Seit dem heutigen Montag können die ersten Sparkassen-Kunden XRP direkt in ihrer Banking-App kaufen. Am Kurs ist davon bisher wenig zu sehen. Am Vortag gab XRP um 2,3% nach, aktuell kostet ein Token rund 1,16 € beziehungsweise 1,30 US$. Auf Wochensicht steht ein Minus von -7,0%. Damit stellt sich die Frage: Kann der neue Zugang über die Sparkassen den Druck auf XRP mittelfristig lindern?
Fünf Coins zum Start
Hinter dem Angebot mit dem Namen „Krypto powered by Deka“ steht die Dekabank, das Wertpapierhaus der Sparkassen. Neben XRP sind Bitcoin, Ether, Solana und Polygon handelbar. Jede Order kostet 0,99 €, ein Wertpapierdepot brauchen Kunden dafür nicht. Rechtliche Grundlage ist eine Lizenz nach der EU-Kryptoverordnung MiCAR, die die BaFin der Dekabank 2025 erteilt hat. Die Verwahrung der Coins übernimmt die Dekabank gemeinsam mit der Börse Stuttgart Digital.
Das Angebot kommt Schritt für Schritt. Jede der rund 350 Sparkassen entscheidet selbst, ob und wann sie mitmacht. Geplant ist, dass monatlich 30 bis 40 weitere Institute angeschlossen werden, nach Angaben der Dekabank haben bereits mehr als 230 Sparkassen Interesse bekundet. Eine Beratung gibt es nicht. Auf breite Werbung wollen die Sparkassen laut Dachverband DSGV ebenfalls verzichten. Coins lassen sich nur an Wallets bestimmter zugelassener Kryptodienstleister übertragen, Staking wird nicht angeboten.
Vertrauter Zugang, begrenzte Wirkung
Für deutsche Privatanleger fällt damit eine Hürde weg. Wer bisher keinem ausländischen Kryptohändler vertrauen wollte, kauft jetzt bei einem Anbieter mit deutscher Aufsicht. Auch Beschwerden und ein möglicher Insolvenzfall laufen dann über deutsches Recht. Dass XRP zu den fünf ausgewählten Coins gehört, macht den Token neben Bitcoin und Ether bei einer breiten Kundschaft sichtbar. Das halte ich langfristig für einen echten Fortschritt bei der Akzeptanz.
Kurzfristig dürfte der Effekt auf den Kurs gering bleiben. Bei diesem Tempo zieht sich die Einführung über viele Monate, und ohne Werbung und Beratung werden kaum neue Käufer aktiv angesprochen. Gemessen am Börsenwert von XRP müssten die Käufe der Sparkassen-Kunden schon sehr groß werden, um den Preis spürbar zu bewegen.
Zinsen und ETFs belasten
Den Kurs bestimmt derzeit das Umfeld. Die zuletzt veröffentlichte US-Inflationsrate lag mit 3,7% im Jahresvergleich über der Prognose von 3,6%. Das hat die Erwartung weiterer Zinsschritte verstärkt und die US-Renditen steigen lassen. Riskante Anlagen kamen dadurch unter Druck. Aus den US-Spot-ETFs auf Bitcoin flossen in der Vorwoche netto etwa 681 Millionen US$ ab, das bremste den gesamten Kryptomarkt.
Auch bei XRP hat sich die Lage gedreht. Die US-Spot-ETFs auf XRP verzeichneten in der Woche bis zum 16. Oktober Nettoabflüsse von 1,84 Millionen US$. Damit endete eine Serie von 13 Wochen mit Zuflüssen. Allein am Freitag flossen 2,47 Millionen US$ ab, und zwar vollständig aus einem einzigen Fonds, dem XRPC. Die Summen sind klein. Trotzdem ist damit vorerst eine regelmäßige Quelle von Nachfrage weggefallen.
Weit unter dem Rekord
Mit 72,9 Milliarden € beziehungsweise 81,9 Milliarden US$ ist XRP gemessen am Börsenwert die fünftgrößte Kryptowährung. Das Rekordhoch in Euro liegt bei 3,28 € vom 16. Januar 2025. Zum aktuellen Kurs liegt XRP rund 65% darunter. Das 52-Wochen-Tief lag am 14. August 2026 bei 0,98 US$, das 52-Wochen-Hoch am 27. Oktober 2025 bei 2,69 US$.
Für mich bleibt ein Grundrisiko: Wenn das XRP Ledger als Infrastruktur wächst, steigt die Nachfrage nach dem Token nicht automatisch mit. Banken können Ripples Zahlungsnetz grundsätzlich auch ohne XRP nutzen, und Stablecoins machen zusätzlich Konkurrenz.
Gleitende Durchschnitte als Deckel
Charttechnisch hat XRP zuletzt einen Aufwärtstrend nach unten verlassen. Der Token notiert unter der 50-Tage-Linie bei 1,37 US$ und unter der 200-Tage-Linie bei 1,39 US$. Nach unten hat der Kurs zuletzt bei etwa 1,29 US$ Halt gefunden.
Fazit
Die Frage aus dem Einstieg beantworte ich zweistufig: Auf lange Sicht kann der Sparkassen-Zugang die Nachfrage nach XRP in Deutschland stützen, in den kommenden Wochen dürfte er den Druck kaum lindern. Den Takt geben vorerst die US-Zinsen und die Geldflüsse in die ETFs vor. Entscheidend wird nun sein, ob die jüngste Unterstützung hält und die XRP-ETFs wieder Zuflüsse melden. Fällt diese Marke, könnte das Augusttief wieder ins Blickfeld rücken.
Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, ihre Position zu halten, solange die Unterstützung hält. Ein Neueinstieg könnte für mich erst interessant werden, wenn XRP über die 200-Tage-Linie zurückkehrt und die Inflationsdaten wieder Ruhe bringen. Bis dahin könnten Anleger die Entwicklung von der Seitenlinie aus beobachten.
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