Micron-Aktie rutscht ab – kippt jetzt der große KI-Trade?
China bringt die Speicherwerte ins Rutschen
Auslöser für die jüngste Verkaufswelle sind vor allem neue Fortschritte des chinesischen Speicherherstellers CXMT. Das Unternehmen arbeitet an einer dichteren DRAM-Architektur und will noch in diesem Jahr neue DDR5-Produkte für Server auf den Markt bringen. Anleger fürchten nun, dass chinesische Hersteller schneller als bisher gedacht technologisch aufholen und damit irgendwann mehr Druck auf Preise und Marktanteile von Micron, Samsung und SK Hynix ausüben könnten.
Dazu kommt, dass der gesamte KI-Trade momentan wieder kritischer hinterfragt wird. Zuletzt sorgten niedrigere als erwartete Umsatzangaben von OpenAI für Unruhe, während Broadcom-Chef Hock Tan einige Investitionen im KI-Sektor öffentlich als sehr spekulativ bezeichnete. Der Philadelphia Semiconductor Index fiel dadurch bereits den fünften Handelstag in Folge und erreichte zwischenzeitlich den niedrigsten Stand seit rund vier Wochen.
Bei Micron trifft diese Nervosität auf eine Aktie, bei der die Erwartungen in den vergangenen Monaten enorm gestiegen sind. Sobald Zweifel daran aufkommen, wie lange die hohen Speicherpreise und Margen durchzuhalten sind, reagieren Anleger entsprechend empfindlich.
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Das Geschäft erzählt bislang eine andere Geschichte
Von einem Einbruch bei der Nachfrage ist in den Zahlen bisher wenig zu sehen. Micron meldete Ende September einen Rekordumsatz von 54,23 Milliarden US$ für das vierte Geschäftsquartal und erwartet für das laufende Quartal bereits 61,5 Milliarden US$. Noch stärker ist der Blick auf die Auftragslage: Die langfristigen Kundenverpflichtungen stiegen zuletzt von 22 auf 32 Milliarden US$, während die noch ausstehenden vertraglich zugesicherten Umsätze auf 150 Milliarden US$ angewachsen sind.
Auch aus dem restlichen Sektor kommen bislang eher Signale dafür, dass der Speicherboom noch läuft. Samsung stellte vergangene Woche einen gewaltigen Gewinnsprung in Aussicht, der vor allem von hohen Speicherpreisen und der Nachfrage nach KI-Chips getragen wird. ASML erklärte am Mittwoch ebenfalls, dass die Nachfrage aus dem KI-Bereich so hoch sei, dass die eigene Produktionskapazität voraussichtlich bis 2028 nicht ausreichen werde.
Damit liegt der Konflikt momentan ziemlich offen auf dem Tisch. Der Markt fürchtet mehr Konkurrenz aus China und hinterfragt die hohen Erwartungen rund um KI, während die Unternehmen selbst weiterhin volle Auftragsbücher und eine sehr starke Nachfrage melden.
Micron setzt jetzt auch auf eigene Aktien
Eine weitere Nachricht ist in dem Abverkauf fast etwas untergegangen. Micron hat sein Aktienrückkaufprogramm um 33 Milliarden US$ erweitert und verfügt damit über eine Genehmigung von insgesamt rund 35 Milliarden US$. Größere Rückkäufe waren wegen Vorgaben im Zusammenhang mit den US-Chips-Act-Fördermitteln bislang eingeschränkt, diese Begrenzungen laufen im Dezember aus.
An der Wall Street bleibt man deshalb trotz der aktuellen Schwäche ziemlich offensiv. UBS sieht die Aktie bei 1.625 US$, während D.A. Davidson sein Kursziel zuletzt sogar von 2.100 auf 3.000 US$ angehoben hat. Analyst Gil Luria begründet das unter anderem damit, dass die Nachfrage nach Speicher über mehrere Jahre über dem Angebot liegen könnte und die steigenden Gewinnerwartungen die Bewertung trotz des starken Kursanstiegs gedrückt haben.
ℹ️ Micron in Kürze
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Micron Technology (WKN: 869020) ist ein US-amerikanischer Halbleiterkonzern mit Sitz in Boise (Idaho), der sich auf Speicherchips und Datenspeicherlösungen spezialisiert hat.
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Das Unternehmen produziert vor allem DRAM- und NAND-Speicherchips, die in Rechenzentren, KI-Systemen, Smartphones und Computern eingesetzt werden.
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Die Micron-Aktie ist an der NASDAQ gelistet und Bestandteil wichtiger US-Indizes wie NASDAQ-100 und S&P 500.
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Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei 1,08 Billionen US$, womit Micron zu den größten Halbleiterunternehmen weltweit zählt.
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Fazit
Bei Micron prallen aktuell zwei ziemlich unterschiedliche Bilder aufeinander. An der Börse wächst die Sorge, dass CXMT schneller aufholt und der KI-Boom irgendwann an Tempo verliert, während Micron selbst Rekordzahlen liefert, die Auftragsbestände wachsen und der Speichermarkt weiterhin knapp bleibt. Der Abgabedruck kann nach den vergangenen Tagen durchaus noch anhalten, zumal die Nervosität inzwischen den ganzen Chipsektor erfasst hat. Für einen größeren Bruch der Micron-Story müsste sich aber auch bei Nachfrage, Speicherpreisen oder den Aufträgen etwas verschlechtern, und dafür liefern die aktuellen Unternehmenszahlen bislang wenig Hinweise.
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