glauben die Bullen an ein Upside von fast +60%.

Ich bin nach wie vor ein Nemetschek-Bulle. Zuletzt habe ich den Software-Titel Mitte September zum Kauf empfohlen. Seitdem hat der Kurs um ca. 15% zugelegt.

Mit einem Forward-KGV von 28 ist die Nemetschek-Aktie zugegebenermaßen nicht mehr ganz günstig bewertet, aber meiner Ansicht nach auch nicht zu teuer. Wir haben es hier immerhin mit einem extrem profitablen Unternehmen zu tun, das mit rund 20% pro Jahr wächst. Das Gewinnwachstum dürfte 2027 sogar bei etwa 25% liegen.

Die Entwicklung der wiederkehrenden Abo-Umsätze zeigt, wie stark Kunden an Nemetschek gebunden sind. Einmal an Bord, haben sie wenige Gründe, sich wieder von der Software des Unternehmens zu verabschieden.

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ℹ️ Nemetschek in Kürze

  • Bei der Nemetschek SE (WKN: 645290 handelt) es sich um einen Anbieter von Software für Architekten und Ingenieure aus der Bauindustrie. Das Unternehmen entwickelt und vertreibt also Softwarelösungen für die Planung, das Design, das Bauen sowie die Nutzung von Bauwerken und Immobilien.
  • Das Unternehmen verfügt eigenen Angaben zufolge über mehr als sechs Millionen Kunden in mehr als 140 Ländern, der Hauptsitz ist in München.
  • Das im MDAX notierte Unternehmen wird mit 8,1 Milliarden € bewertet.

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Fazit

Ich rate Anlegern weiterhin zum Kauf der Nemetschek-Aktie. Den heutigen Kursrückgang halte ich für eine Übertreibung der Börse.

Die Aktie ist zwar nicht mehr günstig, hat angesichts ihrer Wachstumsdynamik bei Umsatz und Gewinn meiner Meinung nach immer noch Potenzial. Nemetschek ist und bleibt eines der besten und erfolgreichsten deutschen Software-Unternehmen.