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Bayer-Aktie +5,1%: Trägt der Prozesserfolg bis zu den Zahlen?

Rückenwind aus Gerichtssaal

Die Bayer-Aktie geht mit kräftigem Rückenwind in die Berichtssaison. Am vergangenen Freitag legte das Papier um 5,1% zu und schloss knapp über der Marke von 50 €. Auf Wochensicht steht ein Plus von rund 14,7%. Auslöser war ein Glyphosat-Urteil aus St. Louis, das erste Roundup-Verfahren nach der Grundsatzentscheidung des US-Supreme-Court. Am Dienstag folgen die Zahlen zum dritten Quartal. Damit stellt sich die Frage: Trägt der juristische Erfolg die Rally auch über den Zahlentag hinaus?

Jury stärkt Monsanto

Die Geschworenen in St. Louis wiesen die Klagen von drei Frauen gegen die Bayer-Tochter Monsanto einstimmig ab. Die Klägerinnen führten ihre Erkrankung am Non-Hodgkin-Lymphom auf den Unkrautvernichter Roundup zurück. Sie warfen dem Unternehmen eine fehlerhafte Konstruktion des Produkts und vorsätzliche Täuschung vor. Diese Stoßrichtung hat einen Grund, denn seit dem Urteil des Supreme Court im Fall Durnell sind Klagen, die sich auf fehlende Krebswarnungen stützen, im Grunde nicht mehr möglich.

Die Klägerseite muss also auf andere Begründungen ausweichen, und genau eine solche Linie ist nun vor einer Jury gescheitert. Nach Angaben von Bayer konnten die Klägerinnen ihre Ansprüche nicht beweisen. Jefferies-Analyst Michael Leuchten wertete den Ausgang als ermutigenden ersten Gerichtserfolg nach der Grundsatzentscheidung.

Vergleich bleibt das Nadelöhr

Das Urteil gilt nur für die drei Klägerinnen, die zudem nicht am geplanten Sammelvergleich teilnehmen. Über diesen Vergleich mit Zahlungen von bis zu 7,25 Milliarden US$ muss ein Richter in St. Louis noch entscheiden. In den USA sieht sich Bayer weiterhin rund 65.000 Klagen gegenüber. Für Anleger ist der Jury-Spruch dennoch wichtig. Jedes gewonnene Verfahren schwächt die Position der Klägeranwälte und kann den Vergleich für Betroffene attraktiver machen als ein eigenes, ungewisses Verfahren. Das Risiko teurer Einzelurteile, die Bayer seit der Monsanto-Übernahme 2018 Milliarden gekostet haben, könnte dadurch spürbar sinken.

Pharma liefert Nachschub

Parallel meldete Bayer die Zulassung von Asundexian in China. Dazu kamen Studiendaten zu Darolutamid: Nach vier Jahren lag die Rate des metastasenfreien Überlebens bei 95% gegenüber 88% unter Placebo. Das Risiko für Metastasen oder Tod sank damit um 58%. Aus meiner Sicht stützen beide Meldungen das Wachstum der Pharmasparte auf Sicht mehrerer Jahre. Für das anstehende Quartal sind sie jedoch kaum relevant.

Niedrige Latte am Dienstag

Die Erwartungen an das dritte Quartal sind deutlich gesunken. Der Markt rechnet mit einem Umsatz von rund 10 Milliarden € und einem bereinigten Ergebnis je Aktie von 0,39 € nach 0,57 € im Vorjahresquartal. Innerhalb von 30 Tagen wurden die Gewinnschätzungen um rund 28% gekappt. Als Hauptgrund gelten zeitliche Verschiebungen im Agrargeschäft. JPMorgan-Analyst Richard Vosser hatte die frühen Markterwartungen bereits als zu hoch eingestuft, bestätigte nach dem Urteil aber die Einstufung Overweight mit einem Kursziel von 61 €. Bei Nettofinanzschulden von 33,35 Milliarden € Ende Juni rückt die Ertragskraft besonders in den Fokus.

Bewertung bleibt moderat

Für 2026 peilt Bayer ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 4,20 bis 4,70 € an. Daraus ergibt sich beim aktuellen Kurs ein KGV von rund 11 auf Basis der Unternehmensprognose für 2026. Auf Basis des für 2027 erwarteten Cashflows liegt das Kurs-Cashflow-Verhältnis bei etwa 7. Für einen Konzern mit hoher Verschuldung und offenen Rechtsrisiken halte ich das für eher fair als günstig. Ein Teil des Abschlags für die Glyphosat-Risiken ist nach der Rally bereits aufgezehrt.

Chart an der Hürde

Charttechnisch arbeitet sich die Aktie an der Widerstandszone zwischen 49,90 und 50,50 € ab. Ein Schlusskurs darüber würde den Weg zum Zwischenhoch von Anfang Juli bei 53,92 € öffnen. Nach unten liegt die Begrenzung der Seitwärtsbewegung bei rund 47 €. Der Aufwärtstrend seit April 2025 wäre erst bei einem Rückfall unter 40 € gebrochen.

Fazit

Für mich ist das Urteil aus St. Louis das bislang stärkste Signal, dass der Supreme-Court-Entscheid in der Praxis wirkt. Gelöst ist der Roundup-Komplex damit aber noch lange nicht. Allein trägt der Prozesserfolg die Rally aus meiner Sicht nicht über den Zahlentag. Entscheidend wird, ob der Richter den Sammelvergleich billigt und ob Bayer am Dienstag zumindest die gesenkten Erwartungen erfüllt und die Jahresprognose bestätigt. Gelingt beides, hätte die Aktie Spielraum, die Widerstandszone hinter sich zu lassen. Scheitert der Vergleich oder enttäuscht das Agrargeschäft, treffen die hohe Verschuldung und die Masse offener Klagen das Papier wieder mit voller Wucht.

Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, die Aktie zu halten. Für einen Neueinstieg direkt vor den Zahlen sehe ich nach der kräftigen Rally wenig Sicherheitspuffer. Ein Kauf könnte erst interessant werden, wenn der Vergleich gerichtlich bestätigt ist oder ein Rücksetzer an die untere Begrenzung der Seitwärtsbewegung ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis bietet.

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