Coinbase-Aktie: 120 oder 280 US$ — was denn nun?

Bullen vs. Bären
Die Coinbase-Aktie fiel am vergangenen Freitag um über -10% auf fast den tiefsten Stand seit zwei Jahren. Waren die gemeldeten Quartalsergebnisse der Kryptoplattform so enttäuschend und kann Coinbase nicht vom Hackerangriff auf den Wettbewerber Binance profitieren?

Gemischte Zahlen

Die Geschäftsergebnisse von Coinbase für das dritte Quartal 2026 zeigten ein gemischtes Bild: Einerseits gelang dem Kryptounternehmen die Rückkehr in die Gewinnzone, andererseits stand das klassische Handelsgeschäft weiter unter Druck.

Der Gesamtumsatz sank im Vergleich zum Vorjahresquartal drastisch um 35% auf 1,22 Milliarden US$, was die anhaltende Schwäche und Zurückhaltung im Kryptohandelsvolumen widerspiegelt. Die Transaktionserlöse brachen zuletzt um 43% auf 590 Millionen US$ ein.

Allerdings verzeichnete Coinbase große Fortschritte bei der Diversifizierung seiner Erlösstruktur. Der Abo-Dienst Coinbase One verbuchte einen Anstieg der Kundenzahl um 24% gegenüber dem Vorjahr. In Summe sorgen Abonnements und Dienstleistungen inzwischen für gut die Hälfte der Gesamterlöse von Coinbase.

Trotz des Umsatzeinbruchs konnte die Kryptohandelsplattform im abgelaufenen Vierteljahr ihr bereinigtes EBITDA gegenüber dem Vorquartal um 60% auf 333 Millionen US$ steigern. Gestützt wurde dieses Gewinnwachstum vor allem durch strikte Kosteneinsparungen. Die Betriebskosten sanken im Jahresvergleich um 17% auf 1,15 Milliarden US$.

Auch beim Nettogewinn schrieb Coinbase nach drei Verlustquartal in Folge mit 719 Millionen US$ erstmals wieder schwarze Zahlen. Der satte Gewinnsprung war jedoch maßgeblich auf erhebliche Krypto-Anlagegewinne in Höhe von rund 715 Millionen US$ aus gehaltenen Krypto-Assets zurückzuführen. Der bereinigte Nettogewinn (ohne diese Anlageeffekte) lag dagegen bei deutlich niedrigeren 78 Millionen US$.

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Ein neuer Bär

In Bezug auf die Quartalszahlen und die Auswirkungen des massiven Binance-Hacks auf die Coinbase-Aktie kommen Analysten zu völlig unterschiedlichen Schlussfolgerungen. Der neue Bär unter den Banken ist die Investmentbank Morgan Stanley.

Sie stufte die Coinbase-Aktie auf „Untergewichten“ ab und korrigierte ihr Kursziel von bislang 258 US$ auf nunmehr 120 US$. Damit sieht Morgan Stanley ein weiteres Downside für die Kryptoaktie von über -15%.

Die Investmentbanker rechnen nicht mehr mit einer deutlichen Ergebniserholung von Coinbase im kommenden Jahr. Nach Einschätzung der Bank ist vom optimistischen Szenario aus steigenden Krytpokursen, aktiveren Anlegern und einer breiteren Produktpalette wenig übrig geblieben. Zudem trübt der Rekord-Hack beim Wettbewerber Binance das Umfeld im Kryptosektor zusätzlich, so Morgan Stanley.

Alle anderen sind Bullen

Andere Banken schätzen die Kursentwicklung der Coinbase-Aktie deutlich optimistischer ein. Zwar korrigierten die meisten Banken im Nachgang der Quartalsergebnisse ihre Kursziele leicht nach unten, aber sie liegen durch die Bank weit über dem aktuellen Kursniveau. Hier eine Auswahl der aktuellen Zielwerte: Citizens 280 US$, Canaccord 275 US$, BTIG 240 US$, Goldman Sachs 210 US$, JPMorgan 187 US$ und Wells Fargo 174 US$.

