Deutsche-Telekom-Aktie: 177,7-Millionen-€-Deal – wird sie zum Euro-Profiteur?
EZB entscheidet sich für die Deutsche Telekom
Am Freitag gab die Europäische Zentralbank bekannt, dass die Telekom-Tochter Deutsche Telekom Business Solutions und das italienische Unternehmen Nexi künftig zentrale Netzwerkdienstleistungen für den digitalen Euro bereitstellen sollen.
Dabei geht es um eine wichtige technische Voraussetzung: Die Rechenzentren der geplanten Plattform müssen miteinander verbunden werden. Gleichzeitig benötigen Banken, Zahlungsdienstleister und nationale Zentralbanken einen sicheren Zugang zur Infrastruktur.
Die Telekom soll gemeinsam mit Nexi ein entsprechend leistungsfähiges und ausfallsicheres Netzwerk aufbauen und betreiben. Der Vertrag ist bereits seit dem 28. September in Kraft.
Allerdings ist die Telekom nicht der einzige Gewinner. Ein zweites Konsortium um Telefónica und Indra erhielt ebenfalls einen Zuschlag. Dadurch will die EZB verhindern, dass der digitale Zahlungsverkehr von einem einzelnen Netzbetreiber abhängig wird.
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Bis zu 177,7 Millionen € – aber nicht für die Telekom allein
Die wirtschaftliche Größenordnung verdient einen genaueren Blick. Laut Vergabeunterlagen besitzt der Vertrag der Nexi-Telekom-Gruppe einen Höchstwert von 177,66 Millionen € über zehn Jahre.
Rechnerisch entspricht das knapp 17,8 Millionen € jährlich. Dieser Betrag ist allerdings weder ein garantierter Umsatz noch ausschließlich der Telekom zuzurechnen. Wie die Einnahmen zwischen beiden Partnern verteilt werden, ist nicht bekannt.
Für einen Konzern, der allein im zweiten Quartal 29,9 Milliarden € Umsatz erwirtschaftete, bleibt das unmittelbare Potenzial deshalb überschaubar.
Interessanter erscheint mir die strategische Bedeutung. Denn mit dem Zuschlag positioniert sich die Telekom als Infrastrukturpartner eines möglicherweise europaweit eingesetzten Zahlungssystems. Ein erfolgreicher Betrieb könnte auch bei zukünftigen öffentlichen Digitalisierungsprojekten als Referenz dienen.
Der eigentliche Wachstumsmotor heißt T-Systems
Der Auftrag passt zur Entwicklung von T-Systems. Die Geschäftskundensparte konzentriert sich zunehmend auf Cloudlösungen, Cybersicherheit und digitale Infrastruktur für Unternehmen und öffentliche Auftraggeber.
Im zweiten Quartal steigerte T-Systems seinen Umsatz organisch um +5,7% auf 1,1 Milliarden €. Das bereinigte EBITDA AL verbesserte sich ebenfalls um +5,3% auf 99 Millionen €.
Der digitale Euro könnte dieses Geschäft langfristig ergänzen. Ab der zweiten Jahreshälfte 2027 ist zunächst ein zwölfmonatiger Pilotbetrieb vorgesehen. Eine mögliche Einführung wird für 2029 angestrebt.
Noch steht allerdings der notwendige europäische Rechtsrahmen aus. Die vollständige wirtschaftliche Bedeutung des Projekts hängt somit auch von politischen Entscheidungen und der späteren Nutzung ab.
Bewertung: Rund 10-facher Gewinn für 2027
Die Telekom-Aktie erscheint unabhängig vom EZB-Auftrag moderat bewertet. Analysten erwarten für 2026 einen Gewinn von durchschnittlich 2,26 € je Aktie. Für 2027 stehen bereits 2,58 € im Raum.
Damit liegt das erwartete KGV bei rund 11,5 beziehungsweise 10,1. Gleichzeitig sollen die Gewinne weiter steigen, während das Unternehmen hohe freie Cashflows erwirtschaftet.
Auch die Analysten bleiben optimistisch. Das durchschnittliche Kursziel liegt derzeit bei rund 35,64 €. Gegenüber dem jüngsten Schlusskurs entspricht das einem Potenzial von knapp +37%.
ℹ️ Deutsche Telekom in Kürze
- Die Deutsche Telekom (WKN: 555750) gehört zu den weltweit führenden Konzernen für Telekommunikations- und Informationstechnologie. Die Leistungen sind sehr breit gefächert, von der Breitbanktelefonie, Mobilfunk sowie TV oder komplexe ICT-Lösungen bietet der Konzern alles aus einer Hand an.
- Das Unternehmen mit Hauptsitz in Bonn ist weltweit in 50 Ländern tätig. Mit der Tochter T-Mobile US gehört es zu den führenden Telekommunikationsanbietern in den USA.
- Die Marktkapitalisierung der im DAX gelisteten Aktie beträgt rund 126 Milliarden €.
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Fazit
Der EZB-Auftrag wird die Gewinne der Deutschen Telekom nicht entscheidend verändern. Dennoch zeigt er, dass der Konzern neben dem klassischen Mobilfunkgeschäft zusätzliche Geschäftsfelder erschließen kann. Besonders die Positionierung als europäischer Infrastrukturpartner halte ich langfristig für interessant. Bei einem erwarteten KGV von rund 10 für 2027 bleibt die Aktie für mich attraktiv bewertet. Der digitale Euro liefert eine weitere kleine Wachstumschance, während das eigentliche Kurspotenzial weiterhin aus dem operativen Kerngeschäft kommen muss.