Bitcoin: Ist die Erholung nach dem Binance-Hack jetzt die Wende?
Die Erholung bei Bitcoin setzt sich zum Wochenstart fort. Am Montagmorgen legt die größte Kryptowährung um rund 1% auf 78.600 US$ zu, bereits der dritte Tag mit Gewinnen in Folge. Der Rekord-Hack bei Binance und die Zinsentscheidungen von Fed und EZB hatten den Kurs zuvor zeitweise bis auf 76.000 US$ gedrückt. Im Tagesverlauf folgt der ISM-Index, am Dienstag wählen die USA einen neuen Kongress. Die entscheidende Frage lautet: Ist das schon die Wende oder nur eine Atempause vor der nächsten Belastungsprobe?
Binance ersetzt Milliardenschaden
Die Angreifer brachten bei Binance digitale Vermögenswerte im Wert von rund 6,3 Milliarden US$ an sich. Es ist der größte bekannte Kryptodiebstahl. Hinter der Tat steht nach Erkenntnissen des FBI die nordkoreanische Hackergruppe TraderTraitor. Binance hat inzwischen die erste Phase der Auszahlungen gestartet. Zunächst können Kunden Bitcoin abheben, weitere Coins sollen nach abgeschlossenen Sicherheitsprüfungen folgen.
Nach eigenen Angaben hat die Börse rund 95% der gestohlenen Vermögenswerte aus eigenen Mitteln ersetzt. Die restlichen 5% seien weniger liquide und ließen sich nur langsamer in der nötigen Größenordnung beschaffen. Für den Bitcoin-Kurs ist das der wichtigste Punkt. Weil Binance den Schaden selbst trägt, wird das Risiko von Notverkäufen oder einer Vertrauenskrise bei weiteren Handelsplätzen deutlich kleiner. Das Netzwerk von Bitcoin selbst war von dem Angriff nicht betroffen. Den Kurs belastet vor allem das Misstrauen gegenüber zentralen Börsen.
ETF-Anleger ziehen Geld ab
Die ETF-Anleger haben sich zuletzt zurückgezogen. Allein am 30. Oktober zogen sie 643,3 Millionen US$ aus den US-Spot-Bitcoin-ETFs ab. Das war der höchste Tagesabfluss im Oktober. Damit endete eine Serie von vier Tagen mit Zuflüssen. Unter dem Strich verloren die Fonds in der Woche vom 26. bis 30. Oktober netto rund 202 Millionen US$. Die seit dem Start aufgelaufenen Nettozuflüsse sanken auf rund 57 Milliarden US$, nachdem sie im Oktober mit 57,8 Milliarden US$ einen Höchststand erreicht hatten.
Die Stimmung hat sich innerhalb weniger Wochen spürbar abgekühlt. Der Crypto Fear and Greed Index fiel von 70 Punkten am 4. Oktober auf 36 Punkte am 30. Oktober und zeigt damit Angst statt Gier an. Mit einem Kurs um 78.000 US$ kommt Bitcoin auf eine Marktkapitalisierung von rund 1,57 Billionen US$ und auf etwa 60% des gesamten Kryptomarkts. Solange die ETFs Kapital verlieren, fehlt der Erholung der wichtigste Käufer.
Wahlen bringen Unsicherheit
Noch heute erscheint der ISM-Einkaufsmanagerindex für die US-Industrie. Analysten erwarten einen leichten Anstieg. Wichtiger dürften die Zwischenwahlen am 3. November sein, denn von ihnen hängt ab, wie es mit den Krypto-Gesetzen in den USA weitergeht.
Historisch sieht es für Bitcoin gut aus. Nach den drei letzten Zwischenwahlen ohne das Jahr 2010 legte Bitcoin in den folgenden zwölf Monaten im Schnitt um 53,7% zu. Diese Anstiege lassen sich aber auch mit dem rund vierjährigen Halving-Zyklus erklären. Ich würde deshalb nicht darauf setzen, dass sich das Muster wiederholt.
80.000 US$ als Hürde
Charttechnisch hat Bitcoin im Bereich von 76.000 bis 77.000 US$ Halt gefunden. Das Tief nach dem Hack lag bei rund 76.173 US$. Nach oben bildet die Marke von 80.000 US$ den nächsten Widerstand. Darunter verläuft die 100-Tage-Linie (exponentieller gleitender Durchschnitt) bei 77.761 US$, die 200-Tage-Linie liegt bei 76.460 US$. Vom Allzeithoch bei 126.210,50 US$ ist Bitcoin rund 38% entfernt. Seit dem Tief unter 60.000 US$ im Juni hat sich der Kurs allerdings um mehr als 35% erholt.
Fazit
Aus meiner Sicht hat der Markt den Binance-Schock schneller verdaut als befürchtet, vor allem weil die Börse den Schaden weitgehend selbst trägt. Eine Trendwende ist das für mich aber noch nicht. Die Erholung beruht bislang auf einer technischen Gegenbewegung und auf Beruhigung, frische Nachfrage fehlt. Mit den Zwischenwahlen könnten die Kurse zudem kurzfristig deutlich stärker schwanken.
Entscheidend wird nun sein, ob Bitcoin den nächsten Widerstand überwindet und die ETFs wieder Zuflüsse melden. Gelingt beides, könnte die Erholung weiterlaufen. Fällt der Kurs dagegen unter die jüngste Unterstützungszone, droht ein neuer Test tieferer Niveaus. Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, ihre Position zu halten, denn der Hack hat Bitcoin selbst nicht beschädigt. Ein Neueinstieg könnte für mich erst nach einem stabilen Ausbruch über diese Marke interessant werden.
BITCOIN kaufen, halten oder verkaufen? Unsere Experten-Redaktion berichtet regelmäßig über BITCOIN und informiert Dich in Echtzeit, wenn Handlungsbedarf besteht. Aktiviere dafür einfach unseren kostenlosen Aktien-Alarm und sichere Dir Deinen persönlichen Informationsvorsprung.
BITCOIN weiterverfolgen – jetzt kostenlosen Aktien-Alarm aktivieren »