Sie alle attestieren Coinbase eine solide Ergebnisentwiclung im dritten Quartale, die die Stärke und die zunehmende Diversifizierung des operativen Geschäfts des Kryptounternehmens zeigt. Zudem glauben die meisten Banken, dass die US-Kryptoplattform vom Vorfall bei Binance sogar profitieren könnte.

Ihrer Meinung nach fokussiert sich Coinbase im Gegensatz zu seinem Wettbewerber seit Jahren konsequent auf eine umfassende Sicherheitsstrategie. Wachsende Skepsis bei anderen Kryptoplattformen könnte sogar zu einer Abwanderung von Kunden zu Coinbase führen, die mehr Wert auf Vertrauen und Transparenz legen.

Am 12-Monatstief

Durch den Kurssturz am vergangenen Freitag hat die Coinbase-Aktie ihre jüngste Abwärtsbewegung beschleunigt fortgesetzt und ist fast auf ein neues 12-Monatstief gestürzt. Sie ging nur noch 2% über dem Tiefststand ins Wochenende.

Ich fürchte, dass die Coinbase-Aktie dieses Tief nach unten durchbrechen wird. Dann könnte sich der Kursrückgang sogar bis zum nächsten Support bei ca. 120 US$ fortsetzen.

Besser ein Bär als ein Bulle

Ich rate Anleger auch auf dem fast niedrigsten Stand seit zwei Jahren, nicht in die Coinbase-Aktie zu investieren. Ich kann die Bullishness der meisten Banken überhaupt nicht nachvollziehen und halte es eher mit den Bären von Morgan Stanley.

Der massive Einbruch des Umsatzes zeigt, dass das Geschäftsmodell von Coinbase immer noch mit dem Kryptohandelsvolumen steht und fällt. Bei fallenden Kryptokursen lässt das Interesse von Anlegern nach und die Transaktionsgebühren der Plattform sinken.

Der Nettogewinnsprung im letzten Quartal war hingegen Sondereffekten durch Krypto-Anlagegewinne geschuldet. Unter dem Strich verdient Coinbase bis heute fast kein Geld. Und dafür ein Fordward-KGV von fast 50 zu bezahlen, ist für mich eine völlig abwegige Idee.

Coinbase ist mit einem Anteil am Krypto-Handelsvolumen von 10,7% zwar immer noch die Nummer 1 unter den börsennotierten Plattformen, aber der Wettbewerb im Kryptosektor ist sehr intensiv. Ein großes Potenzial für Margensteigerungen erkenne ich deshalb nicht.

Ebenso wenig glaube ich, dass Coinbase ein großer Profiteur des Binance-Hacks sein wird. Im Gegenteil. Vielmehr sehe ich die Gefahr, dass sich Privatanleger aufgrund der gefühlten Unsicherheit von Kryptoplattformen generell aus diesem Marktsegment zurückziehen werden.

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ℹ️ Coinbase in Kürze

  • Coinbase (WKN: A2QP7J) mit Sitz in San Francisco ist die weltweit größte börsennotierte Handelsplattform für Kryptowährungen.
  • Über Coinbase können Anleger rund 250 Kryptowährungen, 3 Fiat-Währungen und knapp 600 Kryptowährungspaare handeln.
  • Das 2012 gegründete Unternehmen notiert seit 2021 an der US-Technologiebörse Nasdaq und ist ca. 38 Milliarden US$ wert.

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Fazit

Die Coinbase-Aktie ist auch auf ihrem aktuellen Kursniveau kein Investment wert. Von einer nachhaltig positiven Geschäftsentwicklung kann überhaupt nicht die Rede sein.

Ein Forward-KGV von fast 50 preist dies allerdings vollständig ein. Anleger sollten sich meiner Überzeugung nach eher auf einen Kurs von 120 und nicht von 280 US$ einstellen.