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Allianz-Aktie: 684 € oder 351 € – wer liegt richtig?

Kursziele uneinheitlich
Vincent Uhr
Bei der Allianz-Aktie gehen die Analystenmeinungen inzwischen außergewöhnlich weit auseinander. Während Berenberg sein Kursziel von 684 € bestätigt, sieht Barclays den DAX-Versicherer lediglich bei 351 €. Gegenüber dem aktuellen Aktienkurs von 438,70 € liegen zwischen beiden Prognosen fast 80 Prozentpunkte an möglicher Kursentwicklung. Dabei bietet die Allianz weiterhin rund 4% Dividendenrendite, kauft Milliarden eigener Aktien zurück und verspricht langfristiges Gewinnwachstum. Ist die Aktie bei einem erwarteten KGV von rund 14 tatsächlich günstig?

Analysten streiten über die Bewertung

Die jüngsten Einschätzungen zeigen, wie unterschiedlich die Erwartungen ausfallen. Barclays reduzierte sein Kursziel am 23. Oktober von 353 auf 351 € und bestätigte die Einstufung „Underweight“. Berenberg bekräftigte wenige Tage später dagegen seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 684 €.

Auch andere Analysten bleiben vorsichtiger. JPMorgan erwartet 460 €, RBC Capital 450 € und Jefferies 440 €. Goldman Sachs sieht den Versicherer bei 465 €, während die DZ Bank zuletzt einen fairen Wert von 495 € ermittelt hatte.

Der Analystenkonsens liegt derzeit bei rund 451 €. Daraus ergibt sich lediglich ein Aufwärtspotenzial von knapp +3%.

Für Anleger stellt sich deshalb vor allem die Frage, ob die Allianz ihre hohe Profitabilität auch in den kommenden Jahren behaupten kann. Denn ein wesentlicher Teil der Erwartungen ist inzwischen im Aktienkurs enthalten.

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Milliardenrückkäufe und steigende Dividenden

Immerhin profitieren Aktionäre von einer attraktiven Kapitalrückführung. Zwischen März und September hat die Allianz für insgesamt 2,5 Milliarden € eigene Aktien zurückgekauft. Die 6,25 Millionen erworbenen Anteilsscheine entsprechen etwa 1,64% des ursprünglichen Grundkapitals und sollen eingezogen werden.

Zusammen mit der zuletzt gezahlten Dividende von 17,10 € je Aktie ergibt sich eine rechnerische Kapitalrückführungsrendite von rund 5,4%. Davon entfallen etwa 3,9% auf die Dividende. Und die Ausschüttungen dürften weiter steigen.

Für das Geschäftsjahr 2026 erwarten Analysten inzwischen rund 18,74 € Dividende je Aktie. Das entspräche beim aktuellen Kurs einer zukünftigen Dividendenrendite von ungefähr 4,3%. Für 2027 stehen bereits 20,27 € im Raum.

Weitere Aktienrückkäufe sind ebenfalls denkbar. Schließlich sieht die Kapitalmanagementpolitik bis 2027 vor, durchschnittlich mindestens 15% des bereinigten Gewinns zusätzlich zur regulären Dividende an die Aktionäre zurückzugeben. Ein neues Rückkaufprogramm ist allerdings noch nicht beschlossen.

Tipp für Dividenden-Fans: Wer sich noch andere gute, vielleicht sogar derzeit vielversprechendere Aktien anschauen möchte: Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.

KGV von 13 für 2027: Ist das günstig?

Operativ entwickelt sich die Allianz weiterhin überzeugend. Im ersten Halbjahr steigerte sie ihr operatives Ergebnis um +8,6% auf 9,39 Milliarden €. Der bereinigte Gewinn je Aktie erhöhte sich sogar um +17,5% auf 16,44 €. Bereinigt um Sondereffekte lag das Wachstum bei rund +10%.

Für das Gesamtjahr erwartet das Management ein operatives Ergebnis von 17,4 Milliarden €, mit einer möglichen Abweichung von jeweils einer Milliarde €.

Langfristig peilt die Allianz bis 2027 ein durchschnittliches jährliches Gewinnwachstum je Aktie von 7 bis 9% an.

Analysten rechnen für 2026 mit einem Gewinn von 30,45 € je Aktie. Daraus ergibt sich ein KGV von 14,4. Für 2027 erwarten sie bereits 33,18 € und für 2028 rund 35,71 €. Damit sinkt die Bewertung rechnerisch auf das 13,2-Fache beziehungsweise das 12,3-Fache des erwarteten Gewinns.

Das erscheint mir angesichts der hohen Profitabilität durchaus angemessen. Allerdings können Naturkatastrophen, schwächere Kapitalmärkte und steigende Schadenkosten die Ergebnisse belasten.

Am 12. November wird es spannend

Die nächsten Quartalszahlen könnten deshalb wichtige Erkenntnisse liefern. Besonders die Entwicklung der Schaden-Kosten-Quote, das Wachstum im Asset Management und die Kapitalausstattung dürften im Fokus stehen.

Spannend wäre außerdem, ob das Management bereits Hinweise auf mögliche Aktienrückkäufe im kommenden Jahr gibt. Die Allianz verfügt mit einer zuletzt gemeldeten Solvency-II-Quote von 225% jedenfalls über eine starke Kapitalbasis.

ℹ️ Allianz SE in Kürze

  • Die Allianz (WKN: 840400) mit Hauptsitz in München ist der größte Versicherungskonzern der Welt.
  • Kerngeschäft des Konzerns sind die Kranken-, Lebens-, Sach- und Unfallversicherung.
  • Darüber hinaus betreibt die Allianz den Geschäftsbereich Asset Management, in dem sie das Vermögen von Privatpersonen und institutionellen Anlegern verwaltet.
  • Die Allianz ist Mitglied im deutschen Leitindex DAX und im europäischen Leitindex EuroStoxx 50. An der Börse ist der Konzern rund 167 Milliarden € wert.

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Vincent Uhr

Fazit

Für mich bleibt die Allianz-Aktie ein attraktiver langfristiger Kauf. Ein KGV von rund 13 für 2027 erscheint angesichts des erwarteten Gewinnwachstums moderat. Besonders die Kombination aus steigenden Dividenden und regelmäßigen Aktienrückkäufen überzeugt mich. Das Berenberg-Kursziel von 684 € halte ich allerdings für ausgesprochen optimistisch. Realistischer erscheint mir zunächst eine moderate Neubewertung, getragen von höheren Gewinnen. Bei Kursen um 440 € sehe ich deshalb weiterhin eine interessante Einstiegsmöglichkeit.